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Fischbach/Neubrandenburg

Sarah H. starb nach Folter: Noch immer kein Urteil gegen Axel G.

Der Idar-Obersteiner Anwalt und als Nebenkläger fungierende Damian Hötger lag mit seiner Prognose richtig: Beim dritten Prozesstag am Mittwoch wurde noch kein Urteil gesprochen.

In diesem Haus in Alt Rehse/Neubrandenburg lebte Sarah nach ihrem Wegzug aus Fischbach im Kreis Birkenfeld. Im Internet hatte sie einen Mann kennengelernt.
In diesem Haus in Alt Rehse/Neubrandenburg lebte Sarah nach ihrem Wegzug aus Fischbach im Kreis Birkenfeld. Im Internet hatte sie einen Mann kennengelernt.
Foto: Crimespot

Der Prozessbeginn in Neubrandenburg vor dem Landgericht verzögerte sich wie beim letzten Mal: Der Angeklagte Axel G., der sich beim Betreten des Gerichtssaals ein Papier mit der Aufschrift „Elendige Lügenpresse“ vors Gesicht hielt, hatte im Vorfeld um ein Gespräch mit seinem Verteidiger Henning Köhler gebeten und diesen per Antrag erneut abgelehnt: Das Vertrauensverhältnis sei gestört, Köhler kooperiere mit der Presse. Zudem richtete er einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Klaus Kabisch. Die Anträge wurden abgelehnt.

Axel G. lässt sich weiterhin nicht zur Sache ein, kommentiert aber das ein oder andere, stellt Anträge: womit er vor Gericht auch nicht mehr formal schweigt. Zumal er zum Ende des Prozesstages betonte, er könne sich noch immer nicht erklären, wieso Sarah gestoben sei. Es müsse wohl ein plötzlicher Herzinfarkt gewesen sein. Der 51-Jährige, der Sarah H. (32) aus Fischbach im Juni 2016 nach einem Streit offenbar zu Tode gepeitscht hat und dem Freiheitsberaubung sowie Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen werden, trägt weiterhin Fußfesseln vor Gericht. Er widersprach der Verwertung der Erkenntnisse aus der Durchsuchung seines Hauses und stellte den Antrag, dass die U-Haft aufgehoben wird: Das Vernehmungsprotokoll sei von ihm nicht rechtsgültig unterschrieben.

Der Idar-Obersteiner Anwalt Damian Hötger vertritt die Nebenklage.
Der Idar-Obersteiner Anwalt Damian Hötger vertritt die Nebenklage.

Die Notfallärztin, die an den Tatort gerufen worden war, sollte gestern vor Gericht aussagen. Sie erschien aber nicht. Eine Entschuldigung lag nicht vor. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen sie ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro. Eine Rolle spielen dabei Beruhigungsspritzen, die Axel G. am 9. August verabreicht wurden. Wirkten diese bei seiner Vernehmung am 10. August nach? War er vernehmungsfähig? Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt. Eine gestern gehörte psychiatrische Gutachterin sagte aus: Der Angeklagte verweigere nach wie vor eine Untersuchung durch sie.

In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
Foto: picture alliance

Hötger beruft sich im Gespräch mit unserer Zeitung auf einen brandaktuellen Berliner Präzedenzfall: Im Prozess um ein illegales tödliches Autorennen sind die Angeklagten wegen Mordes verurteilt worden. Sie müssen lebenslang ins Gefängnis, sofern das Urteil Bestand hat. Es war zu einem Unfall gekommen, bei dem ein 69-Jähriger verstarb. In dem aktuellen Fall argumentierte die Staatsanwaltschaft: Die Angeklagten hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, mögliche tödliche Folgen dennoch billigend in Kauf genommen.

Und da sieht Hötger klare Ansätze zur Bewertung des Falls Sarah. Axel G. habe Sarah vorsätzlich Schmerzen zufügen, ihr eine Lektion erteilen wollen. Er habe bewusst in Kauf genommen, dass sie dabei sterben könnte. Wenn ein Auto bei einem illegalen Rennen als Waffe anerkannt werde, wie sei dann eine Peitsche bei körperlicher Züchtigung zu betrachten? Zumal Sarah offenbar um ein Glas Wasser bat und sogar kurzzeitig das Bewusstsein verloren hatte. Hötger kommentiert den gestrigen Prozesstag: „Er zeigt noch immer kein Bedauern, keine Reue.“ Der Prozess wird am Freitag, 17. März, 9 Uhr, fortgesetzt. Gehört werden sollen die Notärztin und womöglich die Ex-Ehefrau des Angeklagten.

Von unserer Redakteurin Vera Müller

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