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    Kreis Neuwied

    Hallerbach gegen Mahlert: Wer zieht als neuer Landrat ins Kreishaus?

    Die Landratswahl an Rhein und Wied steht am 24. September unter gänzlich anderen Vorzeichen als 2009: Ging es vor acht Jahren im Grunde einzig um die Frage, wie hoch der Sieg von Amtsinhaber Rainer Kaul (SPD) gegen seinen Herausforderer Achim Hallerbach (CDU) ausfällt, zeichnet sich jetzt eher ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Kreisbeigeordneten Hallerbach und seinem Kontrahenten Michael Mahlert (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Hönningen, ab.

    Wer zieht als neuer Landrat ins Kreishaus ein?
    Wer zieht als neuer Landrat ins Kreishaus ein?
    Foto: Jörg Niebergall

    Die einzige Parallele zum Duell zwischen dem damals noch meritenlosen Hallerbach und „Platzhirsch“ Kaul: Dem Wähler stellen sich erneut nur zwei Bewerber zur (Aus-)Wahl. Die sogenannten kleinen Parteien schicken keinen Bewerber ins Rennen. Und es gibt offenbar auch keine geeigneten Bewerber, die zwar parteiunabhängig, dafür aber mit der Unterstützung einer oder mehrerer politischer Kräfte ins Rennen gehen wollten. Das steht seit Dienstag fest, dem Tag an dem die Wahlkommission eben nur zwei gültige Wahlvorschläge für das Landratsamt feststellte, sprich Hallerbach und Mahlert zur Wahl zuließ.

    Beide Bewerber haben bereits vor Monaten zum Wahlkampf geblasen. Seither haben sich sowohl Hallerbach als auch Mahlert kaum Atempausen gegönnt. Termine reihten sich an Termine. Und je näher der Wahlsonntag im Spätsommer rückt, um so emsiger werden sie wohl um die Gunst der Wähler buhlen.

    Achim Hallerbach.
    Achim Hallerbach.
    Foto: privat

    Politisch und im Hinblick auf ihre Aufgabe als Verwaltungschef liegen Hallerbach und Mahlert gar nicht so weit auseinander. Der Unionskandidat will nichts weniger, als eine Vision für den Kreis entwickeln. Auf parteipolitische Experimente will er sich dabei nicht einlassen. Konkret sprach Hallerbach im März davon, Finanzspielräume im Rahmen eines „modernen Bau- und Projektmanagements für zielgerichtete Investitionen“ nutzen zu wollen. Er peile eine neue Digitalisierungswelle unter dem Motto „Digitaler Landkreis 2.0“ an, wolle die ehrenamtliche Infrastruktur erhalten und ausbauen, für eine bessere Finanzausstattung des Kreises kämpfen und sich für die heimische Wirtschaft über eine gestärkte Wirtschaftsförderung einsetzen. „Ich will als Landrat den Menschen, der Wirtschaft, der Jugend, den Familien und den Senioren eine Perspektive aufzeigen.“

    Michael Mahlert.
    Michael Mahlert.
    Foto: privat

    Das will Michael Mahlert sicherlich auch. Inhaltlich hielt er sich am Nominierungsabend im Januarkurz und nannte lediglich drei Schwerpunktbereiche. Dies war zum einen die Stärkung des ländlichen Raums durch Erhaltung und Ausbau der Infrastruktur in jeglicher Hinsicht. Zudem formulierte er als Ziel, „Daseinsvorsorge zu betreiben“ und den Bürgern „klare Angebote“ bieten zu wollen. Als weiteres großes Thema nannte er die zweite Stufe des Breitbandausbaus im Kreis Neuwied. Als dritten Themenschwerpunkt nannte Mahlert die Stadt Neuwied, die er durch Verbindungen mit dem Umland als Zentrum stärken wollen würde. Als Beispiel nannte er den Zoo.

    Bei den Christdemokraten im Kreis gibt man sich ausgesprochen optimistisch. Für viele scheint es sicher zu sein, dass Achim Hallerbach diesmal das Feld als Sieger verlassen wird. Das ist bereits bei dessen offizieller Nominierung vor Monaten vielstimmig zum Ausdruck gekommen. Und der Optimismus kommt nicht von ungefähr. Immerhin hatte Hallerbach acht Jahre Zeit, um sich als 1. Kreisbeigeordneter und damit als Stellvertreter von Landrat Kaul einen Namen zu machen. Da ist nicht nur in der Abfallwirtschaft des Kreises Vorzeigbares entstanden. Anerkennung dafür kommt sogar vom Linken Jochen Bülow, der sonst eher keine Loblieder auf die CDU anstimmt.

    Zurecht optimistisch gehen aber auch die Genossen mit Michael Mahlert in die heiße Phase des Wahlkampfes. Denn auch er ist in Sachen Politik und Verwaltungsarbeit kein heuriger Hase. Der Sozialdemokrat war zu früheren Zeiten bereits als Referatsleiter und Personalratsvorsitzender tätig und nannte Rainer Kaul einen „Lehrmeister“ während seiner Zeit in der Kreisverwaltung. Als langjähriger Bürgermeister und Kreisgruppenchef des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebundes und aufgrund seiner den Menschen zugewandten Art sehen nicht nur heimische Genossen den Bad Hönninger als prädestiniert für das Landratsamt an. Erfolge auf Kreisebene, wie sie Hallerbach als Dezernent für sich verbucht, kann Mahlert zwar nicht in dieser thematischen Breite vorweisen, dafür gilt er vielen als näher am Volk dran.

    Was das Engagement im Ehrenamt angeht, nehmen sich Hallerbach und Mahlert nicht viel. Beide sind zudem kreisbekannte Persönlichkeiten, die sich auch mit den jeweiligen Befindlichkeiten vor Ort auskennen. Unter dem Strich fällt es also schwer, dem einen oder dem anderen die Favoritenrolle zuzuschieben. Ralf Grün

    Impulse geben, ohne sich zu wichtig zu nehmen

    Kreis Neuwied. Rainer Kaul im RZ-Gespräch über die Aufgaben, Versuchungen und Herausforderungen eines Neuwieder Landrats.

    Rainer Kaul hat den Kreis 24 Jahre lang geführt. 
    Rainer Kaul hat den Kreis 24 Jahre lang geführt. 
    Foto: Kreis Neuwied

    Seit 24 Jahren ist Rainer Kaul Landrat des Kreises Neuwied. Wir haben ihn dazu befragt, was sein Nachfolger aus seiner Sicht mitbringen muss.

    Welche Schlüsselqualifikationen muss ein Neuwieder Landrat mitbringen?

    Er benötigt neben dem Fachwissen eine hohe Sozialkompetenz. Er muss authentisch sein, also echt und glaubwürdig. Er sollte nah bei den Menschen sein, Bürger und Mitarbeiter müssen sich auf ihn verlassen können. Helfen, wo immer es geht. Wenn erforderlich, eine klare Sprache sprechen, zugleich aber bescheiden und zurückhaltend agieren. Er muss zukunftsfähige Denkanstöße geben und gleichzeitig um einen Ausgleich von unterschiedlichen Meinungen und Interessen bemüht sein.

    Was ist die wichtigste Aufgabe des Landrats?

    Er ist Chef einer großen Dienstleistungsbehörde mit über 600 Mitarbeitern. Die sozialen Aufgaben einschließlich Jugendhilfe und Gesundheitswesen stehen im Vordergrund und erfordern fast 80 Prozent aller Haushaltsmittel. 27 weiterführende Schulen müssen ebenso unterhalten werden wie die Kreisstraßen und vieles mehr. Allein diese Beispiele machen deutlich, dass der Landrat sich mit seiner Verwaltung als Dienstleister verstehen muss. Er trägt die Verantwortung dafür, dass die Verwaltung funktioniert und sich um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmert. Das klappt nur, wenn er Mitarbeiter motivieren und führen kann.

    Der Landrat trägt zudem überregionale Verantwortung. Er muss Impulse und Anstöße zur Zukunftsentwicklung geben. Ein aktuelles Beispiel ist der Breitbandausbau in den Gemeinden. Er muss die Städte und Gemeinden beraten und ihnen jegliche Hilfe geben, auch bei der Beschaffung von Zuschüssen. Obwohl er die Aufsichtsbehörde verkörpert, ist er zugleich der Partner der Gemeinden. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

    Was ist die größte Versuchung, der ein Landrat nicht erliegen darf?

    Er sollte sich nicht zu wichtig nehmen, es geht nicht um ihn. Er sollte das Ohr am Volk haben, vorbildhaft und bescheiden auftreten und ruhig mal in der zweiten Reihe stehen. Er darf nie vergessen, dass er Dienstleister für die Städte und Gemeinden mit ihren über 180.000 Menschen ist, deren Vertrauen er sich täglich neu verdienen muss. Er muss charakterstark, integer und über jeden Zweifel erhaben sein. Also mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und allen unangemessenen Verlockungen widerstehen.

    Welche Felder muss der Landrat beackern? Wo muss er sich einbringen?

    Neben der Sicherstellung einer zuverlässigen und kompetenten Verwaltung ist er Impulsgeber auf praktisch allen Politikfeldern im Kreisgebiet. Selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden, den Kirchen, Vereinen und Organisationen. Heute geht es um den Straßenbau, morgen um die Schaffung von attraktiven Gewerbegebieten, übermorgen um die Verbesserung des schulischen Bildungsangebotes. Dazu braucht er ein breites, zuverlässiges Netzwerk, nach oben Richtung Mainz und nach unten zu den Bürgern und Vertretern der Kommunen.

    Was ist die größte Herausforderung, die auf den neuen Landrat zukommen wird.

    Der Kreistag besteht mittlerweile aus sieben Fraktionen. Da ist es bei manchen Themen nicht einfach, zu einer gemeinsamen Linie zu kommen. Das erfordert viel Zeit und Überzeugungskraft und man muss in hohem Maße integrativ und kompromissbereit sein.

    Im übrigen gilt es, die Finanzlage weiter zu konsolidieren. Wir konnten in diesem Jahr zum vierten Mal den Haushalt ausgleichen, die Verschuldung konnte um über 15 Millionen. Euro abgebaut werden. Gleichzeitig flossen Zuschüsse von über 30 Millionen. Euro in unsere Schulen, Sportanlagen, Straßen oder den Breitbandausbau. Das gilt es fortzusetzen. Wir sind inzwischen einer der steuerstärksten Kreise im ganzen Land. Heimische Betriebe konnten sich gut entwickeln, viele neue sind gerne in unsere attraktiven Gewerbegebiete gekommen. Inzwischen gehen uns die Flächen aus. Es wird eine wichtige Aufgabe des neuen Landrats werden, sich um neue Gewerbeflächen und die zum Ausbau notwendigen Zuschüsse zu kümmern.

    Die Fragen stellte Ulf Steffenfauseweh.

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