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Westerwaldkreis

Autor erzählt über grausame Morde im Westerwald: Erste Tat im Wisent-Gehege

Ein Serienmörder geht im Westerwald um. Das ist die Ausgangslage in dem Buch von Lars Schütz „Der Alphabetmörder“, das im Juni im Ullstein Verlag erschienen ist. Im Fokus stehen vor allem Bad Marienberg, Hachenburg, Montabaur und Umgebung. Doch warum spielt das Thrillerdebüt von Autor Lars Schütz ausgerechnet im Westerwald? Das folgende Interview mit dem jungen Autor, über Motive, Hintergründe und persönliche Einstellungen, gibt Aufschluss.

Friedlich grasen die Wisente im Wildpark Bad Marienberg. Im Buch „Der Alphabetmörder“ wird das Gehege allerdings zum Fundort der ersten grausam zugerichteten Leiche.  Foto: Röder-Moldenhauer
Friedlich grasen die Wisente im Wildpark Bad Marienberg. Im Buch „Der Alphabetmörder“ wird das Gehege allerdings zum Fundort der ersten grausam zugerichteten Leiche.
Foto: Röder-Moldenhauer

Warum haben Sie sich den Westerwald für Ihr erstes Buch ausgesucht?

Meine Familie stammt väterlicherseits aus dem Westerwald und wohnt zum Großteil noch heute dort. Ich bin in Duisburg aufgewachsen, aber meine Eltern sind mit mir sehr häufig dorthin gefahren, fast jedes zweite Wochenende. Bad Marienberg war mehr oder weniger meine zweite Heimat. Dadurch verbinde ich natürlich viele schöne und glückliche Erinnerungen mit der Gegend, sei es der Schmetterlingspark in Bendorf, Besuche auf der Marksburg, der Wildpark Bad Marienberg, die Bacher Lay oder die Abtei Marienstatt. Leider bin ich durch meine Arbeit und auch privat sehr eingespannt, weshalb ich es leider nicht mehr so häufig wie früher in den Westerwald schaffe. Zur Recherche und zu Familienfesten verschlägt es mich aber immer noch so oft, wie es möglich ist, nach Marienberg.

Was hat der Westerwald, was das Ruhrgebiet nicht hat?

Als ich nach einem Setting für meine Thriller-Idee gesucht habe, bin ich sehr schnell beim Westerwald hängen geblieben. Das fängt an bei den nebelverhangenen Hügelketten, die eine sehr verwunschene, düstere Stimmung erzeugen können, und hört auf bei der Tatsache, dass hier noch nicht so eine Anonymität wie in der Stadt herrscht. Hier wissen die Menschen noch übereinander Bescheid, die Familienbande sind noch fester – und da passt dieses Buch, das im Herzen das Thema Familie hat, perfekt hinein.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Es war eher andersrum, das Schreiben ist zu mir gekommen. Schon als kleines Kind war ich begeistert von Geschichten, egal ob in Filmen oder Büchern, und ich wollte immer meine eigenen erzählen.

Fiel es Ihnen schon immer leicht, Ihre Gedanken auf Papier zu bringen?

Seit ich das ABC gelernt habe – passend, bei meinem Buch „Der Alphabetmörder“ – habe ich schon in der Schule gerne Aufsätze und Geschichten geschrieben. Manchmal habe ich sogar ganze Deutschstunden mit dem Vorlesen meiner Hausaufgaben gefüllt. Meine Mitschüler haben es mir nicht übel genommen. Zum einen, weil sie gerne zugehört haben, zum anderen, weil manche von ihnen die Hausaufgaben nicht gemacht hatten und auf diese Weise davonkamen.

Hätten Sie gedacht, dass Sie Buchautor werden?

Ich habe, wenn man so will, über mehr als zehn Jahre hinweg darauf hingearbeitet und mir schon seit meiner Jugend Handwerkszeug und Erfahrung zugelegt. An diesen Punkt zu kommen, war immer mein großer Traum, das absolute Maximalziel. Jetzt stellen sich natürlich wieder neue Träume ein, zum Beispiel der, allein vom Bücherschreiben zu leben.

Warum haben Sie einen Thriller geschrieben?

Selbstverständlich lese ich sehr gerne in dem Genre, vor allem Jussi Adler Olsen, Stieg Larsson, Dan Brown und Chris Carter habe ich verschlungen. Aber darüber hinaus schätze ich an Thrillern das enorme Tempo, den Variantenreichtum und die Möglichkeit, den Plot sehr eng um die Psyche der Figuren zu weben. Krimis, vor allem Regionalkrimis, sind mir immer zu behäbig und zu langsam gewesen. Auch wenn der Westerwald als Schauplatz eigentlich für einen Regionalkrimi prädestiniert gewesen wäre, habe ich mich sehr früh und sehr bewusst für einen reinrassigen Thriller entschieden.

Woher kommen die Ideen für so eine düstere Geschichte?

Die Idee zum „Alphabetmörder“ kam mir lustigerweise beim Googeln. Ich habe mich vertippt und nur einen einzelnen Buchstaben eingegeben. Dabei bin ich dann auf eine Beschreibung des Buchstabens aus dem Grimmschen Wörterbuch gestoßen, wie man sie jetzt auch im fertigen Buch immer wieder findet. Diese Beschreibung fand ich auf irgendeine Weise sehr düster und makaber, was mich dann zur Überlegung gebracht hat: Was wäre, wenn ein Serienkiller streng nach Alphabet vorgehen würde? Was könnten seine Beweggründe sein? Die Arbeit von operativen Fallanalytikern habe ich dann anhand von Fachbüchern und Interviews recherchiert, aber natürlich ergibt sich irgendwann die Frage, ob man die Realität über die Dramaturgie setzt. Eine schwierige Entscheidung, die jeder Autor immer wieder aufs Neue treffen muss. Auch bei mir verbringen meine Hauptfiguren deutlich weniger Zeit mit dem Durchforsten von Datenbanken und dem Schreiben von Protokollen, als es in der Wirklichkeit der Fall wäre.

Können Sie sich mit einer der Figuren des Buches identifizieren und sind die Charaktere an Personen aus dem echten Leben angelehnt?

Hier muss ich mit einer typischen Autoren-Phrase antworten: In jeder der Figuren steckt ein Teil von mir, sei es eine Marotte, ein Charakterzug ... Das geschieht automatisch und macht es leichter, sie authentisch zu schaffen. Die meisten Übereinstimmungen lassen sich natürlich in der Hauptperson Jan Grall finden, dem ich viele meiner Verkorkstheiten vermacht habe. Zudem wird sich etwas aus den Menschen in meinem Leben immer in den Figuren wiederfinden, irgendwo muss die Inspiration, die Quelle dafür ja herkommen. Selbstverständlich wird niemand 1:1 abgebildet, aber wer sucht, der findet sich bestimmt in kleinen Details wieder.

Warum widmen Sie das Buch Ihrem Vater?

Mein Vater ist gebürtiger Westerwälder und vor vielen Jahren nach Duisburg „emigriert“. Zu einem Bruchteil findet sich die Geschichte von Jan Grall also in ihm wieder, auch wenn es bei Grall natürlich völlig andere Umstände waren, wegen denen er aus der Region verschwunden ist. Das war für mich schon Grund genug, ihm dieses Buch zu widmen. Hinzu kommt aber noch, dass er mich immer sehr beim Schreiben unterstützt hat und mir auf meine Westerwald-Fragen immer höchst kompetente Antworten geben konnte. Das nächste Buch wird aber definitiv meiner Mutter gewidmet, sonst bekomme ich echt Stress zu Hause.

Wie gut lassen sich das Buchschreiben und Ihr „Brotberuf“ miteinander verbinden?

In meinem „Brotberuf“ befasse ich mich auch weitestgehend mit dem Schreiben. Als Werbetexter in einer Düsseldorfer Agentur konzipiere ich TV-, Radio und Digital-Kampagnen und schreibe Headlines. Allerdings ist diese Form des Schreibens eine völlig andere. Wenn das Bücherschreiben ein Marathon ist, dann ist das Texten ein Sprint. Dieselbe Sportart, aber völlig andere Disziplinen. Der Texter-Beruf kann in seinen Hochphasen sehr stressig sein, zum Glück habe ich aber einen Chef, der um meine Schreibtätigkeit weiß, sie schätzt und mir dafür die nötigen Freiräume gibt.

Wie war das Feedback zum „Alphabetmörder“ bisher?

Bislang war das Feedback überwältigend gut, wie ich gestehen muss. Vor ein paar Tagen erst habe ich vom Verlag die Nachricht bekommen, dass sie schon die zweite Auflage drucken. Ich hatte als notorischer Pessimist wirklich nicht mit so vielen und so schönen Reaktionen gerechnet, was natürlich noch einmal eine besonders große Freude ist. Die Rezensionen sind bisher zu 99 Prozent positiv und geben mir beim Schreiben der Fortsetzung einen riesigen Motivationsschub. Die Fortsetzung um die beiden Profiler Jan Grall und Rabea Wyler ist bereits in Arbeit und wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2019 erscheinen. Allerdings wird der Handlungsort hier nicht mehr der Westerwald sein, sondern es verschlägt die beiden unter anderem in die Schweiz und ins Ruhrgebiet.

Die Fragen stellte Birte Faust

Montabaur Hachenburg
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