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    Machtwechsel in der VG Baumholder: Schornsteinfeger bringt Bernd Alsfasser Glück

    VG Baumholder. Bernd Alsfasser als besonders abergläubischen Menschen zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben, aber einen kleinen Talisman trug er vor der Stichwahl stets bei sich: einen goldenen Schornsteinfeger, den ihm ein Mann vom Fach überreicht hatte.

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

    "Den habe ich in den vergangenen Wochen immer von einer Hose in die andere geschafft", berichtet er nach seinem Triumph über Amtsinhaber Peter Lang, den er dank eines Vorsprungs von 65 Stimmen am 20. August als Bürgermeister ablösen wird. Und noch etwas scheint gewirkt zu haben: "Am Samstagabend habe ich zusammen mit meiner Frau eine Kerze in der Heimbacher Mariengrotte angezündet." Das habe in einer schwierigen Situation schon einmal geholfen.

    Dabei sieht es am Sonntagabend zunächst gar nicht danach aus, dass es mit dem Überraschungserfolg etwas werden könnte. Um 18.18 Uhr brandet unter den SPD-Anhängern sogar kurz Jubel auf. Das Ergebnis aus Rohrbach ist eingetroffen, wo Peter Lang überraschend deutlich vorn liegt. Nach 8 von 19 ausgezählten Stimmbezirken liegt der Amtsinhaber mit 61,2 Prozent klar in Front. Gratulationen hält der jedoch für reichlich verfrüht. "Die schlimmen Orte kommen erst noch" - eine Einschätzung, die sich auf für ihn bittere Weise als richtig herausstellen soll.

    Ab 20. August ist Lang Pensionär

    Nun geht es Schlag auf Schlag, und der Vorsprung schmilzt zusehends dahin. Fünf Minuten später liegt Alsfasser schon bei 47,4 Prozent, noch vier Stimmbezirke fehlen. Dann trifft das Ergebnis aus dem Heimbacher Feuerwehrgerätehaus ein, 88,3 Prozent für Bernd Alsfasser, und der Führungswechsel ist geschafft: mit 52 Prozent liegt der Herausforderer nun vorn. Daran ändert sich auch mit den letzten drei Einzelergebnissen nichts mehr - Lang kann nur noch einmal leicht aufholen. Um 18.32 Uhr ist dann mit dem Eintreffen des Reichenbacher Ergebnisses der Wahlkrimi entschieden: Mit 50,9 Prozent der Stimmen ist Bernd Alsfasser als neuer Bürgermeister gewählt.

    Ohne Zögern richtet sich Peter Lang mit einer kurzen Ansprache an die gut 50 Besucher im Sitzungsaal, räumt seine Niederlage ein und bedankt sich bei seinem Team, das er zu einem Umtrunk in die Begegnungsstätte im Alten Rathaus einlädt. Enttäuschung und Niedergeschlagenheit sprechen aus seinem Gesicht, als er dem FWG-Vorsitzenden Günter Jung zum Wahlsieg Alsfassers gratuliert. Viele Anhänger sprechen Lang Trost zu, und gegen 19 Uhr verlässt die SPD-Entourage das Rathaus.

    Gegenüber der NZ nennt der Noch-Bürgermeister gestern die gegenüber dem ersten Wahlgang (67,6 Prozent) deutlich niedrigere Wahlbeteiligung von 49,8 Prozent als einen Faktor für seine Schlappe. "Dabei sind in Baumholder nur 44 Prozent zur Wahl gegangen, in Heimbach, dem Heimatort meines Mitbewerbers, dagegen 60 Prozent", erklärt er. Gleichzeitig habe Alsfasser es geschafft, in Baumholder deutlich aufzuholen und in Ruschberg den Rückstand in einen Vorsprung umzuwandeln. Eine weitere Bewertung des Ergebnisses will Lang nicht vornehmen und sich auch nicht über Zukunftspläne äußern. "Ab dem 20. August ist Peter Lang Pensionär. Alles weitere muss man abwarten."

    Zurück zum Sonntagabend: Bei den FWG-Anhängern im Sitzungssaal, die sich zuvor mit Äußerungen ihrer Siegesfreude merklich zurückgehalten haben, wird die Stimmung nun gelöster. Als der strahlende Wahlsieger, der seinen Erfolg erst einmal verarbeiten musste, endlich eintrifft, wird er mit Glückwünschen überhäuft und hält eine improvisierte gut fünfminütige Rede, die durchaus schon programmatische Züge aufweist.

    "Ich habe mich manchmal gefragt, ob ich genug gemacht habe", geht er zunächst auf seine passive Wahlkampfstrategie ein. Aber: "Die Leute kennen mich und entscheiden in der Kabine." Massenhaft Flyer und Kugelschreiber zu verteilen, habe aus seiner Sicht keinen positiven Effekt. Stattdessen beschränkte er sich aufs Plakate kleben. "Ich konnte mein Gesicht schon selbst nichts mehr sehen", sagt Alsfasser und hat die Lacher auf seiner Seite.

    Mit Stubbis und Sekt angestoßen

    "Es steht viel an, und es müssen Lösungen herbeigeführt werden - mit allen zusammen", kommt er dann auf die künftigen Aufgaben als Bürgermeister zu sprechen. Man müsse sich mit jedem unterhalten, um gute Vorschläge aufzunehmen. So habe er es in den vergangenen 24 Jahren als Heimbacher Ortsbürgermeister gehalten und so lasse sich auch etwas Positives für die ganze Verbandsgemeinde erreichen. Spontanen Applaus gibt es für folgende Aussage: "Stadt und umliegende Gemeinden müssen mehr zusammenhalten. Wenn wir das nicht tun, sind wir alle verloren." In den drei Wochen zwischen Ur- und Stichwahl habe er viele Gespräche geführt und dabei auch festgestellt, dass er mit Ignaz Forster, Vorsitzender der CDU-Fraktion im VG-Rat, eine Idee teilt: "Es wäre toll, wenn wir hier an unserem schönen Weiher einmal im Jahr eine Veranstaltung unter dem Motto ,Rock am Weiher‘ auf die Beine stellen könnten." Hinzu könnte eine Party für die Jugendlichen kommen, zu der für Teenager aus allen Orten der VG eine gesicherte An- und Abreise organisiert wird.

    Gefragt, wann er begonnen habe, an seinen Sieg zu glauben, verweist Alsfasser auf das Ergebnis aus Ruschberg, wo er den Amtsinhaber mit 61,3 Prozent überraschend deutlich überflügeln konnte. Außerdem habe er sich schon vorher gesagt: "Wenn in Heimbach die Wahlbeteiligung bei 60 Prozent liegt, wird es für Peter Lang eng." Und dieser Wert wurde bei einer ordentlichen Wahlbeteiligung von 49,8 Prozent für die gesamte Verbandsgemeinde sogar noch leicht übertroffen.

    Bernd Alsfasser lud seine Anhänger anschließend ins Heimbacher Mehrzweckgebäude ein, wo bis in den späten Abend mit Stubbis und Sekt auf den Sieg angestoßen wurde. Mit dabei waren neben Mitgliedern der FWG-Fraktion im VG-Rat auch mehrere Ortsbürgermeister. Ab Donnerstag wird Alsfasser nun zunächst seiner Pflicht als Erster Beigeordneter und allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Peter Lang nachkommen, der Urlaub macht. "Er hat mich gestern Abend noch angerufen, mir gratuliert und angeboten, dass wir nach seiner Rückkehr die Übergabe besprechen können", berichtet der Wahlsieger. Bei seiner Chefin, der Leiterin des Bundeswehrdienstleistungszentrums, hat er kommende Woche einen Termin, um die Modalitäten seiner Freistellung zu besprechen.

    NZ-Kommentar: Ohne den Malu-Effekt mobilisiert Peter Lang zu wenig Wähler
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