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Ellweiler

Verwitterter Steinerinnert an Mord an Dienstmagd

Der verwitterte Stein, ein paar Schritte abseits des Weges in einem Wäldchen hart an der Gemarkungsgrenze nach Nohfelden, hat Heike Reitenbach schon immer fasziniert. Das "Grab" – ein bisschen unheimlich, aber keineswegs abschreckend – beflügelte die Fantasie und lockte Ellweilers Dorfkinder zu immer neuen Entdeckungstouren.

Nicht mehr zu lesen ist die Inschrift, die im verwitterten Sandstein an die ermordete 18-Jährige erinnert. Mehr als ein Jahr haben Heike Reitenbach und ihre Tochter nach Einzelheiten über die Tote geforscht. Der Kriminalfall ist nach wie vor ein Rätsel. 
Foto: Reiner Drumm
Nicht mehr zu lesen ist die Inschrift, die im verwitterten Sandstein an die ermordete 18-Jährige erinnert. Mehr als ein Jahr haben Heike Reitenbach und ihre Tochter nach Einzelheiten über die Tote geforscht. Der Kriminalfall ist nach wie vor ein Rätsel.
Foto: Reiner Drumm

Erwachsen und mit Mann und Kind führte später so mancher Sonntagsspaziergang hinaus in Richtung Neubrücker Mühle. Aber auch Heike Reitenbach hätte die Gedenkstätte im Wald wohl inzwischen vergessen. Doch dann kam zufällig – vor gut einem Jahr bei einer Familienfeier – die Rede darauf. "Ich glaube, ich würde die Stelle nicht mehr finden ...", war allgemeine Meinung. Am Sonntag drauf machte die Familie den Test. Der Hartnäckigkeit der Tochter war es letztlich zu verdanken, dass man nicht wenige Meter vor dem Ziel aufgab und umkehrte.

Doch fortan änderte sich Heike Reitenbachs Verhältnis zu dem geheimnisvollen Ort in der Gemarkung. Ihr wurde bewusst, dass nicht nur sie, sondern auch kaum ein anderer etwas wusste über den Menschen, dem dort im Wald relativ aufwendig gedacht wurde.

Sie begann nachzufragen und erfuhr beim Bürgermeister, dass es in ihrem Heimatort Ellweiler bislang keine Dorfchronik gibt. Die nächsten Ferien verbrachten sie und ihre Tochter im Archiv des Vereins für Heimatkunde, wo man in alten Lokalzeitungen erste Spuren entdeckte. In den Meldungen "Aus Stadt und Land" fanden sich ein paar Zeilen über ein 18-jähriges Dienstmädchen aus Ausweiler, das in Ellweiler bei Birkenfeld mit durchschnittener Kehle und anderen Verletzungen auf dem Felde aufgefunden worden war. Um mehr über die Herkunft des Mädchens zu erfahren, musste Heike Reitenbach die Nahe runterfahren. In Rüdesheim bei Bad Kreuznach lebt eine frühere Kollegin des Opfers, die aus Ausweiler, einem aufgegebenen Dorf auf dem Truppenübungsplatz, stammt – erinnerte man sich auf der Gemeindeverwaltung in Baumholder.

Auch in den Kirchenbüchern wurde sie fündig, nachdem sie fast allen Gemeindepfarrern der Umgebung ihre Aufwartung gemacht hatte: Luise Katharina Schug, landwirtschaftliche Gehilfin aus Ellweiler, starb am 24. Mai 1923 im Alter von nur 18 Jahren und 21 Tagen – ist dort eingetragen. Ermordet in Ellweiler, beerdigt in Ausweiler. Der Vater des Mädchen ist verstorben, die Mutter lebt in der Irrenanstalt in Andernach, hat der Geistliche darüber hinaus vermerkt.

Über den Mordfall selbst weiß die Frau aus dem Heimatdorf des Mädchens mehr: Drei Nordafrikaner in Diensten der französischen Armee, die seinerzeit die Region besetzt hielt, werden der Tat verdächtigt und auch bald verhaftet. Aber später findet sich in der Zeitung noch einmal ein Hinweis auf den immer noch unbekannten Täter und eine Belohnung von 1 Million Inflations-Mark, die von der Landesregierung auf dessen Ergreifung ausgesetzt wurden.

Aber nicht nur einiges zu recherchieren bleibt Heike Reitenbach noch. Sie möchte die Gedenkstätte für Luise Schug auch vor dem endgültigen Verfall retten. Vor Jahresfrist wurde sie von einem Unfall gebremst, als sie den Platz etwas herrichten wollte. Nun hofft sie, nach einer erneuten Operation bald ihre verletzte Hand wieder richtig bewegen zu können. Aber schon haben sich zu ihrer Freude auch Mitstreiter gefunden: Steinmetz Werle aus Hoppstädten hat spontan in Aussicht gestellt, den Stein zu restaurieren.

Bleibt der Mordfall Luise Schug: Seine Lösung scheint unwahrscheinlich. Die französischen Behörden, die die Sache vermutlich am ehesten voran bringenkönnten, blocken.

Von unserem Redakteur

Klaus-Peter Müller

Idar-Oberstein Birkenfeld
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