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Büchel

Protest in Büchel: Sehnsucht nach einer Welt ohne Atomwaffen

Es war ein eindrucksvolles Zeichen von vielen Christen für eine atomwaffenfreie Welt. Genau ein Jahr nach der Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags waren am Wochenende mehr als 500 Menschen in die Eifel an den Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel gekommen, um einen Gottesdienst zu feiern. Sie wollten ein Signal an die Bundesregierung senden, damit diese den Vertrag ebenfalls unterzeichnet.

„Wir wehren uns gegen ein ,Weiter-so' auf dem Weg der atomaren Abschreckung und Aufrüstung durch Modernisierung dieser schrecklichen, unvorstellbar zerstörerischen Massenvernichtungswaffen“, sagte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Renke Brahms, in seiner Predigt in Büchel . Er forderte die Bundesregierung auf, sich dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag anzuschließen und alles dafür zu tun, dass die letzten US-Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden.

Es sei wichtig, die alten Denkmuster der atomaren Abschreckung zu verlassen und zu überwinden. „Es ist nicht die Sache einer Predigt, den politisch Verantwortlichen vorzuschreiben und vorzuschlagen, wie sie es genau machen sollten. Aber Mut zu machen, alte Wege zu verlassen, das können wir wohl“, unterstrich der EKD-Friedensbeauftragte. Zweifel daran, dass es gelingen könne, Atomwaffen zu ächten, zu verbieten und weitgehend abzuschaffen, wollte Renke Brahms nicht gelten lassen. „Was mit den B- und C-Waffen gelungen ist, muss auch mit den Atomwaffen durchgesetzt werden.“ Wer sie besitzt, mit ihnen droht oder gar einsetzt, begehe ein Verbrechen gegen die Menschheit, betonte der Theologe.

Symbolisch um Punkt 11.58 Uhr hatte der Gottesdienst begonnen. Es ist die Uhrzeit, mit der aktuell die Doomsday Clock die Gefahr eines Atomkrieges anzeigt. „Zwei Minuten vor zwölf ist mehr als genug. Zwölf Uhr darf es auf dieser Weltuhr niemals werden. Zwei Minuten vor zwölf ist spät. Aber hoffentlich noch nicht zu spät. Es liegt in unserer Hand“, betonte der Jülicher Superintendent Jens Sannig als Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland während des Gottesdienstes.

Der frühere Erfurter Probst Heino Falcke, einer der bekanntesten Theologen der evangelischen Kirche in der ehemaligen DDR, zeigte sich tief beeindruckt von diesem Aktionstag. „Das, was hier auf der Wiese vor dem Fliegerhorst passiert, ist die Zukunftsalternative zu dem, was hinter diesem Kasernenzaun gemacht wird“, betonte er. Und er machte deutlich, dass dem nicht widerstandslos zugesehen werden könne, was sich derzeit an atomarer Rüstung abzeichne.

„Hier stehen Menschen, die wissen, dass Sicherheit nicht mit Abschreckung durch Waffen erreicht wird, sondern der Abbau von Waffen der Weg zum Frieden ist“, betonte der frühere deutsche UN-Diplomat Hans-Christoph Graf von Sponeck. Er forderte die Bundesregierung auf, ihren künftigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, um nach dem Austritt aus der Kernkraft nun auch den „lebenswichtigen Austritt aus der Atombewaffnung“ zu erklären, damit Deutschland zur atomwaffenfreien Zone werde.

Wie von Sponeck forderten viele Akteure Deutschland auf, wie 122 Staaten zuvor, den UN-Atomwaffenverbotsvertrag ebenfalls zu unterzeichnen. „Wir müssen die Bundesregierung fragen, warum sie nicht an den Verhandlungen teilnahm. Und wir müssen dafür sorgen, dass alle, die Ohren haben, auch hören können: Atomwaffen, nukleare Abschreckung und nukleare Teilhabe sind unser selbst verschuldetes Gefängnis“, meinte Jonathan Frerichs (Genf) vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Er verwies darauf, dass der ÖRK bereits 2014 erklärte, dass Atomwaffen nicht mit echtem Frieden in Einklang gebracht werden können.

Der vom ÖRK ausgerufene „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ habe eine feste Station in Büchel, unterstrich Christine Busch, die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). „Dieser Ort ist ein Schmerzort, Gott sei es geklagt. Hier in Büchel liegt der Tod im Boden und in der Luft“, betonte sie, gab aber auch zu bedenken, dass hier ebenso auch Neues entstehen könne. „Nein zum Atomtod, Ja zum Leben. Nein zur Aufrüstung, Ja zur Abrüstung. Nein zur Gewalt, Ja zur Gewaltfreiheit“, forderte die AGDF-Vorsitzende. Zu dem Aktionstag hatten Friedensaktivisten aus den evangelischen Landeskirchen in Bayern, Württemberg, Pfalz, Baden, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck und dem Rheinland sowie die katholische Friedensorganisation Pax Christi aufgerufen. „Wir werden weiterhin deutlich die Stimme erheben für ein Atomwaffenverbot. Und dafür war dieser Aktionstag eine große Ermutigung“, so Pfarrer Detlev Besier, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Cochem Zell
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