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Idar-Oberstein

Nur ein Schutzstreifen bergauf: Diskussion über geplanten Ausbau der Tiefensteiner Straße in Idar-Oberstein

Vera Müller

Gegen den Willen einiger Anlieger handeln? Das passte Josef Mähringer, Chef der SPD-Fraktion, gar nicht. Andere betrachten die Planung als alternativlos – auch gegen den Willen der Anlieger. So entspann sich eine durchaus kontroverse Diskussion im Rahmen der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses.

So ähnlich könnte das künftig in der Tiefensteiner Straße in Richtung Kirschweiler aussehen. Auf dem geplanten Schutzstreifen sollen zudem Piktogramme aufgebracht werden.  Foto: dpa
So ähnlich könnte das künftig in der Tiefensteiner Straße in Richtung Kirschweiler aussehen. Auf dem geplanten Schutzstreifen sollen zudem Piktogramme aufgebracht werden.
Foto: dpa

Was die Notwendigkeit der Maßnahme in der Tiefensteiner Straße/B 422 betrifft, herrscht Einigkeit: Spurrinnen, Aufbrüche, Rissbildung, ungenügende Fahrbahnentwässerung sowie schadhafter Plattenbelag im Gehwegbereich sorgen dafür, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Deshalb wurde bereits im August 2017 beschlossen, dass das rund 1000 Meter lange Teilstück von der Weiherschleife bis zur Alten Poststraße ausgebaut werden soll.

Konkret wurde die Maßnahme in der Sitzung des Bauausschusses im Januar 2018. Im Mai fand eine Bürgerversammlung statt, über die Bürgermeister Friedrich Marx im Ausschuss berichtete: Erörtert wurde die Planung. Vorgesehen ist eine Fahrbahnerneuerung, die Fahrbahnbreite soll acht Meter betragen. Die Gehwege werden inklusive Bord- und Rinnenanlage voll ausgebaut. Im Zuge des Straßenausbaus wird die Beleuchtungsanlage einschließlich Erdverkabelung vollständig erneuert. Die Bushalteflächen wie auch die Fußgängerüberwege bleiben bestehen. Hierbei wird ein behindertengerechter Ausbau angestrebt. Vor dem Straßenausbau stehen die Arbeiten der Ver- und Entsorgungsunternehmen auf dem Plan. Dabei sind Erneuerungen der Hausanschlüsse, teilweise auch Arbeiten an den Hauptleitungen, vorgesehen. Da gibt es keine Einwände.

Allerdings: Eine lebhafte Diskussion ergab sich in der Versammlung in Tiefenstein mit Blick auf die den geplanten Schutzstreifen für Radfahrer. In einer Abstimmung sprachen sich die anwesenden Tiefensteiner klar gegen einen Schutzstreifen aus. Marx gab damals direkt zu bedenken, dass sich bei einem Verzicht die Ausbaubeiträge für alle Anlieger erhöhen würden, weil der Bürgersteig entsprechend breiter werde.

In Richtung Kirschweiler

Zwischenzeitlich wurde das Abstimmungsergebnis mit dem Straßenbaulastträger, dem Bund, vertreten durch den LBM, erörtert. Marx betont: Der LBM habe deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er nicht vollständig auf das Anlegen eines Radwegs verzichten werde. Es wurde ein Kompromiss erzielt, der nun in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erläutert und zur Diskussion gestellt wurde: Dieser Kompromiss sieht einen einseitigen Schutzstreifen für Radfahrer in der Fahrtrichtung von Idar-Oberstein nach Kirschweiler vor. Der abwärts führende Radverkehr ordnet sich – ohne Schutzstreifen – in den fließenden Verkehr ein. Mit dieser Lösung würden Radfahrer zumindest teilweise geschützt, die Autofahrer könnten ausreichende Fahrbahnbreiten nutzen, und der parkende Verkehr habe die Möglichkeit, auf der nach Idar führenden Fahrbahn zu parken. Der Ausbauplan wurde entsprechend überarbeitet.

Unterschiedliche Meinungen

Am Dienstag ging der Verwaltung ein offener Brief zu, den einige Tiefensteiner unterzeichnet haben. Der Tenor: Man missbillige das Vorgehen der Verwaltung, die den eindeutig geäußerten Willen der betroffenen Bürger nicht ernst nehme. Es gebe eine Alternative zum Schutzstreifen: nämlich die Führung des Radwegs entlang des parallel verlaufenden, sehr gut ausgebauten Waldwegs durch den Rödgesberg, vorbei an der Dampfschleife, dem Gelände Manz, der Weiherschleife, hinter Barth und Frey vorbei bis zur Einmündung Andreasstraße, unmittelbar rückseitig hinter dem Diamanthotel Handelshof. Dieser Vorschlag fand im Rahmen der Ausschusssitzung kaum Beachtung.

Oberbürgermeister Frank Frühauf stellte klar: „Es gibt aber auch andere Meinungen. Einige diesbezügliche Briefe, die den Schutzstreifen unterstützen, sind schon auf dem Weg.“ Mähringer dazu: „Aber die Mehrheit ist dagegen.“ Wolfgang Augenstein (LUB) sagte: „Es ist nun einmal eine Bundesstraße. Wünschenswert wären sicher Wege an beiden Seiten. Aber der Vorschlag der Verwaltung in Absprache mit dem LBM ist ein akzeptabler Kompromiss.“ Karl-Heinz Totz verwies auf die älteren Menschen, die in der Seniorenwohnanlage Grimm lebten und oft mit dem Rollator unterwegs seien. Es brauche eine klare Trennung zwischen Radweg und Bürgersteig. Franz-Josef Gemmel (SPD) ist überzeugt: „Das ist eine der breitesten Straßen der Stadt: Da muss es doch eine gute Lösung für Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger geben.“

Die SPD stellte den Antrag, dem LBM einen kombinierten Rad-Gehweg vorzuschlagen. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, ebenso Augensteins Vorschlag, dass der Ausschuss sich vor Ort noch einmal ein Bild von der Situation machen solle. Die Abstimmung brachte eine klare Mehrheit für den Verwaltungsvorschlag, zwei Sozialdemokraten stimmten dagegen, drei SPD-Mitglieder enthielten sich. Vera Müller

Vera Müller kommentiert: Kompromiss ist alternativlos

Wer A sagt, muss auch B sagen: Zu einem Nationalpark gehören Radwege. Da muss sich auch die innerstädtische Infrastruktur für neue Aspekte öffnen, zumal der Radtourismus samt E-Biker stetig zunimmt.

Vera Müller
Vera Müller
Die Stadt Idar-Oberstein kann sich – wenn sie zukunftsfähig sein will und mit der Zeit gehen möchte – dem nicht verschließen. Vom Idar-Obersteiner Bahnhof zum Erbeskopf: Das sieht das Konzept für den Nationalparkradweg vor. Und da ist Tiefenstein ein nicht unwesentliches Puzzleteil.

Schwer vorstellbar, wenn es hieße: Da müssen wir den Radweg leider unterbrechen, weil die Anlieger verständlicherweise lieb gewonnene Gewohnheiten (direkt vor dem Haus zu parken) nicht aufgeben wollen. Alternativen zum Schutzstreifen zu finden, die schnell umsetzbar und vor allem bezahlbar sind, dürfte schwierig sein. Insofern hat der Bauausschuss eine kluge Entscheidung getroffen, die wohl auch der Stadtrat absegnen wird.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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