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    Birkenfeld

    Erschreckend: Zu viele Jugendliche wollen weg aus dem Kreis Birkenfeld

    Wer gern provoziert, könnte den Treff mit Unternehmern, Bankfachleuten und Politikern in der vorigen Woche in der Kreisverwaltung unter die Überschrift stellen: Der Kreis Birkenfeld hat die Jugend entdeckt.

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Dahmer

    Der Gedanke, dass mit Blick auf die regionale Entwicklung die jungen Menschen mehr berücksichtigt werden müssen, ist natürlich nicht neu, aber er gewinnt in Zeiten von Fachkräftemangel, Überalterung der Gesellschaft und zunehmender Abwanderung aus der Region an Fahrt. "Beim Mitmachprozess vor fünf Jahren haben wir es versäumt, an die Jugend zu denken", ist sich Landrat Matthias Schneider sicher. Sein Wirtschaftsförderer Michael Dietz milderte Schneiders Aussage ab: Man habe es damals nicht vollständig versäumt, es seien durchaus Jugendliche in den Prozess integriert gewesen, aber im Umfang der Maßnahme sei das nicht ins Gewicht gefallen.

    Jedenfalls will man das Thema jetzt verstärkt angehen. Demnächst werde man die "Ems-Achse" besuchen, ein Bündnis an der Ems-Mündung in Ostfriesland, kündigte Dietz an. Die Vereinigung hat ein Bündel von Maßnahmen zusammengestellt, um Fach- und Führungskräfte in ihre Gegend zu bringen oder dort zu halten. Der Erfolg zeigt sich schon jetzt, sagt Dietz: "Die sind eine der prosperierendsten Regionen Deutschlands." Und sie stellen die Arbeit für junge Menschen heraus: "Die haben dort ein hochinteressantes Projekt für die Jugend."

    Studentin befragte Schüler

    Zum Treffen vor wenigen Tagen in der Kreisverwaltung hatten Wirtschaftsförderer Dietz und Günter Heß vom Regionalrat Wirtschaft zu den "Gesprächen im Schloss", wie sie die Reihe genannt haben, Kathrin Schmitt eingeladen. Die junge Frau stammt aus Heimbach, studiert an der Universität Koblenz-Landau und hatte für ihre Abschlussarbeit zum Bachelor das Thema "Die Attraktivität des Landkreises Birkenfeld für Schüler" gewählt: Sie wertete die Fragebogen von 515 jungen Menschen an drei Gymnasien, zwei Realschulen und einer Gesamtschule aus, die weitaus meisten Schüler sind 15 bis 18 Jahre alt. Die Ergebnisse der Befragung sind nicht wirklich überraschend, aber der eine oder andere Teilnehmer des Treffens im Schloss wird solch deutliche Zahlen nicht erwartet haben: Nur 12,7 Prozent der Jugendlichen wollen im Kreis bleiben, 43,4 Prozent sind unentschlossen, 43,8 Prozent wollen weg. Gravierend ist die Einschätzung vor allem für Idar-Oberstein: Mehr als 50 Prozent der dort wohnenden Schüler denken daran, später wegzuziehen.

    Prof. Klaus Helling vom Umwelt-Campus nannte die Zahlen "erschreckend". Um Jugendliche zu erreichen, müsse verstärkt mit den sozialen Netzwerken gearbeitet werden, ist er überzeugt, und prangerte das Wettbewerbsdenken an: "Die Schulen kämpfen jede für sich." Es müsse ein gemeinsames übergeordnetes Interesse geben, gesteuert von der Politik. Helling wies auf die dualen Studienplätze des Umwelt-Campus mit Industrieunternehmen der Region hin, ein Weg, um Studierende nach ihrem Abschluss in der Region zu halten.

    Genau das ist ein Problem in anderer Richtung: Wer in Mainz oder Frankfurt studiert, kommt selten zurück in den Kreis Birkenfeld. Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf glaubt, den Ausweg in einer deutlich verbesserten Kommunikation zu sehen. Denn die Stadt und die ländliche Region werden von Jugendlichen negativ wahrgenommen - zu Unrecht, wie er und andere Teilnehmer meinten. In der Umfrage wussten viele nicht, dass es in Idar-Oberstein jede Woche Musikveranstaltungen für Jugendliche gibt, kannten andere Angebote der Stadt nicht. Frühaufs Konsequenz: Solche Infos müssen über Kanäle verbreitet werden, die Jugendliche nutzen. Für Idar-Oberstein sei eine App in Vorbereitung, berichtete er. Die Schulen, die wichtigsten "Markplätze" für die Kommunikation mit Jugendlichen, müssen nach Ansicht des OB stärker in die Pflicht genommen werden: "Sie müssen mit ins Boot, sonst funktioniert es nicht."

    Landrat plädiert für "Kümmerer"

    Christoph Jakobs arbeitet seit Februar als Netzwerker an der Ida-Purper-Schule im Vollmersbachtal. Er hilft Jugendlichen, sich auf die Zeit nach der Schule vorzubereiten, organisiert auch den Berufsorientierungstag mit Handwerkskammer und IHK am 18. Mai in der Schule. Er schlug einen informellen Arbeitskreis vor, der sich mit dem Thema befasst, Referentin Schmitt eine Landkreis-App und einen Online- und Printkatalog, in dem lokale Unternehmen sich vorstellen können, Birkenfelds KSK-Fialialdirektor Walter Goldschmidt einen Imagefilm. Es gibt die Seite "Vitamin BIR" im Internet, es gibt eine Reihe weiterer Image- und Jobseiten, die für Jugendliche interessant sind.

    "Aber wie", fragt sich Unternehmer Hans-Jörg Platz, "machen wir die Jugendlichen auf die Möglichkeiten aufmerksam? Wie bekommen sie die Information, dass es die App gibt?" Antwort: In der Schule. Dort kommen die jungen Leute zusammen und erzählen, was sie entdeckt haben. Erste Vorstellungen haben die Verantwortlichen im Kreis bei der künftigen personellen Besetzung: "Wir brauchen einen ,Kümmerer’", sagt Wirtschaftsförderer Dietz. "Wir brauchen mindestens einen Menschen, der die sozialen Netzwerke bespielt." Landrat Schneider hat eine klare Vorstellung von dessen Alter: "Er muss sich in die Denkweise der Jugend hineinversetzen können."

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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