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Fischbach/Neubrandenburg

Update im Fall Sarah: Verteidiger geht nach Urteil in Revision

Fünf Jahre muss Axel G. in Haft. Das entschied das Landgericht Neubrandenburg am Freitag. Das vergleichsweise milde Urteil im Fall Sarah sorgt für Tausende Kommentare im Internet.

Axel G. und sein Verteidiger Henning Köhler
Axel G. und sein Verteidiger Henning Köhler
Foto: Crimespot

Viele schreiben zudem unsere Zeitung an, lassen ihrem Entsetzen, ihrer Empörung und Fassungslosigkeit freien Lauf. Auch Wut mischt sich unter die Emotionen. Das Landgericht Neubrandenburg hat Axel G., der seine Lebensgefährtin Sarah zu Tode folterte, am Freitagnachmittag zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Richter Klaus Kabisch sprach den 51-jährigen Computerfachmann aus dem norddeutschen Alt Rehse, der mit der Reichsbürgerbewegung sympathisiert, der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Nach Auffassung des Gerichts fesselte der Mann, der vor Gericht zur Tat schwieg, aber immer wieder Anträge stellte, im Juni 2016 seine 32-jährige Lebensgefährtin, die er im Internet kennengelernt hatte, nackt ans Bett, folterte sie mit einer Peitsche bis sie schließlich starb. Die stark verweste Leiche – verpackt in Isomatten und Malerflies – wurde erst zwei Monate später in seinem Haus entdeckt. Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert, der Idar-Obersteiner Anwalt und Nebenkläger Damian Hötger hielt elf Jahre Haft wegen Totschlag aus Unterlassung, Freiheitsberaubung und Störung der Totenruhe für angemessen. Verteidiger Henning Köhler, der einen Freispruch für seinen Mandanten, gefordert hatte, betonte, dass Urteil sei noch nicht rechtskräftig und kündigte nun in einem Interview an, in Revision gehen zu wollen.

Hintergrund: Einige Beweise hätten seiner Auffassung nach nicht gewertet werden dürfen. So zum Beispiel die Aussagen, die Axel G. am 10. August 2016 gegenüber zwei Polizisten getätigt hatte. Der Einfluss von Beruhigungsmitteln, die seinem Mandaten nach seiner Festnahme am 9. August 2016 verabreicht worden seien, das Fehlen eines Anwalts zu diesem Zeitpunkt. Hier sieht Köhler offenbar Rechtsfehler. In Strafsachen, die in erster Instanz bei einem Landgericht starten, ist Berufung ausgeschlossen. Dort gibt es nur die Möglichkeit der Revision beim Bundesgerichtshof (BGH). Bei einer Revision findet keine Tatsachenprüfung mehr statt, nur das Urteil wird auf einen Rechtsfehler geprüft. Sollten Rechtsfehler festgestellt werden, käme es zu einem neuen Prozess, bei dem Axel G. sogar ein noch milderes Urteil erwarten könnte. Oder das Gericht kommt trotz Rechtsfehlern, sofern vorhanden, zu dem Ergebnis, dass diese das Urteil nicht verändern. Denkbar ist auch, dass die Staatsanwaltschaft ebenfalls in Revision geht, was aber eher unwahrscheinlich ist: Das Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, liegt nicht extrem über dem Urteil des Gerichts.

Damian Hötger, der das Urteil ebenfalls als milde einstuft („Ein Mensch ist durch massive Folter getötet worden“), könnte als Nebenkläger in Revision gehen, zieht diesen Schritt aber nicht in Erwägung: „Die Chancen, etwas zu erreichen, wären sehr gering.“ Er müsste Staatsanwaltschaft und Gericht davon überzeugen, dass es sich um Totschlag und nicht um Körperverletzung mit Todesfolge handelt: „Das dürfte nicht machbar sein, wie wir ja jetzt am Landgericht gesehen haben.“ Er rechnet damit, dass die schriftliche Urteilsbegründung des Landgerichts wohl erst in rund zwei Monaten vorliegt.

Von unserer Redakteurin Vera Müller

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