40.000
Aus unserem Archiv
Kirschweiler/Berlin

Hunsrücker Christoph Giesa gibt der Gauck-Bewegung Gesichter L-okal

Einst war er Landesvorsitzender des rheinland-pfälzischen FDP-Nachwuchses, nun ist er zu einer Stütze für den Kandidaten von Grünen und SPD fürs Amt des Bundespräsidenten geworden. Christoph Giesa, der Mann, der die mächtige Facebook-Gruppe "Wir für Joachim Gauck" gegründet hat, kommt aus dem Hunsrück. In der FDP ist er immer noch.

Zwei Köpfe, die viele weitere hinter sich versammelt haben: Chrstoph Giesa trifft Joachim Gauck, für den er die rasant gewachsene Facebook-Gruppe gegründet hatte.
Zwei Köpfe, die viele weitere hinter sich versammelt haben: Chrstoph Giesa trifft Joachim Gauck, für den er die rasant gewachsene Facebook-Gruppe gegründet hatte.

Kirschweiler/Berlin. Einst war er Landesvorsitzender des rheinland-pfälzischen FDP-Nachwuchses, nun ist er zu einer Stütze für den Kandidaten von Grünen und SPD fürs Amt des Bundespräsidenten geworden. Christoph Giesa, der Mann, der die mächtige Facebook-Gruppe "Wir für Joachim Gauck" gegründet hat, kommt aus dem Hunsrück. In der FDP ist er immer noch.

Netzgemeinde mehrheitlich für Gauck
Auf einer Webseite von Thomas Pfeiffer zeigt ein Mosaik aus 2.464 Twitter-Avataren das Gesicht von Joachim Gauck. Alle abgebildeten Twitterer hatten in ihren Kurznachrichten "myGauck" geschrieben.

Großer Auftrieb im Deutschen Theater in Berlin: Joachim Gauck, rot-grüner Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, hält seine erste Grundsatzrede seit er zum Kandidaten gekürt wurde. In der ersten Reihe sitzt der frühere sächsische CDU-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, der sich so offen gegen seine Partei wendet, die Christian Wulff in dem Amt sehen will. Unter den Zuhörern ist ein weiterer "Dissident", der dazu noch verantwortlich ist für das Zustandekommen der Veranstaltung: FDP-Mitglied Christoph Giesa, der einst Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Rheinland-Pfalz war, um ein Haar im Europaparlament gelandet wäre und in Kirschweiler im Kreis Birkenfeld aufgewachsen ist.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich mehr als 35.000 Unterstützer seiner Facebook-Gruppe "Joachim Gauck als Bundespräsident" angeschlossen. Giesas Gruppe gibt der Unterstützung für Gauck nicht nur ein Gesicht – 40.000 davon dürften es bis zur Wahl sein.

Für Giesa ist der Zuspruch nur logisch: „Die Währung des Netzes – und damit all der echten Menschen, die dahinter stehen – ist Authentizität. Und davon bringt die Persönlichkeit, derentwegen wir heute hier sind, eine Menge mit", sagte er in Berlin vor dem Auftritt des Kandidaten. Da spielt es auch keine Rolle, dass Gauck bekannt hat, noch nie in Facebook hineingeschaut zu haben.

Aus der Facebook-Gruppe ist eine breite Bewegung geworden, die für die Wahl des früheren DDR-Bürgerrechtlers und Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen mit E-Mail-Aktionen, Petitionen, Filmprojekten, T-Shirts, Buttons, Fahnen und sogar Gauck-Teddybären wirbt. Im Netz wäre die Wahl gelaufen: Bei Zustimmung und Kampagnen hat Gauck eine deutliche Mehrheit (Archivtext mit weiteren Gauck-Initiativen). Was dabei nicht geklappt hat: die im Netz so engagierten Menschen auch in größerer Zahl für den Einsatz auf der Straße zu mobilisieren. "Ich will mir das jetzt nicht kleinreden lassen", sagte Giesa fast trotzig, als die Beteiligung bei einer Demonstration für Gauck in München sehr überschaubar war (Archiv: "Online top, offline ein Flop").

Sein Fazit fällt deshalb so aus: „Ich bin überwältigt von dem, was da in kürzester Zeit ins Rollen gekommen ist“, bekundet Giesa im Gespräch mit unserer Zeitung. „So etwas hat es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben.“

Und da kann er trotz seines jungen Alters mitreden. Denn bei Giesa, der in Nürnberg geboren wurde, in Kirschweiler aufwuchs und im Jahr 2000 das Abitur am Heinzenwies-Gymnasium in Idar-Oberstein machte, schien eine klassische politische Karriere vorgezeichnet: Schon als Schüler trat er in die FDP ein, 2002 wurde er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, 2004 kandidierte der damals gerade mal 23-Jährige als Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen FDP auf Platz 9 der Bundesliste für das Europaparlament, den Einzug verpasste er nur denkbar knapp. Dann verbrachte er ein Jahr in Portugal, wo er Mitbegründer der ersten liberalen Partei des Landes wurde.
Doch nach seiner Rückkehr stieg er aus der Politik aus. „Wenn man das idealistisch angeht, macht einen das fertig“, begründet er seinen für fast alle unerwarteten Rückzug. Er beendete sein BWL-Studium in Mannheim, hielt es – der Idealismus – nur kurz bei einer amerikanischen Unternehmensberatung aus und ist jetzt bei einem Versandhandelskonzern in Hamburg tätig. Parallel arbeitet er an seiner Doktorarbeit.
Sein Interesse gilt schon seit vielen Jahren den neuen Medien, speziell dem Aufbau von Netzwerken und den damit verbundenen Chancen zur politischen und sozialen Veränderung. Zwar ist er weiter Mitglied in der FDP. Aber die Überzeugung wächst bei ihm, dass politischer und gesellschaftlicher Wandel eher durch Aktivitäten außerhalb der Parteien und Parlamente zu erreichen ist. So sieht er auch seine Gauck-Initiative, auch wenn er ihr nur geringe Erfolgschancen einräumt. „Ich rechne nicht damit, dass Gauck Präsident wird“, meint er. „Aber für unmöglich halte ich es auch nicht.“ (jst)

Idar-Oberstein Birkenfeld
Meistgelesene Artikel
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Stefan Conradt (sc)
Redaktionsleiter
Tel. 06781/605-43
E-Mail
Vera Müller (vm)
Redakteurin
Tel. 06781/605-52
E-Mail
Bettina Schäfer (bet)
Redakteurin
Tel. 06781/605-56
E-Mail
Andreas Nitsch (ni)
Redakteur
Tel. 06781/605-45
E-Mail
Axel Munsteiner (ax)
Redakteur
Tel. 06781/605-44
E-Mail
Peter Bleyer (pbl)
Redakteur
Tel. 06781/605-58
E-Mail
Silke BauerSilke Bauer (sib)
Redakteurin
0171-2976119
E-Mail
Jörg Staiber (jst)
Reporter
Tel. 06781/605-63
E-Mail
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
E-Mail

Regionalwetter
Donnerstag

4°C - 28°C
Freitag

8°C - 29°C
Samstag

7°C - 27°C
Sonntag

9°C - 26°C
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Anzeige