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Bruchhausen

Hunderte pilgern zur Trösterin der Betrübten

Bruchhausen ist in Stille getaucht. Ein dunkelgrauer Himmel spannt sich über dem Marienwallfahrtsort.

Die Gläubigen haben bei der Prozession Kerzen dabei. Für manche Menschen ist der Weg nach Bruchhausen die letzte Hoffnung. Foto: Sabine Nitsch
Die Gläubigen haben bei der Prozession Kerzen dabei. Für manche Menschen ist der Weg nach Bruchhausen die letzte Hoffnung.
Foto: Sabine Nitsch

Die bleiernen Wolken scheinen fast an das Kreuz auf dem Kirchturm der spätgotischen Marienkirche zu stoßen, wo sich Gläubige draußen auf dem Kirchplatz versammelt haben, weil sie in der überfüllten Wallfahrtskirche keinen Platz mehr gefunden haben. Über Lautsprecher können sie das Festhochamt, das Weihbischof Ansgar Puff zelebriert und der Kleine Chor Bruchhausen musikalisch begleitet, mitverfolgen. Rund 450 Pilger sind nach Bruchhausen gekommen, um dabei zu sein, wenn der Marienwallfahrtsort mit der Lichterprozession "Mariä Aufnahme in den Himmel" feiert. Das Wetter ist wohl der Grund, warum in diesem Jahr nicht so viele Pilger kommen wie sonst.

Warum pilgern Menschen in einer Zeit, wo Facebook und Big Brother den Voyeurismus der Massen bedienen, überhaupt noch? Die Gründe, warum sich Menschen aller Altersgruppen noch aufmachen, um an einer Wallfahrt teilzunehmen, sind unterschiedlich. Bei Käthemie Dung und Marlene Pertz ist es "die Verbundenheit mit der Mutter Gottes", die es für sie selbstverständlich macht, an der Wallfahrt teilzunehmen. "Uns es geht darum, danke zu sagen für die Hilfe im ganzen Jahr", meint Dung. Engelbert Wallek ist ebenso wie Stefan Schmitz aus Unkel bis nach Bruchhausen gelaufen. Jeder für sich alleine. "Pilgern heißt auch, dass man sich zu Fuß aufmacht. Die kleine Wallfahrt nach Bruchhausen kann man gut bewältigen und sich auf dem Weg Gedanken machen", sagt Schmitz, für den die Wallfahrt auch Teil der Tradition ist. "Es gibt einem etwas und hat einen Hauch von Jakobsweg", beschreibt Wallek seine Motivation, zur Marienkirche zu wandern.

Andere haben sich aufgemacht, weil sie schwere Schicksalsschläge zu verkraften haben oder selbst krank sind, wie ein junger Mann aus dem Westerwald. "Wenn alle mit ihrem Latein am Ende sind, kann nur noch der liebe Gott helfen", hofft er. Seit 1999 pilgert eine Gruppe aus Uckerath nach Bruchhausen. In diesem Jahr sind es 70 Gläubige, die die 27 Kilometer zu Fuß zurückzulegen. "Wir haben an sieben Stationen, gemäß den sieben Sakramenten, Station gemacht und auch unser Kreuz, dass von Helene Leopold wieder schön geschmückt war, mitgeführt", erläutert Elke Ditscheid, die zusammen mit ihrem Mann Egon die Idee hatte, die Wallfahrt, die seit dem 16. Jahrhundert in Uckerath Tradition hatte, bis sie im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde, wieder aufleben zu lassen.

Mittelpunkt der Wallfahrt ist die Lichterprozession durch den Ort. Vier junge Mädchen – in diesem Jahr Sabrina Sperling, Justine Pertz, Regina Selzer und Lydia Bockshecker – tragen die mit Blumen geschmückte Wallfahrtsmadonna, flankiert von vier Fähnrichen an der Spitze der Prozession durch den Ort. Hinter ihnen folgen die Gläubigen, die alle eine brennende Kerze tragen. Am Gemeindehaus hält die Prozession, um die Festpredigt von Weihbischof Puff zu hören, bevor es zurück zur Pfarrkirche und zur Schlussandacht geht.

Für die Junggesellen und Jungmädchen beginnt die Lichterprozession bereits am späten Nachmittag, wenn sie, wie in diesem Jahr, 1000 Kerzen entlang des Prozessionsweges am Straßenrand aufstellen und kurz vor Beginn auch entzünden.

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Nitsch

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