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    Willy Brandt wäre 100 geworden: Karikaturenschau in Unkel streut optisches Juckpulver

    Es ist eine Schau, die den Kanzler mit allen Ecken und Kanten zeigt - und die meist überzeichnet. Schließlich sind es 70 Karikaturen zu Willy Brandt, die das Unkeler Willy-Brandt-Forum zeigt.

    Zur Eröffnung der Schau über Willy Brandt luden Klaus-Henning Rosen (links) und Rudolf  Rupperath (rechts) Ex-SPD-Werbechef Karl Garbe ein. Foto: Creativ
    Zur Eröffnung der Schau über Willy Brandt luden Klaus-Henning Rosen (links) und Rudolf Rupperath (rechts) Ex-SPD-Werbechef Karl Garbe ein.
    Foto: Creativ

    Momente gibt es im Leben, die verfliegen so schnell, wie sie gekommen sind. Andere hingegen scheinen geeignet, ein ganzes Leben lang niemals vergessen zu werden: Eine Fülle dieser ganz besonderen Momente schildert Karl Garbe, früherer Werbechef der SPD, amüsant im ob der vielen Zuhörer quälend engen Hörsaal des Unkeler Willy-Brandt-Forum (Kreis Neuwied) über den Namensgeber des Museums. Bis weit auf den Gang hinaus stehen die rund 60 Besucher der Eröffnung der Karikaturenschau „Man hat sich bemüht“. Sie hängen an den Lippen eines Mannes, der nah dran war an Willy Brandt und ihn profund in Wahlkämpfen beraten hat.

    „Er ist ein Sprücheschreiber“, sagt Klaus-Henning Rosen, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Willy-Brandt-Forum, über den 85 Jahre alten Garbe und fügt vielsagend hinzu: „Man könnte heute einen gebrauchen, der Politikersprüche vereitelt.“ Wen Rosen mit dieser Spitze meint – am Ende noch einen Sozialdemokraten wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – ließ der langjährige Büroleiter Willy Brandts natürlich offen.

    Bis Ende Januar sind in den Räumlichkeiten des Forums für Wechselausstellungen rund 70 Karikaturen von mehr als 40 internationalen Künstlern zu Willy Brandt, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, zu sehen. Die Spottzeichnungen umfassen die Zeit von 1957, als Brandt zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt wird, bis ins Jahr 1992, das Jahr, in dem Willy Brandt in Unkel stirbt. Kurze kommentierende Erläuterungen zu jeder Karikatur, vom Wiener Zeichner Gustav Peichl „optisches Juckpulver“ genannt, ermöglichen dem Betrachter die historische Einordnung eines Politikers und seiner Zeit.

    „Er hatte ein Profil, das Karikaturen herausgefordert hat“, findet Garbe mit dem ihm eigenen Augenzwinkern, wissend seine Behauptung begründen zu können. „Schöngesichtige Politiker sind ein Übel schlechthin“, sagt der frühere SPD-Vorstand, Journalist und Publizist, der etwa die berühmte Wortschöpfung vom „Genossen Trend“ aus der Taufe hebt und aus dem stets grimmig wirkenden Herbert Wehner „Onkel Herbert“ macht.

    Kein Wunder, dass kein einziges Hüsteln im Unkeler Hörsaal zu vernehmen ist, wenn Karl Garbe spricht. So etwa, wenn er seine erste Begegnung mit dem späteren Außenminister, Bundeskanzler, SPD-Chef und Friedensnobelpreisträger beschreibt. Garbe probt 1953 gerade in Bonn mit einigen Ensemblemitgliedern der „Holzwürmer“, einer Kabarettgruppe der Jungsozialisten, als eine Gruppe von Berliner Bundestagsabgeordneten den Raum betritt. Mit dabei sei ein bis dato noch recht unbekannter MdB mit markanten Gesichtszügen um die 40 Jahre namens Willy Brandt gewesen. „Er befand sich schon damals im steten Techtelmechtel von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung“, sagt Garbe unter dem amüsierten Gelächter seiner Zuhörer.

    Der Titel der Unkeler Karikaturenschau „Man hat sich bemüht“ ist einem Brandtzitat entnommen. So sei der Politiker von einem Journalist gefragt worden, was dereinst auf seinem Grabstein stehen solle, wie Klaus-Henning Rosen berichtet. „Der Spruch ,Man hat sich bemüht' ist Gott sei Dank nicht auf den Grabstein drauf“, sagt er. Vielmehr ist die letzte Ruhestätte auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof schlicht gehalten. Lediglich Vor- und Zuname zieren den Stein.

    Von unserem Redakteur Mario Quadt

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