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Müden

Theatergruppe Müden begeistert: Wenn der Bischof eigentlich ein Biker ist

Knatternde Motorräder und einen falschen Bischof: Mehr braucht es nicht, um das Leben zweier wehleidiger Männer und deren fürsorglichen Ehefrauen völlig auf den Kopf zu stellen. Das stellte die Theatergruppe Ha-rimm des Theater- und Musikvereins Eintracht Müden jüngst mit ihrer Inszenierung des Stückes „Auf gute Nachbarschaft“ unter Beweis.

Das Theater ist tief in der Vereinsgeschichte verwurzelt. „In den 1950er-Jahren gab es neben dem Spielmannszug als musikalischem Element auch schon Theateraufführungen. Diese Praxis ist dann allerdings wieder eingeschlafen“, erklärt Verena Michels, die bei der Inszenierung, die das Publikum am Ende restlos begeistert haben wird, die Regie geführt hat.

1989 wagte Gabi Langen mit einer Handvoll theaterbegeisterten Mitstreitern einen Neuanfang. Sie organisierten sich in einer gemeinsamen Gruppe und ließen die über die Jahre in Vergessenheit geratene Theaterpraxis wieder aufleben. Seither ist die Gruppe, deren Mitglieder allesamt Laienschauspieler im Alter von 30 bis 55 Jahren sind, bestrebt in jedem Jahr eine Inszenierung auf der Bühne zu präsentieren. „Dazu proben wir zwei Mal pro Woche immer abends so zwei bis drei Stunden lang“, erklärt Michels. Die tatsächlichen Proben sind in diesem Jahr innerhalb von drei Monaten abgelaufen. Die gesamte Vorbereitungsphase von der Auswahl des Stücks bis hin zur Erstaufführung kann jedoch deutlich länger dauern. „Meistens bestelle ich eine erste Vorauswahl von bis zu 50 Stücken. In mehreren Lesedurchgängen grenzen wir dann immer weiter ein, bis schließlich nur noch zwei Stücke übrig sind, von denen wir uns dann gemeinsam eines aussuchen“, erklärt Michels.

Die Proben starten dann zunächst „kalt“, wie Michels es nennt. Das heißt: In einem leeren Raum arbeiten die Schauspieler dann mit imaginären Requisiten. „Die Bühne bekommen wir meistens erst kurz vor der Aufführung. Das Bühnenbild haben wir komplett selbst gestaltet. Neben zahlreichen fleißigen Helfern hat insbesondere Malermeister Ralf Kneip zur Gestaltung des Bühnenaufbaus beigetragen“, lobt Michels. Diese ausgiebige Vorbereitung scheint sich zu lohnen. „Die Veranstaltungen am Samstag und Sonntag waren sehr schnell ausverkauft“, freut sich Michels.

Und auch am Freitagabend ist der Saal voll. Das gemischte Publikum von jung bis alt fiebert der lang ersehnten Erstaufführung entgegen. Begeistert verfolgen sie zunächst die Dialoge zwischen den Nachbarinnen Rosemarie (Sonja Loch) und Irmgard (Beatrix Machwirth), die immer wieder für ausgelassenes Gelächter sorgen. Auch die Art und Weise wie die beiden wehleidigen Männer Hans Peter (Andreas Emmerich) und Ernst Wolfgang (Hans Schmitt) ihre Frauen umherscheuchen und sich über sie beschweren, sorgt für einige Erheiterung im Publikum. Nachdem das Gerücht aufgekommen war, dass ein echter Bischof in ein verlassenes Haus in der Nachbarschaft einziehen soll, staunt die gesamte Truppe genauso wie das Publikum nicht schlecht, als sie bemerken, dass es sich bei „Bischof(f)“ weniger um ein Amt als vielmehr nur um einen Namen handelt. Als der Bischoff (Harald Korn) dann auch noch als Rocker in Lederkutte mit einem echten Motorrad bis zur Bühne vorgefahren kommt, hat er das Publikum voll und ganz auf seiner Seite.

Besonders positiv fällt auf, dass die Schauspieler nicht nur vor, sondern auch mit dem Publikum spielen und ihre Zuschauer immer wieder auch räumlich mit in die Inszenierung einbeziehen. Auch die Kostüme sind treffend gewählt. Insbesondere als Hans Peter und Ernst Wolfgang die Rocker Stefan Bischoff und Klaus Küster (Jochen Möntenich) wegen einer nächtlichen Ruhestörung zur Rede stellen wollen, wird schon optisch die Verschiedenheit der beiden Spießbürger mit Hornbrille, Hosenträgern und Strickweste einerseits und den wilden Rockern mit Lederhose und -kutte, langen Haaren und tätowierten Armen besonders deutlich.

Die beiden Klatschtanten Ulricke (Tanja Müller) und Margarete (Heidi Beiren) fallen durch eine passende besonders ausdrucksstarke Mimik und Gestik auf. Immer wieder gelingt es der Theatergruppe auch lokale Orte, Menschen und Geschehnisse subtil in die Handlung einzuflechten. Insgesamt eine überdurchschnittlich erfolgreiche und komische Inszenierung, bei der das Publikum so einiges zu lachen hatte. Die Arbeit hat sich also gelohnt. „Das besondere an unserem Laientheater ist natürlich auch, dass wir grundsätzlich alle Inszenierungen im Dialekt aufführen. Dadurch kann man aus jeder Inszenierung ein echtes Unikat mit regionalem Bezug herstellen“, hatte Verena Michels vor der Aufführung gesagt. Damit hatten die Gruppe bei ihrem aktuellen Stück „Auf Gute Nachbarschaft“, das ursprünglich aus Bayern kommt, alle Hände voll zu tun. Oftmals musste die gesamte Satzstruktur ans Moselfränkische angepasst werden.

Von unserem Mitarbeiter Philipp Wirtz

Cochem Zell
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