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Bundenbach

Fossilienmuseum soll umgestaltet werden: Wer bezahlt das Projekt?

„Es gibt kein großes Naturkundemuseum auf der Welt, das nicht auch Fossilien aus dem Hunsrückschiefer von Bundenbach enthält. Auch von ihrer Wertigkeit als wissenschaftliche Ressource können die Fossilien nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Versteinerungen von Meerestieren, Algen und Landpflanzen aus dem Dachschiefer sind außergewöhnlich, sogar die ehemaligen Weichteile sind überliefert.“ Dr. Michael Wuttke, Referatsleiter der Direktion Landesarchäologie, Referat Erdgeschichte der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, nahm die Mitglieder des VG-Rates Rhaunen und des Ortsgemeinderates Bundenbach mit auf eine beeindruckende Zeitreise rund 390 Millionen Jahre zurück, die in die Zukunft strahlen soll.

Bundenbach – „Es gibt kein großes Naturkundemuseum auf der Welt, das nicht auch Fossilien aus dem Hunsrückschiefer von Bundenbach enthält. Auch von ihrer Wertigkeit als wissenschaftliche Ressource können die Fossilien nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Versteinerungen von Meerestieren, Algen und Landpflanzen aus dem Dachschiefer sind außergewöhnlich, sogar die ehemaligen Weichteile sind überliefert.“ Dr. Michael Wuttke, Referatsleiter der Direktion Landesarchäologie, Referat Erdgeschichte der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, nahm die Mitglieder des VG-Rates Rhaunen und des Ortsgemeinderates Bundenbach mit auf eine beeindruckende Zeitreise rund 390 Millionen Jahre zurück, die in die Zukunft strahlen soll.

Anlass der Sitzung, in der Informationen im Vordergrund standen und keine Beschlüsse zu fassen waren: Das seit 1976 bestehende Bundenbacher Fossilienmuseum muss dringend modernisiert werden (die NZ berichtete). Georg Dräger, Bürgermeister der VG Rhaunen: „Es gilt, die Ratsmitglieder für das Thema zu sensibilisieren und dann später zu diskutieren, wie wir mit der Problematik umgehen. Es geht hier und heute nicht um Beschlüsse, aber wir brauchen eine Vision, wie wir mit dieser Einrichtung weiter verfahren. Mit den Pfunden, die wir haben, sollten wir wuchern.“ Auch die Bundenbacher müssten in naher Zukunft Position beziehen: „Ich sehe hier eine Chance für die Gemeinde und die Verbandsgemeinde. Wir verkaufen uns als Hunsrücker unter Wert: Wir sollten selbstbewusster sein.“ Dr. Wuttke erläuterte ausführlich Hintergründe und Ansätze. Er erinnerte an eine kleine Sensation: Ein im Jahre 2009 in „Science“ veröffentlichter Hunsrückschiefer-Fund eines Gliedertieres (Schinderhannes bartelsi) durch das Steinmann-Institut der Universität Bonn erregte weltweit Aufsehen und wurde entsprechend durch die Medien gewürdigt. Im Fossilienmuseum sind verschiedene permanente „Sonderschauen“ integriert, wie zum Beispiel eine eigene Bergmannswerkzeug-Ausstellung sowie eine Ausstellung über ein Forschungsprojekt im Bundenbacher Hunsrückschiefer (Projekt Nahecaris) der GDKE-Erdgeschichte von 1998, die von den Besuchern positiv aufgenommen wurden. Rund 50 000 Besucher kommen jährlich nach Bundenbach, davon 20 000 Besucher in das Bergwerk und das Museum. Die Kombination von erlebter Geschichte, dem Abenteuer unter Tage und der Sensibilisierung für Geo-Themen schafft einen attraktiven Mix für einen nachhaltigen „sanften“ Geotourismus. Die gesamte Inszenierung von Fossilien, Bergbau und Forschung entspricht jedoch nicht mehr den veränderten, modernen Seh-, Unterhaltungs- und Bildungserwartungen: „Das Ganze muss anschaulicher, lebendiger, bunter, transparenter und dreidimensional werden. Die ehemalige Lebenswelt soll so dargestellt werden, als würden wir uns in einer heutigen bewegen… Besucher sollen auf dem Meeresgrund spazieren und allerlei entdecken können.“ Vor Ort fehle es an permanent installierten, attraktiven und wissenschaftlich abgesicherten Informationsmöglichkeiten in Wort, Ton und Bild zur Entstehung des Dachschiefers und der Fossilien, der ökologischen Zusammenhänge dieses ehemaligen Lebensraumes, der Bergbau- und Sozialhistorie bis hin zu Themen des Naturschutzes. Insbesondere als „Schlechtwetterangebot“ sei das Objekt für eine perspektivische Entwicklung im Regionaltourismus prädestiniert. Die auch heute noch zu verzeichnenden relativ hohen Besucherzahlen könnten durch Vernetzung und Einbindung in die Marketingstrategie der Regionaltouristik (Hunsrück-Touristik GmbH, Naheland-Touristik) noch erheblich gesteigert werden.
Der Fokus der geplanten Ausgestaltung liegt dabei sowohl inhaltlich als auch vom Umfang der Präsentation her im Indoor-Bereich des Fossilien-Museums. Die Präsentation im geotouristischen Erlebniszentrum soll folgende Schwerpunkte umfassen, die auch die regionale Identität sowie den kulturlandschaftbezogenen Tourismus fördern sollen: Paläoökologie und Fossilbildung, Dachschieferabbau und -verarbeitung sowie Montan- und Sozialhistorie. Vorgeschlagen wird eine Dreiteilung der Indoor-Ausstellung. Rund 350 000 Euro würde die Umgestaltung kosten. Dräger: „Die Ortsgemeinde Bundenbach sehe ich nicht in der Lage, die Umgestaltung finanziell zu stemmen. Selbst bei hohen Zuschüssen im Bereich von 75 Prozent.“ Aber: „Wir können uns die VG Rhaunen nicht ohne dieses Museum vorstellen…“ Der Rhaunener Ortschef Manfred Klingel (SPD) betonte: „Das Herrichten ist das Eine, das Betreiben was anderes. Das kostet Geld. Ich habe da inhaltliche Bedenken.“ Es gehe aus seiner Sicht offensichtlich nur noch um die Frage, ob die Verbandsgemeinde Rhaunen rund 100 000 Euro in das Projekt investieren möchte, was letztlich der VG-Rat zu entscheiden habe, wenn die Ortsgemeinde Bundenbach einen entsprechenden Antrag stellt. Klingel vertrat einen bemerkenswerten und ungewöhnlichen Ansatz: „Ich persönlich gebe 1000 Euro fürs Projekt...“ (vm)

Idar-Oberstein Birkenfeld
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