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Idar-Oberstein/Bad Kreuznach

Senior beleidigt Richterin in Reimform: Die Geldstrafe will er nicht zahlen

Es waren schon gewaltige Stapel Papier, die Richter Folkmar Broszukat und Staatsanwalt Bernhard Mann da schleppen mussten: Das rund 800 Verse umfassende lyrische Werk eines Seniors aus Idar-Oberstein war Gegenstand einer Berufungsverhandlung am Landgericht Bad Kreuznach.

Seite aus einem Poesiealbum von 1923 (Symbolbild)
Seite aus einem Poesiealbum von 1923 (Symbolbild)
Foto: Xocolatl

Der 76-Jährige hatte 2016 eine Richterin des Amtsgerichts Idar-Oberstein in Reimform beleidigt. Im Juli 2017 gab's dafür vom Amtsgericht eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro wegen Beleidigung in zwei Fällen. Gegen dieses Urteil legte der Mann Berufung ein – er hatte schon in erster Instanz argumentiert, dass er die Richterin nicht gemeint habe.

Bei dieser Aussage blieb der Mann, der in Begleitung seines Anwalts Klaus Uebel erschien, auch am Montag. Dass ihm niemand glaubt, dass die Richterin in den Gedichten nicht die Richterin am Amtsgericht ist, liegt zum einen daran, dass er sowohl der Juristin als auch dem Direktor des Amtsgerichts sowie dem Präsidenten des Landgerichts Bad Kreuznach eine CD zukommen ließ, die eben jene beleidigenden Verse in Textform enthielt. Zum anderen ist der Name der echten Richterin phonetisch gleich klingend mit dem Namen der Richterin in den Gedichten – nur die Schreibweise ist eine andere.

Und zu guter Letzt hatte er in einem Anschreiben der Richterin gedankt, dass diese ihn zu seinem Werk inspiriert habe. Richter Broszukat las einige ausgewählte Strophen vor – diese waren vom Amtsgericht als strafbar eingestuft worden. In Strophe 24 eines der beiden Gedichte, die sich wohl auf das Thema Karriere bezieht, heißt es: „Die anderen steigen auf der Leiter immer weiter, sie wird fülliger, der Arsch wird breiter.“

„Würden Sie das nicht als Beleidigung ansehen, wenn jemand so etwas über Sie schreiben würde?“, wandte sich der Richter an den Senior. Der zeigte sich unbeeindruckt und meinte, dies sei eine allgemeine Tatsache, die auf jeden zutreffen könne: „Wenn man älter wird, wird man breiter.“

An einer Stelle bezeichnet der Hobbydichter die Richterin als „teuflisches Wesen“, andernorts heißt es, sie habe ein „Engelsgesicht“, doch ihr Wirken sei ein „brodelndes Gefäß mit Gift“. Auch wird sie als „unfähig“ bezeichnet und bezichtigt, die Stadt Idar-Oberstein verdorben zu haben. An anderer Stelle schreibt der Hobbydichter, dass keiner der Richterin einen plötzlichen Tod wünsche, sondern einen qualvollen.

Das sei Satire, beharrte der Rentner und beteuerte erneut, dass es sich um eine rein fiktive Figur handele. Er habe die Idar-Obersteiner Richterin nicht als Person angreifen wollen, er kenne sie gar nicht, habe sie nur ein oder zwei Mal kurz gesehen. Der Angeklagte hatte nämlich seine gesundheitlich angeschlagene Ehefrau, die vor einigen Jahren am Amtsgericht Idar-Oberstein wegen Grundstücksangelegenheiten prozessiert hatte, vor Gericht vertreten. Besagte Richterin war mit den Fällen beauftragt worden, die zu Ungunsten der Gattin beschieden wurden.

Weshalb er denn überhaupt die Gedichte an die Richterin, den Direktor des Amtsgerichts und den Präsidenten des Landgerichts geschickt habe, wenn sich seine Reime doch angeblich gar nicht auf eine reale Person bezögen, fragte Richter Broszukat den Senior. Der blieb wieder keine Antwort schuldig: Er habe sich einfach schon mal die Titel sichern lassen wollen, auch wenn er nie wirklich vorgehabt habe, seine Reime zu veröffentlichen. Er habe vermeiden wollen, dass einer der Juristen zufällig auf die Gedichte stoße und diese mit der Richterin in Verbindung brächte. Und warum hat er gerade diesen Namen gewählt, wollte Broszukat dann noch wissen. Der reime sich einfach gut, erklärte der Mann. Wenn die Frau im Gedicht beispielsweise Wohlfahrt heißen würde, wäre das Dichten schwieriger geworden.

Wie das Ganze ausgehen wird, entscheidet sich beim Fortsetzungstermin am Donnerstag, 8. Februar. Dann fällen Richter Broszukat und seine Schöffen ein Urteil.

Von unserer Redakteurin
Silke Bauer

Idar-Oberstein Birkenfeld
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