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    Birkenfeld

    Amtsgericht: Verkaufte junger Mann Speed?

    Einer der beiden lügt. Aber wer? Vor einer schwierigen Aufgabe stehen Richter Johannes Pfeifer und seine beiden Schöffen bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Idar-Oberstein: Einem 29-Jährigen aus einem Ort in der VG Birkenfeld wird vorgeworfen, er habe in vier Fällen zwischen 2012 und 2013 jeweils 100 Gramm Amphetamin (besser bekannt als Speed oder Pep) an einen Konsumenten verkauft.

    Rauschdroge Crystal Meth
    Sehen aus wie Eiskristalle oder kleine Glassplitter: Die gefährliche Droge Methylamphetamin, hier eine sichergestellte Menge vom Zollfahndungsamt Dresden, bereitet den Behörden zunehmend Kopfzerbrechen.
    Foto: DPA

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Der junge Mann, der die Hauptschule abschloss und eine Malerlehre machte, streitet die Vorwürfe ab. Pfeifer geht in der ersten Verhandlung intensiv auf Umfeld und Persönliches des Angeklagten, der durch Rechtsanwalt Wolfgang Wehr vertreten wird, ein: Zur Miete wohnt er, ist verlobt, hatte vor einiger Zeit einen schweren Unfall bei einem Fallschirmsprung, sein Einkommen liegt zwischen 1500 und 2000 Euro im Monat.

    Jenen Mann, der selbst wegen des Besitzes von Drogen verurteilt ist und der ihn nun schwer belastet, kenne er nur flüchtig. Ab und an habe man telefoniert, sei man sich begegnet. Er habe keine Erklärung dafür, warum der Bekannte nun behaupte, von ihm Amphetamin gekauft zu haben. Mit harten Drogen habe er ohnehin noch nie etwas zu tun gehabt, gibt er an. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei dem 29-Jährigen Utensilien gefunden, die positiv auf Amphetamin getestet worden seien. So eine entsprechende Waage und kleine Tütchen.

    "Das Zeug liegt seit Jahren bei mir rum", sagt der Angeklagte. Nur warum? So richtig schlau wird niemand aus den Erklärungen. Gesprächsaufzeichnungen der Polizei ergeben ebenfalls kein eindeutiges Bild: Der Angeklagte und der Belastungszeuge hatten Kontakt. Was sich da genau abgespielt hat, bleibt eher im Dunkeln. Zwischen 2011 und 2012 habe man mehr miteinander zu tun gehabt, dann kaum noch. Immer wieder fragt Pfeifer nach: Ob der Angeklagte diesen oder jenen Namen kenne. Offenbar geht es da um Verbindungen zu weiteren Dealern und Drogenkonsumenten. Stets verneint der Angeklagte. Wenig aufschlussreich gestaltet sich die Befragung des Zeugen, der angibt, die Amphetamin-Tütchen beim Angeklagten gekauft haben soll. Der Mann, Jahrgang 1986, wirkt psychisch labil, gibt sich wortkarg, ist kaum in der Lage, eine der Fragen schlüssig oder konkret zu beantworten, wirkt in seiner sozialen und emotionalen Kompetenz eingeschränkt. Da hat der Drogenkonsum offenbar Spuren hinterlassen.

    Pfeifer gibt sich geduldig, auch der Staatsanwalt bleibt ruhig und gelassen, Verteidiger Wehr wird zunehmend ungeduldiger und beginnt, die Widersprüchlichkeit des Zeugen recht harsch aufzudecken. Unterm Strich bleibt übrig: Der Mann berichtet, dass er dreimal Amphetamin beim Angeklagten gekauft habe, Übergabeort sei die Kläranlage Baumholder gewesen. Sechs Euro pro Gramm habe der Angeklagte verlangt. Nichts sei abgewogen gewesen, und nach und nach habe er bezahlt. Woher man sich kennt? Ob der Zeuge beim Angeklagten jemals daheim zu Gast war? Wie der Kontakt zustande kam? Ob der Zeuge ebenfalls gedealt habe? Fragen über Fragen, auf die es keine Antworten gibt - und die der Zeuge in der polizeilichen Vernehmung zum Teil ganz anders beantwortet hatte.

    Wie sich der Zeuge das erklärt? Er habe nächtelang nicht geschlafen, sei auf Droge gewesen. Nun sei er aber clean. Er bleibe bei der Aussage, dass er das Amphetamin beim Angeklagten gekauft habe. Der Prozess wird vermutlich im September fortgesetzt: Dabei sollen weitere Zeugen vernommen werden, und auch die Ergebnisse der Telefonüberwachung werden eine Rolle spielen, kündigt Pfeifer an.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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