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Fischbach

Himmlische Musik aus den Tiefen der Erde

Nicht "Helm ab zum Gebet", sondern "Helm auf zu geistlicher Musik und Meditation" hieß es am Freitag- und Sonntagabend für rund 400 Besucher der Gesangs- und Szenenfolge "Hildegard und Disibod". Die von Roland Lißmann, Kreiskantor des Kirchenkreises Obere Nahe, konzipierte "musikalische und tänzerische Inspiration zu Hildegard von Bingen" fand unter Tage, in den Tiefen des Historischen Kupferbergwerks Fischbach statt.

Tänzer des Freien Tanztheaters Frankfurt, die beiden Frauenchöre "FriFra Voce" und "arSoni wiesbaden" sowie vier Musiker verwandelten – in intensives Licht gehüllt – die zentrale Ebene der großen Weitung im Fischbacher Kupferbergwerk in einen mystischen Ort des Mittelalters. 
Foto: Manfred Greber
Tänzer des Freien Tanztheaters Frankfurt, die beiden Frauenchöre "FriFra Voce" und "arSoni wiesbaden" sowie vier Musiker verwandelten – in intensives Licht gehüllt – die zentrale Ebene der großen Weitung im Fischbacher Kupferbergwerk in einen mystischen Ort des Mittelalters.
Foto: Manfred Greber

Fischbach – Nicht "Helm ab zum Gebet", sondern "Helm auf zu geistlicher Musik und Meditation" hieß es am Freitag- und Sonntagabend für rund 400 Besucher der Gesangs- und Szenenfolge "Hildegard und Disibod". Die von Roland Lißmann, Kreiskantor des Kirchenkreises Obere Nahe, konzipierte "musikalische und tänzerische Inspiration zu Hildegard von Bingen" fand unter Tage, in den Tiefen des Historischen Kupferbergwerks Fischbach statt.

Dort ist aus Sicherheitsgründen das Tragen von Schutzhelmen Pflicht, und so waren die Galerien rund um die gewaltige Weitung im Bergwerksinneren von langen Reihen gelb behelmter und warm gekleideter Freunde geistlicher, mittelalterlicher Musik gesäumt.

Nicht nur durch die ungewohnte, abschirmende Felsumgebung, das Halbdunkel kühler, feuchtwandiger Höhlungen und den sphärischen Raumklang sprengte "Hildegard und Disibod" als Eröffnungsveranstaltung die Traditionen bisheriger Idar-Obersteiner "Theatersommer", schon die Ortswahl überschritt Grenzen: Gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Herrstein, der Ortsgemeinde Fischbach und der Betriebsleitung des Kupferbergwerks hatten Kulturreferentin Annette Strohm und ihre Mitarbeiter als Organisatoren des Kulturfestivals "Idar-Oberstein leuchtet" für "Hildegard und Disibod" erstmals das Stadtgebiet verlassen.

Und das nicht nur aus "Event"-Gründen. Denn die steinerne Kathedrale des Bergwerks kann durchaus als Urgrund der vermuteten Geburtsstätte Hildegards von Bingen, der universell gebildeten Klosterfrau des Mittelalters (1089-1179), Niederhosenbach nämlich, gesehen werden.

Die Idee, das diesjährige Leitwort des rheinland-pfälzischen Kultursommers "Natürlich Kultur" für den hiesigen "Theatersommer" mit Bezügen zu Hildegard von Bingen und dem irischen Bischof Disibod (619-700) zu verwirklichen, stammt von Kreiskantor Lißmann. Gemeinsam mit Dirigent Holger Wittgen und den beiden Frauenchören "FriFra Voce" (Obere Nahe) und "arSoni wiesbaden", mit dem Freien Tanztheater Frankfurt (Leitung: Marie-Luise Thiele) sowie den Instrumentalisten Tobias Southcott (keltische Harfe), Matthias Dörsam (Saxofon und Klarinette), Roland Vanecek (Tuba) und Thomas Hammer (Percussion), nahm er die faszinierten Zuschauer und -hörer in eine vergangene Zeit und Welt voll spiritueller Kraft mit.

Melancholisch-sehnsüchtige Hymnen Hildegards von Bingen erklangen, gregorianische Sequenzen aus dem Kanon der Messe von ostinater Intensität, irische Melodien (von Michael McGlynn), mal rhythmisch-tänzerisch, mal inbrünstig, Psalmen, antifonisch oder responsorisch gesungen. Mit mystischem Zauber füllten die einstimmigen oder verschlungenen Melodienbögen der Chöre, Solisten und Instrumentalisten die Weitung des unterirdischen Gewölbes. Die Gestik der drei Darsteller des Freien Tanztheaters auf der zentralen Spielebene tief unten warf lange Schatten. Glühendes Rot, Magenta, kaltes Blau, Höllengrün lag auf Chorreihen und Felswänden (Beleuchtung: Bernhard Wiencerz). Lärm und Treiben der Welt? Weit weg. Gefühle? Meditativ gelöst.

90 Minuten dauerten die Aufführungen. Leiser und leiser verklangen am Ende die Paukenschläge zum gedankenschweren "Media Vita". Eine letzte Kerze verflackerte. Leer war die Bühne. Fast deplatziert wirkte der nun einsetzende, hoch verdiente Applaus für die Akteure. Generalstabsmäßig organisiert war der geordnete Rückzug der jeweils 200 Besucher. Und vor dem Stollenmund draußen, unterm sommerwarmen Nachthimmel hieß es dann wieder: "Helm ab!" Eiko Donay

Idar-Oberstein Birkenfeld
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