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    KempfeldSpaß auf der Rangertour durch den Nationalpark auch ohne Gehör

    Adriane Große scheint der Blick vom Turm der Wildenburg auf die weite Hunsrücklandschaft gefallen zu haben – die Hügel, die Bäume, die Wiesen, die rechteckig gefleckten Äcker und mittendrin kleine Ortschaften. Die junge Frau aus Aachen sieht zufrieden aus, aber das, was sie Nationalpark-Rangerin Alexandra Bloch von ihren Eindrücken erzählt, bleibt dem Nichteingeweihten ein Rätsel. Weil Adriane Große mit den Händen spricht, nicht mit der Stimme. Die Finger und Handballen sind in ständiger Bewegung, wenn sie lautlos erzählt. Sie ist hörgeschädigt, schildert ihre Eindrücke voller Energie, aber ohne gesprochene Worte. Die Rangerin begnügt sich bei ihrer Übersetzung mit einem Worten und zwei Silben: „Prima“ habe es Adriane Große gefallen. Das muss genügen.

    Nationalpark-Rangerin Alexandra Bloch (links) und ihr Kollege Jens Geigenmüller haben sich extra für die Gehörlosenführungen, die seit Neustem auf der Felsentour ab der Wildenburg angeboten werden, die Gebärdensprache angeeignet.  Foto: Hosser
    Nationalpark-Rangerin Alexandra Bloch (links) und ihr Kollege Jens Geigenmüller haben sich extra für die Gehörlosenführungen, die seit Neustem auf der Felsentour ab der Wildenburg angeboten werden, die Gebärdensprache angeeignet.
    Foto: Hosser

    Seit diesem Monat gibt es im Nationalpark Hunsrück-Hochwald Rangertouren in Gebärdensprache, Hörbeeinträchtigte wurden kürzlich zum ersten Mal von Bloch und ihrem Kollegen Jens Geigenmüller über die Felsentour zwischen der Wildenburg und der Mörschieder Burr geführt. Vier Stunden dauern diese Wanderungen, die ab sofort jeden ersten Mittwoch im Monat stattfinden. Bloch hat die Tour für Hörbeeinträchtigte in Zusammenarbeit mit dem HörBIZ, dem Beratungs- und Informationszentrum für Hörgeschädigte in Trier, entwickelt. Dort lernten sie und ihre Rangerkollegen die Gebärdensprache, mit Mitarbeitern des HörBIZ wurden die Texte zusammengestellt und in die Sprache der Gehörlosen oder Hörbeeinträchtigten übersetzt.

    Es gebe in Deutschland bereits Nationalparktouren in Gebärdensprache, erklärt Kerstin Wolff, Teamleiterin im Trierer HörBIZ. Nur: Diese Touren würden mit Dolmetschern durchgeführt, jene im Schutzgebiet im Hunsrück sei die erste mit eigens ausgebildeten Rangern. So ist der Kontakt mit den Geführten direkt, ohne Umweg über eine dritte Person, mit der der Fluss der Erklärungen ins Stocken geraten könnte.

    Wie wichtig das HörBiz für diese Rangertouren durch den Hunsrück sind, zeigt sich auch im Marketing: Adriane Große, die Aachenerin, und die ebenfalls gehörgeschädigte Sarah Mandlowsky aus Düsseldorf hatten indirekt über die Trierer Beratungsstelle von den Führungen gehört. Das Kölner „Café ohne Worte“ hatte einen Facebook-Eintrag von HörBIZ geteilt, Große las ihn und schlug Mandlowsky über Facebook vor: „Da sollten wir mal hinfahren.“ Das Kölner Café ist eine relativ neue Gehörloseninitiative, die von Studenten der Universität Köln entwickelt wurde: Mehrere Café-Besitzer stellen ihre Räumlichkeiten für Gehörlosenevents zur Verfügung, gehörlose Kellner unterstützen das Ganze. Das Projekt, so jung es noch ist, hat bereits einen Preis gewonnen. Über HörBIZ und „Ohne Worte“ könnte sich herumsprechen, dass es diese Gebärdentouren im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt.

    Die Facebook-Ankündigungen der beiden Initiativen über die Touren hatten jedenfalls eine ganze Reihe „Likes“ („Gefällt mir“-Markierungen). Auch wenn dann doch nur Adriane Große und Sarah Mandlowsky gekommen waren. Die beiden und Benjamin Laupichler, der bei Landesforsten angestellt, selbst hörgeschädigt und Sohn des Präsidenten des HörBIZ-Trägervereins ist, gingen zusammen mit Mitarbeitern des Nationalparks und von HörBIZ die Tour von der Wildenburg aus durch den Wald. Geigenmüller und Bloch erzählten an einzelnen Stationen wie dem tiefen Wasserloch nicht weit von der Burg oder vom Hexentanzplatz, informierten über Borkenkäfer, Pilzbuche, die Jagd im Schutzgebiet und einiges mehr.

    Die Gehörlosenführungen auf der Felsentour werden von April bis Oktober immer am ersten Mittwoch im Monat angeboten. Treffpunkt ist die Wildenburg. Anmelden muss man sich nicht, allerdings sollten Gruppen per E-Mail ihre Teilnahme mitteilen bei: annerose.speicher@nlphh.de

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Dahmer

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