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Leutesdorf

Posse um Pegel Andernach: Falsche Wasserstände erzürnen Leutesdorfer

8,32 Meter oder 8,43 Meter Wasserstand am Pegel Andernach? Für einige Rheinanlieger können diese elf Zentimeter einen gewaltigen Unterschied machen – so etwa für Erich Vonhöngen, der seit 36 Jahren die Gaststätte Kurtrierischer Hof an der Rheinstraße in Leutesdorf betreibt und beim ersten Januarhochwasser eine böse Überraschung erlebt hat. Die Flut schwappte in den Gastraum, als er sie noch nicht erwartet hatte, wie er im RZ-Gespräch berichtet. Schuld sind verfälschte Höhenangaben für den Pegel, über die sich der Gastronom und andere Leutesdorfer mächtig aufregen.

Das Januarhochwasser stand unter anderem in der Mittelrheingemeinde Leutesdorf elf Zentimeter höher als gedacht, weil der Pegel Andernach ab einer Höhe von 6,50 Metern nicht zuverlässig misst – zum Ärger der Anwohner.  Leserfoto:  Alois Oberdörfer
Das Januarhochwasser stand unter anderem in der Mittelrheingemeinde Leutesdorf elf Zentimeter höher als gedacht, weil der Pegel Andernach ab einer Höhe von 6,50 Metern nicht zuverlässig misst – zum Ärger der Anwohner. Leser
Foto: Alois Oberdörfer

Dabei ist Hochwasser eigentlich Routine für Vonhöngen, der genau weiß, ab wann er Vorkehrungen zu treffen hat, wie etwa Türen auszubauen und das gesamte Holzmobiliar sicher zu lagern. Das war schon erledigt, als er Anfang Januar bei einem Pegelstand von 8,19 Metern nach dem Rechten sehen wollte – und seine Gaststätte bereits überschwemmt vorfand. „Normalerweise kommt das Wasser aber erst bei etwa 8,20 Meter rein“, berichtet Vonhöngen. Diesmal kam es anders, und als der Scheitel bei – laut offizieller Angabe – 8,32 Meter erreicht war, stand die braune Suppe schon gut 25 Zentimeter hoch im Gastraum.

„Das waren mindestens elf Zentimeter Abweichung, und dabei ist der Pegel Andernach für uns in Leutesdorf lebenswichtig“, sagt der Gastronom und berichtet, dass es mehreren Nachbarn in der Rheinstraße ähnlich ergangen und der Ärger groß gewesen sei. Bei einem schneller steigenden Hochwasser könnten die Folgen nämlich gravierend sein, wenn man zu spät mit dem Hochstellen anfange. „Das ist nicht alles innerhalb einer Stunde erledigt“, erklärt Vonhöngen.

Den Unmut seiner Mitbürger konnte sich nach den beiden Januarfluten auch Leutesdorfs Ortsbürgermeister Volker Berg anhören. „Es gab mehrere Betroffene“, berichtet er. So habe das Wasser an der Gaststätte Leyscher Hof erst ganz knapp vor der Schwelle zum Gastraum haltgemacht. Die Beschwerden aus dem Winzerort hat Berg an den Betreiber des Pegels, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Bingen, weitergereicht – und dort ist man sich des Problems auch bewusst, wie der stellvertretende Leiter Florian Krekel betont.

„Die Abweichung ist Folge einer hydraulischen Besonderheit am Pegel Andernach“, erklärt Krekel. Grob vereinfacht: Ab einem Wasserstand von circa 6,50 Metern müssten die Sonden, die den Wasserdruck und damit die Pegelhöhe messen, eigentlich nachjustiert werden, um einen korrekten Wert anzuzeigen. Darauf hat das WSA aber verzichtet, weil ein solcher Eingriff wiederum die Messwerte hinsichtlich des Wasserabflusses beeinflussen würde, der in den Vorhersagemodellen des Hochwassermeldezentrums in Mainz eine entscheidende Rolle spielt. Mit einer falsch eingestellten Pegellatte – auch diese Erklärung war in Leutesdorf kolportiert worden – hat das Problem laut Krekel dagegen nichts zu tun. Zwar arbeite das WSA an einer dauerhaften baulichen Lösung, mit der die verzerrten Messwerte der Vergangenheit angehören sollen. Einstweilen rät Krekel aber den Leutesdorfern, bei einem niedrigeren Stand mit ihren Vorkehrungen zu beginnen.

Dieser Ratschlag kann Betroffene wie Erich Vonhöngen unterdessen kaum befriedigen. „Dann frage ich, warum man nicht bei der Bekanntgabe der Pegelstände dazu schreibt, dass es in Wirklichkeit elf Zentimeter mehr sind“, wundert sich der Gastronom.

Von unserem Redakteur
Michael Fenstermacher

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