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Neuwied

Wahlkampf in Neuwied: Gregor Gysi teilt aus

Wenn Gregor Gysi spricht, scheint alles ganz einfach zu sein. Der Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion hielt am Sonntagabend im großen Saal der Neuwieder Volkshochschule eine glühende Wahlkampfrede.

Foto: Jörg Niebergall

Von unserem Reporter Stefan Hantzschmann

Gysi, bekannt für seine Eloquenz und seine rhetorischen Fähigkeiten, wühlt sich durch das gesamte Programm der Linken. Fast alles kommt zur Sprache: Deutsche Beteiligung an Kriegen würde es mit ihm als Kanzler nicht geben, und dem Obama würde er beibringen, dass man Deutschland nicht abhören darf. Griechenland, die EU, Ukrainekrise, Mütterrente, Kinderbetreuung, Schulsystem, Freihandelsabkommen: Und fast alles würde die Linke ändern, wenn, ja wenn Gregor Gysi Kanzler – und bei diesem Satz muss er selbst lachen – wäre.

"Hinter jedem Krieg steckt ein ökonomisches Interesse!" – tosender Applaus, "Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur. Das ist ein Skandal!" – einige richten sich beim heftigen Klatschen auf, "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!" – da ist der Applaus schon verhaltener.

Gysi schenkt es sich, auf rheinland-pfälzische oder gar Neuwieder Probleme einzugehen. Wahlen gewinnt die Linke im Osten und im Saarland. Wie heißt der Spitzenkandidat der Europäischen Linkspartei? Alexis Tsipras, ein Grieche. Sein Name fällt nicht. Der seines Landes beachtlich oft. "Wie soll ich der griechischen Friseurin erklären, dass sie die Bankenrettung bezahlen soll? Ich kann es ihr nicht erklären!", ruft Gysi dem Publikum zu. Seine Gesten benutzt er dosiert: mal schlägt er auf das Rednerpult, mal hebt er den Zeigefinger, und wenn er einen Scherz macht – Scherze haben bei Gregor Gysi immer eine sarkastische Note – lehnt er den Körper leicht zurück, schwingt den Kopf zur Seite und wirbelt mit der Hand Wellen durch die Luft, als wollte er damit sagen: "So sorgenlos geht die Regierung mit eurem Geld um."

Gysi teilt in der Neuwieder Volkshochschule mächtig aus: Merkel, Kauder, Schäuble – die Konservativen bekommen ihr Fett weg. Nur wenige Namen der SPD fallen. Und dann sendet Gysi noch ein Signal aus, wahrscheinlich, weil Neuwied nicht im Osten und nicht im Saarland liegt und weil die SPD für die nächste Bundestagswahl noch nicht ausgeschlossen hat, mit den Linken zu koalieren. Gysi sagt den Neuwiedern am Sonntagabend: "Wenn Sie die Linken wählen, dann verändern Sie auch die SPD!"

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