40.000
Aus unserem Archiv
Kreis Birkenfeld

Zu Tode gefoltert: Fall Sarah wird neu verhandelt – Bricht Axel G. sein Schweigen?

Vera Müller

Der Medienrummel ist erneut riesig: Der Prozess im Fall Sarah H., die bis zum Jahr 2015 in Fischbach lebte und dann nach Alt Rehse/Neubrandenburg zog, wird seit Dienstag am Landgericht Neubrandenburg neu aufgerollt. Direkt zu Beginn der Hauptverhandlung wurde es turbulent.

Der aufsehenerregende Fall um die zu Tode gefolterte Sarah H. aus Fischbach im Kreis Birkenfeld wird seit Dienstag, 17. April 2018, am Landgericht Neubrandenburg neu verhandelt. Gleich zu Beginn gab es mehrere Anträge. Vor allem geht es um die Schuldfähigkeit des Alt Rehsers Axel G. zum Tatzeitpunkt.
Der aufsehenerregende Fall um die zu Tode gefolterte Sarah H. aus Fischbach im Kreis Birkenfeld wird seit Dienstag, 17. April 2018, am Landgericht Neubrandenburg neu verhandelt. Gleich zu Beginn gab es mehrere Anträge. Vor allem geht es um die Schuldfähigkeit des Alt Rehsers Axel G. zum Tatzeitpunkt.
Foto: Benjamin Stoess

Die Verteidigung des 52-jährigen Axel G. gab an, ein Problem mit dem Richter Carl-Christian Deutsch zu haben und stellte einen Befangenheitsantrag. Hintergrund: Bei der Terminierung sei sein Wahlverteidiger nicht ausreichend einbezogen worden. Der Verteidiger kann – so die Info unserer Zeitung – aber erst ab Juni beim Prozess dabei sein. Pflichtverteidiger, Eckard Wähner, vertrat Axel G. zum Prozessauftakt. Das Gericht lehnte den Antrag ab: Eine weitere Verzögerung der Verhandlung soll offenbar unbedingt vermieden werden. Ob die Ablehnung des Antrags Axel G. womöglich den nächsten Revisionsgrund liefern könnte, bleibt abzuwarten.

Ein Ausschluss der Öffentlichkeit wurde vonseiten der Staatsanwaltschaft gefordert. Dem Antrag wurde stattgegeben: Lediglich das Urteil soll wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. „Es ist, wie es ist“, zeigte sich Damian Hötger, erneut als Vertreter der Nebenklage tätig, im Gespräch mit unserer Zeitung überrascht. Axel G. hatte vor Gericht den Eindruck erweckt, dass er sich eine öffentliche Verhandlung wünscht.

Für Hötger, der Sarah H. persönlich kannte, offensichtlich: „Das Gericht arbeitet extrem gründlich, was die Anträge betrifft.“ Axel G. habe seine Anträge ruhig und sachlich vorgetragen. Denkbar sei auch, dass Axel G. nach Ausschluss der Öffentlichkeit womöglich doch sein Schweigen bricht und sich kommunikativ gibt: „So etwas kommt durchaus vor“, weiß Hötger aus Erfahrung. Vor Gericht geht es um die Aufklärung des Geschehens im Sommer 2016 – vor allem mit Blick auf die Frage der Schuldfähigkeit des Alt Rehsers, der nach Informationen unserer Zeitung bereits seit einigen Wochen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht ist.

Rund 50 Zeugen, die an 23 Verhandlungstagen bis Ende August gehört werden sollen, sind geladen: darunter auch Einwohner aus dem Dorf Alt Rehse sowie Zeugen aus dem Kreis Birkenfeld, die mit Sarah H. zu tun hatten. Als Vertreter der Nebenklage ist erneut der Idar-Obersteiner Anwalt Damian Hötger dabei. Vor Gericht werden auch die vielen, zum Teil verstörenden Einträge auf der Facebook-Seite des früheren Informatikers ausgewertet.

Dass der Fall neu aufgerollt wird, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Das Urteil des Landgerichts – Axel G. war zu fünf Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden – war im Oktober 2017 aufgehoben worden. Der Verteidiger hatte Revision eingelegt. Die Begründung: Der Geisteszustand des Angeklagten sei nicht ausreichend berücksichtigt worden. Der „Nordkurier“ berichtet: „Laut eigener Aussage war der Alt Rehser zur Tatzeit davon überzeugt, der Bundesnachrichtendienst forsche ihn aus und habe Sarah H. als Spitzel zu ihm geschickt. Mit der Folter habe er Informationen erpressen wollen. Diesem ,behaupteten Motiv', heißt es im BGH-Beschluss, habe ,ersichtlich eine Wahnvorstellung zugrunde' gelegen. Möglicherweise habe G. seine Tat nicht als unrecht empfinden können.“

Der Tathergang hatte nicht nur bei Menschen, die Sarah H. kannten, Entsetzen ausgelöst: G. hatte Sarah H. im Sommer 2016 im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt, wie er zeitnah nach seiner Festnahme gegenüber einem Polizisten ausgesagt hatte. Sarah H. starb einen qualvollen Tod.

Vor Gericht sagte Axel G. nicht aus und ließ sich auch nicht psychiatrisch begutachten. Die stark verweste, in Malervlies verpackte Leiche war einige Zeit später bei einem Einsatz wegen Ruhestörung im Haus gefunden worden.

Klar ist: Axel G. kann nicht höher bestraft werden, hat bereits knapp zwei Jahre der fünfjährigen Haftstraße hinter sich. Rechtsexperten gehen davon aus, dass es durchaus möglich sein kann, dass er auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird.

Idar-Oberstein Birkenfeld
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Stefan Conradt (sc)
Redaktionsleiter
Tel. 06781/605-43
E-Mail
Vera Müller (vm)
Redakteurin
Tel. 06781/605-52
E-Mail
Bettina Schäfer (bet)
Redakteurin
Tel. 06781/605-56
E-Mail
Andreas Nitsch (ni)
Redakteur
Tel. 06781/605-45
E-Mail
Axel Munsteiner (ax)
Redakteur
Tel. 06781/605-44
E-Mail
Peter Bleyer (pbl)
Redakteur
Tel. 06781/605-58
E-Mail
Silke BauerSilke Bauer (sib)
Redakteurin
0171-2976119
E-Mail
Jörg Staiber (jst)
Reporter
Tel. 06781/605-63
E-Mail
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
E-Mail

Regionalwetter
Freitag

16°C - 31°C
Samstag

16°C - 28°C
Sonntag

14°C - 29°C
Montag

13°C - 29°C
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach