40.000
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Mörsdorf/Tansania

Runde Sache: So helfen "Geierlights" in Afrika

Christoph Bröder

Kinder, die auf dem blanken Lattenrost schlafen. Kinder, denen Gliedmaßen fehlen. Kinder mit Albinismus, deren Augen fast erblindet sind. Als Hans-Peter Platten all das sieht, ist er den Tränen nahe. Für ihn steht schnell fest: Hier muss ich helfen. „Hinsehen, wo andere wegschauen“, lautet der Leitsatz seines Hilfsprojekts „Herzenssache – Ein Stern für Katumba“. Seit zwei Jahren ist Platten mehrmals im Jahr vor Ort. In einer Schule in Katumba, einer Region im abgelegenen Hochland von Tansania. Im März war der Mörsdorfer wieder dort. Im Gepäck hatte er allein 9000 Euro, die bei der Aktion „Geierlights“ an der Hängeseilbrücke (die RZ berichtete) im vergangenen Dezember zusammengekommen waren. Hinzu kommen weitere 40.000 Euro aus privaten Spenden und einer Stiftung.

Platten ist durch den Hilfsverein „kids‘ and poors‘ eyes“ eines Traben-Trarbacher Augenarztes auf die Missstände in Afrika aufmerksam geworden. „Doktor Fischbach hatte schon seit Jahren Kinderaugen in der Dritten Welt untersucht, als ich 2008 zum Verein dazustieß“, erzählt der Mörsdorfer. Als der inzwischen verstorbene Fischbach sich aus dem Verein zurückzieht, übernehmen Thomas Schwarz und Andreas Künster, zwei Augenärzte aus Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, dessen Aufgaben. Und die beiden wollen die Arbeit des Vereins erweitern, nämlich auch vor Ort operieren. Außerdem sind sie auf der Suche nach einem Augenoptiker für ihr Team. Da kommt Platten ins Spiel. Mit den beiden reist er erstmals nach Namibia, wo er in sogenannten „Eye-Camps“ die Augen von fast 400 Kindern pro Tag untersucht.

Vor drei Jahren reiste der Hunsrücker dann zum ersten Mal nach Tansania. Innerhalb von zwei Wochen besucht Platten rund fünf Schulen. Eine davon ist die Einrichtung in Katumba. „Wir wussten vorher, dass die Situation dort besonders schlecht ist. Was ich jedoch nicht wusste, ist, dass dort viele Kinder mit fehlenden Gliedmaßen und Behinderungen untergebracht sind“, erinnert sich Platten. Bei den untersuchten Kindern sind viele mit Albinismus dabei, deren Sehleistung bei gerade einmal 20 Prozent liegt. „Durch unsere Hilfe schafften wir es, die Sehleistung auf bis zu 50 Prozent zu steigern, sodass die Kinder wenigstens in die Schule gehen konnten“, sagt Platten.

Doch das alleine reicht dem Mörsdorfer nicht. Er will mehr tun, als sich bloß um die Augen der Kinder zu kümmern. Um den Verein aber nicht auch noch damit zu belasten, startet Platten sein eigenes Hilfsprojekt „Herzenssache – Ein Stern für Katumba“. „Die Lebenssituation dort hat mir Tränen in die Augen getrieben. So würde man bei uns vielleicht Schafe unterbringen“, sagt Platten. „Wirklich schlimm. Von der Regierung werden nur die Lehrer und ein warmes Mittagessen bezahlt, mit dem Rest sind die überfordert“, erklärt er.

Bei seinem ersten Spendenaufruf in Deutschland kommen rund 18.000 Euro zusammen. Davon werden unter anderem 140 Matratzen, Kissen und Bettdecken gekauft. „Die Matratzen der Kinder waren zum Teil durchuriniert, einige hatten auch keine Decken und mussten sich stattdessen mit Kleidung zudecken“, erinnert sich Platten. Mit einem Schreiner vor Ort werden Sitzmöbel für den Speisesaal angeschafft. Zuvor saßen die Kinder auf dem Boden. Die Sanitäranlagen werden ebenfalls erneuert. Und 30 Hühner hat Platten für die Schule besorgt.

„Wir haben außerdem das Gebäude eingefriedet, in dem die Kinder mit Albinismus schlafen“, sagt Platten. Hintergrund: In Afrika werden Kinder mit dieser Krankheit mitunter verschleppt, das hat etwas mit dem Aberglauben der Menschen dort zu tun. „Der Stahlschlosser vor Ort fragte mich, welche Farbe das Tor haben soll – er wollte eine Farbnummer haben. Mir ist spontan nichts eingefallen, aber ich hatte die Pantonefarben vom Geierlay-Logo auf meinem iPad“, erzählt der Mörsdorfer. So kommt es, dass das Tor in Geierlaypetrol lackiert wird.

Auch wenn Platten Ende April wieder nach Katumba reisen wird, um den Baufortschritt zu prüfen, er kann nicht immer vor Ort sein. Deshalb ist Hilfe zur Selbsthilfe das langfristige Ziel. „Wir haben zum Beispiel einen Optiker vor Ort mit Geräten und Werkstattmaterialien ausgestattet, damit er selbstständig arbeiten kann“, erklärt Platten. „Die Kinder in Katumba jedenfalls fühlen sich schon enorm aufgewertet, weil sie merken, jetzt passiert hier etwas“, zeigt sich Hans-Peter Platten sichtlich glücklich.

Von unserem Reporter Christoph Bröder

Das Projekt im Internet

Wer Hans-Peter Plattens Projekt „Herzenssache – Ein Stern für Katumba“ mit einer Spende unterstützen möchte, findet hier alle nötigen Informationen: www.hp-platten.de/herzenssache.

Der Bedarf an Hilfen ist nach wie vor hoch, auch wenn durch das Engagement aus dem Hunsrück und dem Moseltal schon viel bewegt wurde. red

Cochem Zell
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