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    Nazi-Schläger müssen ins Gefängnis

    Koblenz/Westerwald - Vier Nazi-Schläger müssen hinter Gitter. Sie lockten einen Szene-Aussteiger nachts auf eine Skinheadparty. Sie beauftragten eine adrette Blondine, ihn einzuladen und zu einer Grillhütte im Wald bei Höhr-Grenzhausen zu fahren. Dort streckte ihn ein 136-Kilo-Mann sofort mit der Faust nieder. Dann trat der Rest der Gruppe so brutal auf ihn ein, dass Kiefer und Jochbein brachen.

    Nach der Verhaftung wegen der Racheaktion hatten Mitglieder des Aktionsbüros Mittelrhein in Koblenz aus Solidarität protestiert. Inzwischen sitzen die Köpfe des Aktionsbüros selbst.
    Nach der Verhaftung wegen der Racheaktion hatten Mitglieder des Aktionsbüros Mittelrhein in Koblenz aus Solidarität protestiert. Inzwischen sitzen die Köpfe des Aktionsbüros selbst.

    Zu der Tat kam es bereits im Oktober 2010 – jetzt hat das Landgericht Koblenz die vier Männer (23, 30, 32, 33) in einem Berufungsprozess wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb Jahren und drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Sie gehören laut der Polizei der „Chaos-Crew“ an, einer gewaltbereiten Neonazigruppe aus der Region Wittlich. Sie unterhielten auch Kontakte zum rechtsextremen „Aktionsbüro Mittelrhein“, deren Betreiber seit Mitte März in Untersuchungshaft sitzen.
    Der Prozess gab einen tiefen Einblick in die Neonaziszene. Auf der Party waren etwa 35 Gäste, viele mussten als Zeugen aussagen. Doch die meisten trugen nichts zur Aufklärung der Tat bei. Ein Mann wurde fast totgeschlagen, aber keiner will etwas beobachtet haben. Nur ein Westerwälder (20) hat etwas gesehen. Er belastete seine „Kameraden“ schwer – danach rief das „Aktionsbüro Mittelrhein“ unverhohlen zu Racheakten auf. „Das größte Schwein imganzen  Land ist und bleibt der Denunziant“, schrieb das Aktionsbüro Mittelrhein und veröffentlichte nicht nur Name, Foto und Adresse des jungen Mannes, sondern auch Teile der Anklageschrift mit den belastenden Aussagen. Der Mann habe "gegen einen der Grundsätze unserer Gemeinschaft verstoßen." Und: „Er gehört daher in Zukunft auch so behandelt!“

    Wer sich in der Szene bewegt, prügelt gern mal. Der 136-Kilo-Mann von der Grillhütte ist zigmal vorbestraft – unter anderem, weil er einen „Sozialschmarotzer“ zusammenschlug und auf zwei „Türken-Schlampen“ mit einem Baseballschläger losging.
    Gericht und Staatsanwaltschaft halten den Belastungszeugen für glaubwürdig. Ganz anders die Verteidiger der Schläger. Sie bezeichneten ihn als „lernenden Zeugen“, der immer das sagt, was das Gericht oder der Staatsanwalt hören will. Sie stellten heraus, dass der Zeuge mehrfach seine Aussage änderte. Mal wollte er gesehen haben, wie einer der Männer zuschlug, mal bestritt er das. Mal konnte er über die Lichtverhältnisse und die Getränke auf der Party nichts sagen, mal hatte er dazu Detailwissen.
    Doch die Vorsitzende Richterin Helga Diedenhofen zeigte sich von der Schuld der Männer überzeugt. Der Zeuge habe seine Aussage nur geändert, weil er Angst hatte. Das Gericht geht davon aus, dass die Schläger einen gemeinsamen Tatplan hatten. Darum müssten sie auch gemeinsam bestraft werden. Ein Härtefall: Ein Angeklagter (23) trat dem Opfer einmal in den Rücken, ohne ihn zu verletzen. Er muss dafür zweieinhalb Jahre in Haft.
    Das Schöffengericht Montabaur hatte die Männer bereits 2011 verurteilt. Das Landgericht hat dieses Urteil jetzt bestätigt. Es ist noch nicht rechtskräftig. Hartmut Wagner

    Montabaur Hachenburg
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