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Alf

Strohwein: Es gibt ihn wieder!

Fast wäre er in Rechtsvorschriften ertrunken: der Strohwein. Doch die Moselwinzer Ulrich und Peter Stein haben die edelsüße Spezialität behutsam aus den Wirren des Weingesetzes befreit.

Ulrich und Peter Stein (rechts) mit ihrem "Striehween". 300 Flaschen dieser edelsüßen Rarität sind abgefüllt.
Ulrich und Peter Stein (rechts) mit ihrem "Striehween". 300 Flaschen dieser edelsüßen Rarität sind abgefüllt.
Foto: Birgit Pielen

Alf – Fast wäre er in Rechtsvorschriften ertrunken: der Strohwein. Doch die Moselwinzer Ulrich und Peter Stein haben die edelsüße Spezialität behutsam aus den Wirren des Weingesetzes befreit.

Die gute Nachricht zuerst: Deutsche Winzer dürfen wieder Strohwein herstellen! Die schlechte Nachricht: Sie dürfen ihn nicht so nennen. Das klingt nach Spitzigfindigkeiten der Juristerei – und das ist es auch. Doch der Reihe nach.

1971 verbietet das deutsche Weingesetz die Herstellung von Strohwein. Dabei war das Verfahren  jahrhundertelang üblich und erlaubt. Das Besondere: Trauben von hoher Qualität nach der Lese wochen- oder monatelang auf Stroh oder Strohmatten getrocknet. Der Wasseranteil verdunstet, der Zuckergehalt steigt. Werden die Trauben gepresst, entsteht ein schwerer, lagerfähiger Wein mit einem Alkoholgehalt von 14 Prozent und mehr; ein klassischer Dessertwein also.

Winzer anderer europäischer Länder stellen die Spezialität nach wie vor her und dürfen sie nach Deutschland exportieren. Man kann sich am Strohwein aus Österreich berauschen, am "Vin de paille" aus Frankreich oder am "Vino passito" aus Italien. Diese Ungleichbehandlung deutscher Winzer nagte am Gerechtigkeitsempfinden von Ulrich und Peter Stein. "Es ist eine bürokratische Verunordnung", sagten die beiden Brüder, die fünf Hektar Schiefersteillagen rund um Alf bewirtschaften.

Doch sie müssen jahrelang Durchhaltevermögen zeigen. Nach zwei Niederlagen an deutschen Verwaltungsgerichten wenden sie sich an die Europäische Union in Brüssel. Die sagt: Gleiches Recht für alle! Das gilt zumindest für die Herstellung. Heißen darf der Strohwein nicht so, denn die Österreicher haben sich den Begriff schützen lassen.

Das rheinland-pfälzische Weinbauministerium legt fest , was auf dem Etikett stehen darf und was nicht. Nicht erlaubt sind die Wörter Strohwein, Weingut, Erzeugerabfüllung und Mosel als geografische Angabe. Zugelassen sind immerhin das Erntejahr und die Rebsorte.  Was steht also jetzt auf der Flasche? 2009er Riesling Striehween, Abfüller Gebrüder Stein, Bullay/Mosel. Immerhin. "Damit können wir wunderbar leben", sagen die beiden."Wir haben gewonnen, was die Produktion von Strohwein angeht, aber verloren, was die Namensgebung betrifft."

"Striehween" ist die mundartliche Bezeichnung für Strohwein – und die wiederum dürfen nur die Steins verwenden, weil sie sich die als Marke beim Patentamt haben schützen lassen. Die ersten 120 Liter sind jetzt in der Flasche und vieler Hinsicht eine Rarität: 0,375 Liter des edelsüßen Tropfens kosten 28 Euro.

Cochem Zell
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