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Montabaur

Anja Müller fordert: Zentralfunktion der Innenstadt erhalten

Buchhändlerin Anja Müller aus Montabaur zog im Jahr 2014 für die CDU-Fraktion in den Stadtrat ein. Das wichtigste Ziel der Einzelhändlerin ist schon seit Jahren eine Stärkung der Innenstadt. Nach drei Jahren legte sie ihr Mandat im Sommer 2017 nieder – „aus privaten und beruflichen Gründen“, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, aber auch aus Enttäuschung über einige politische Entscheidungen des Rats, die aus ihrer Sicht der Innenstadt eher geschadet als genutzt haben.

Der Einzelhandel in der Montabaurer Innenstadt müsste nach Auffassung von Anja Müller gestärkt werden, indem man weniger Gewerbe am Stadtrand erlaubt.
Der Einzelhandel in der Montabaurer Innenstadt müsste nach Auffassung von Anja Müller gestärkt werden, indem man weniger Gewerbe am Stadtrand erlaubt.
Foto: Thorsten Ferdinand

Frau Müller, Sie sind als Buchhändlerin mit Ihrem eigenen Geschäft in der Kirchstraße ansässig und auch in der Werbegemeinschaft Montabaur aktuell aktiv. Was sind aus Ihrer Sicht momentan die größten Probleme der Innenstadt?

Erst einmal würde ich gerne die positiven Seiten hervorheben. Ich höre überwiegend von Touristen Lob für unsere wunderschöne historische Innenstadt. Der Begeisterung schließen sich leider nicht immer alle „Schuster“ an. Da fehlt mir manchmal doch etwas Leidenschaft für Montabaur und damit auch für unsere Heimat. Im Gegensatz zu unserer Bürgermeisterin: Sie muss bzw. möchte es vielen recht machen, und wir sind mit ihr auch auf einem guten Weg. Die Stadt hat unter ihrer Führung nicht nur den weichen Standortfaktor Kultur gestärkt, sie nimmt auch Teil am Städtebauförderungsprogramm, um mit diesen Mitteln beispielsweise die Innenstadt optisch schöner zu gestalten. Dies ist nach vielen Investitionen um das FOC herum endlich ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Hat das vor etwas mehr als zwei Jahren eröffnete FOC dafür gesorgt, dass mehr neue Kunden in die Innenstadt kommen, oder ist dieser Effekt aus Ihrer Sicht ausgeblieben?

Vor Jahren hätten wir Händler in der Innenstadt und auch das FOC selbst mehr profitiert. Es gab keinen oder kaum Onlinehandel. Nun haben wir Händler schon seit Jahrzehnten die Konkurrenz auf der grünen Wiese, dann den Onlinehandel und natürlich auch die Ansiedlung des FOC. Die wenigen FOC-Besucher, die noch den Weg in die Innenstadt finden, gleichen leider für viele nicht den Verlust aus, den der Onlinehandel ausmacht. Politische Versprechungen, dass die damals vereinbarte Sortimentsliste im FOC bindend ist, haben sich leider nicht bewahrheitet, wenn man beispielsweise das neue Spielwarengeschäft gleich eingangs beachtet. Dennoch müssen wir Händler uns auch an die eigene Nase fassen, was Ideen, Service und Qualität anbelangt. Da sind auch die längeren Öffnungszeiten an Samstagen zu nennen, die leider nur teilweise standgehalten haben. Ich kann aber auch den Unmut vieler Händler verstehen, dass es mehr als schwierig ist, bei vermindertem Umsatz auch noch vermehrt Personal einzustellen.

Welche Entscheidungen des Montabaurer Stadtrats waren aus Ihrer Sicht eher kontraproduktiv für die Entwicklung der Innenstadt?

Es entstehen ja letztendlich überspitzt formuliert zwei weitere Stadtteile, ein halber im Quartier Süd und ein weiterer schon in der Alleestraße bzw. Allmannshausen. Diese Kaufkraft fehlt der Innenstadt. Das Zusammenspiel zwischen geschäftlichen und politischen Interessen im Bereich Allmannshausen ist etwas unglücklich gelaufen, um es vorsichtig auszudrücken. In diesem Zusammenhang ist die gutachterliche Warnung zu nennen, dass die Stadt mit Supermärkten an den Rändern bereits gesättigt ist, und dann wird dennoch entschieden, dass ein zusätzlicher Discounter und ein Vollsortimenter in Allmannshausen angesiedelt werden sollen. Es ist kontraproduktiv, den Speckgürtel der Stadt mit noch mehr Supermärkten zuzupflastern. Die Frage ist doch: Wollen wir alle nur noch den Kaffee mit Sicht auf die großen Eingangsstraßen genießen oder doch lieber das historische Flair in der Innenstadt Montabaurs? Natürlich muss beides gehen, aber die vielen Ausnahmen bei der Ansiedlung zentrenrelevanter Geschäfte in und um die Alleestraße waren ein Sargnagel für die Innenstadt. Dies sah das Einzelhandelskonzept der Stadt so nicht vor, auch wenn Bebauungspläne es zeitweise zuließen. Ein neues Einzelhandelskonzept zu verabschieden nach den jetzt schon hergestellten Tatsachen, ist vielleicht nett gemeint, aber das ist auch ein wenig so wie einen Zaun um einen Brunnen zu bauen, nachdem das Kind schon reingefallen ist.

Welche Projekte müssten aus Ihrer Sicht dringend angepackt werden, und sehen Sie die Chance, dass das demnächst auch wirklich passiert?

Viele Projekte wurden schon angepackt, wie das Aufhübschen der Stadt in Zukunft. Dies sind die großen städtebaulichen Maßnahmen, die die Stadt Montabaur initiiert hat, aber jeder Immobilienbesitzer ist auch gefragt, um den Vorbildern der im Moment befindlichen wichtigen Renovierungen zu folgen, und auch im Kleinen die Händler, die auch außerhalb ihres Geschäfts zum Beispiel für einen attraktiven Außenbereich verantwortlich sind. Die baulichen Sünden des Konrad-Adenauer-Platzes vor Jahrzehnten sind in den Folgen heute noch zu sehen, auch die jetzige Beschaffenheit desselben lässt mehr als zu wünschen übrig. Das Gebäude Hisgen war ein großer Frequenzbringer, und ich hoffe, dass die englischen Investoren zügig mit den Renovierungsmaßnahmen beginnen, damit dort wieder vermehrt Gewerbe angesiedelt wird. Die Montabaurer Werbegemeinschaft fordert die Erhaltung der Zentralfunktion der Innenstadt, wie es auch im Landesentwicklungsprogramm des Landes Rheinland-Pfalz gefordert wird. Die Rahmenbedingungen dazu muss aber letztendlich die Politik stecken.

Das Gespräch führte Thorsten Ferdinand

Montabaur Hachenburg
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