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    Baumholder

    Firma Coolrec in Baumholder: Das zweite Leben der Elektroteile

    Wenn aus dem Toaster Flammen schießen, das Bügeleisen seine letzten Atemzüge von sich gibt und der Staubsauger wie ein Asthmatiker vor sich hin keucht, gibt es oftmals nur noch einen Ausweg: den Sperrmüll. Doch was passiert eigentlich mit Elektrogeräten, nachdem man sie den Abfallbetrieben überlassen hat?

    Arjen Wittekoek (orangefarbene Warnweste) und Björn Fischenich, der den Standort in Baumholder leitet, zeigen der Gruppe bei einem Rundgang über das Firmengelände, wie bei Coolrec gearbeitet wird.  Foto: Silke Bauer
    Arjen Wittekoek (orangefarbene Warnweste) und Björn Fischenich, der den Standort in Baumholder leitet, zeigen der Gruppe bei einem Rundgang über das Firmengelände, wie bei Coolrec gearbeitet wird.
    Foto: Silke Bauer

    Von unserer Reporterin Silke Bauer

    Zumindest ein Teil landet bei der Recyclingfirma Coolrec RDE, die seit 2012 einen Standort im Gewerbegebiet in Baumholder betreibt. Da das Unternehmen bisher kaum einer kannte, fand am Mittwoch erstmals ein Informationstag für geladene Gäste aus Öffentlichkeit und Wirtschaft statt.

    Geschäftsführer Arjen Wittekoek und Björn Fischenich, der technische Leiter am Standort Baumholder, begrüßten die rund 15 Besucher, unter denen sich auch Stadtbürgermeister Günther Jung, der evangelische Pfarrer Burkhard Zill, Beigeordnete der Stadt Baumholder und ehrenamtliche Flüchtlingshelferinnen befanden. Wittekoek stellte das Unternehmen in einer kurzen Präsentation vor. "Uns gibt es an acht Standorten in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden", erzählte er. Die Firma Coolrec ist eine Tochtergesellschaft des niederländischen Abfalldienstleisters und Rohstofflieferanten Van Gansewinkel. In Deutschland hat die Firma zwei Niederlassungen: eine in Pulheim bei Köln und eine in Baumholder. Rund 350 Menschen arbeiten für Coolrec, in Baumholder sind aktuell 20 Mitarbeiter beschäftigt. Jeden Tag fahren sechs, sieben Lkw auf das Firmengelände in Baumholder und liefern ausrangierte Stereoanlagen, Rechner, Drucker, Staubsauger und ähnliche Geräte, die in ganz Rheinland-Pfalz gesammelt wurden.

    Mit neongelben Warnwesten, Schutzbrillen und Ohrstöpseln ausgestattet, machte sich die Gruppe nach der Präsentation auf zu einem Rundgang über das Gelände. In einer Halle waren mehrere Männer damit beschäftigt, den Elektroschrott, der über ein Fließband zu ihnen transportiert wird, grob vorzusortieren. Sie kümmern sich um die Schadstoffentfrachtung, entfernen also beispielsweise Staubsaugerbeutel, giftige Batterien und quecksilberhaltige Neonröhren und schneiden die Kabel ab. Was übrig bleibt, läuft auf dem Fließband weiter zu den Kollegen, die die Feinsortierung vornehmen und die Einzelteile wie Motoren, Mobiltelefone, Toner und Druckerpatronen in die jeweils dafür bestimmten Abwurfschächte werfen. Die Teile werden zum Coolrec-Standort in Lüttich geliefert. Von dort wird die Ware weiterverkauft. Aluminium ist zum Beispiel für Gießereien interessant, die das Metall einschmelzen und die Automobilindustrie damit beliefern.

    Plötzlich entdeckte eine Frau aus der Gruppe ein bekanntes Gesicht unter den Arbeitern. "Hallo Faisal", ruft sie einem dunkelhäutigen Mann zu, der ihr zuwinkt. Der 22-jährige Somalier kam 2014 als Flüchtling nach Deutschland und arbeitet seit knapp zwei Monaten bei Coolrec. Edna Nüßler, die Frau, die ihn erkannt hat, arbeitet ehrenamtlich für die Flüchtlingshilfe in Baumholder und hat dafür gesorgt, dass der junge Mann einen Job bei Coolrec gefunden hat. Auch ihre Kollegin Annelie Adam war bei dem Rundgang dabei. Ihr gemeinsames Ziel, das von Pfarrer Zill unterstützt wird, ist es, weitere junge Flüchtlinge in der Firma unterzubringen. Bei Geschäftsführer Wittekoek stößt das Dreiergespann mit seinem Anliegen auf offene Ohren. Diesem ist das Konzept der Sozialwirtschaft für seine Firma wichtig, in der behinderte Menschen und Flüchtlinge Arbeit finden, wie er mehrfach betont. Mit Gutmenschentum hat dieses Konzept allerdings nicht viel zu tun, denn die genannten Gruppen erhalten niedrigere Löhne als andere. Doch trotzdem kann es für Männer wie Faisal der Anfang zu einem besseren Leben sein. Wittenkoek sagte Nüßler und Adam zu, dass schon am nächsten Montag vier weitere junge Flüchtlinge im Unternehmen anfangen können, möglicherweise wird er noch mehr von ihnen einstellen. "Das ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk", freut sich Nüßler.

    "Mir ist es wichtig, dass Leute aus der Gegend hier ihr Geld verdienen und auch wieder hier ausgeben", sagte der Chef. Deswegen wolle er weg vom Leiharbeiterkonzept. Es nütze der Region ja nichts, wenn die Arbeiter aus Kaiserslautern nach Baumholder gekarrt würden und abends wieder verschwänden.

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