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Cochem

Netzwerken beim Frühstück: Gemeinsam auf dem Weg zur zweiten Million

Thomas Brost

Zuerst geht es ans Frühstücksbüfett, es wird reichlich auf den Teller geschaufelt, dabei sehen alle entspannt aus. Wenn sich gut 20 Männer und Frauen jeden Dienstagmorgen um 7 Uhr in der Weißmühle treffen, könnte das der Auftakt für eine kurze Auszeit vom Job sein. Müßiggang? Gefehlt: Gleich nach dem ersten Kaffee geht es strukturiert zur Sache. Denn Zeit ist Geld – insbesondere für das Unternehmernetzwerk BNI Moselschleife (siehe Zusatztext). Das arbeitet momentan an seiner zweiten Million.

23 Unternehmer, Freiberufler und Firmeninhaber haben sich bislang dem Unternehmernetzwerk BNI Moselschleife angeschlossen. Dessen neuer Vorsitzender ist Marco Retterath (vordere Reihe, 2. von links) aus Cochem. Foto: Thomas Brost
23 Unternehmer, Freiberufler und Firmeninhaber haben sich bislang dem Unternehmernetzwerk BNI Moselschleife angeschlossen. Dessen neuer Vorsitzender ist Marco Retterath (vordere Reihe, 2. von links) aus Cochem.
Foto: Thomas Brost

Vernetzen ist alles – getreu diesem Motto, das in der Berufswelt inzwischen als unverzichtbar gilt, kommen die 23 Mitglieder des Netzwerkes seit November 2016 jede Woche zusammen. Präsenz ist Pflicht, schließlich soll Umsatz generiert werden. „Bei uns herrscht das Prinzip des gegenseitigen Empfehlens, das wird perfektioniert“, sagt Marco Retterath, der neue Direktor des Chapters Moselschleife. Retterath ist Zahnarzt am Cochemer Markt, hat die alteingesessene Praxis von seinem Vater übernommen. Auch er profitiert von dem Netzwerk BNI. „Bei mir in der medizinischen Branche ist es Standard, jemanden zu empfehlen.“ Die Empfehlungen beruhten „auf Vertrauen und der Verbindlichkeit, einen guten Menschen oder ein gutes Unternehmen“ ans Herz zu legen. Diese Vorgehensweise hat dazu geführt, dass innerhalb des Chapters Moselschleife bisher 1,47 Millionen Euro an Umsatz eingenommen worden sind.

Zustimmendes Raunen, als die Wochenbilanz durchgegeben wird: exakt 52.021 Euro, dank 29 Empfehlungen und sechs sogenannter Eins-zu-eins-Gespräche. Alle vier Wochen wird ein „Netzwerker des Monats“ gekürt, der Mensch mit den meisten fruchtbringenden Kontakten. Diesmal ist es Markus Kochems, Weinbauer und -händler aus Mesenich. Er ist der einzige aus seiner Zunft im Chapter Moselschleifen, denn ins BNI-Netzwerk wird jeweils nur einer aus einer Berufssparte zugelassen. Nach zweimaligem Schnuppern müssen sich Besucher für oder gegen einen Beitritt entscheiden, das letzte Wort hat der Mitgliederausschuss. Aktuell, so Marco Retterath, sucht die Cochemer Sektion noch je einen Apotheker, Fotografen, IT-Systemdienstleister, Drucker und Steuerberater. Rituale hat das BNI-Netzwerk einige, dazu gehört, dass sich jedes Mitglied allwöchentlich vorstellt. Binnen 60 Sekunden muss es berichtet haben, was seine Firma ausmacht – und was es im Speziellen derzeit sucht. Wer kurz davor ist zu überziehen, sieht die Gelbe Karte. Weiter geht es im Minutentakt: Tobias Walter, der Trainingskoordinator, betont, dass selbst Architekten über das Netzwerk bundesweit an Handwerker herankommen. Eben weil das BNI in ganz Deutschland verbreitet ist und verbindet. Auch jenseits der Grenzen. „So sind Kontakte nach Wien, Dubai, New York City oder Delhi kein Problem“, so Walter.

Ein Unternehmen hat jede Woche die Gelegenheit, sich in einem zehnminütigen Vortrag vorzustellen, diesmal ist es Jörg Huschet aus Altstrimmig. Gleich danach die „Engagementrunde“: Wer hat wann welches Gespräch geführt und jemanden empfohlen – und was ist an Heller und Eurocent dabei herumgekommen? Zufriedene Gesichter, zumal die Summen querbeet durch die Reihen eintreffen. Provisionen sind im Übrigen tabu. Und netzwerken lohnt sich: Aus den Empfehlungen der Vorwoche wird ein Tagespreis gezogen: Der Gewinner darf sich beim Präsentator des aktuellen Tages beschenken lassen.

Nach anderthalb Stunden fällt der Hammer, dann muss die Zusammenkunft beendet sein. Schließlich müssen Termine im Beruf wahrgenommen, weiteres Geld verdient werden. Trotz der straffen Tagesregie geht es familiär zu, es wird zwischen den Zeilen gar geflachst. „Bei mir liegen Sie richtig“, sagt eine Physiotherapeutin. Gut möglich, dass sie, die noch Besucherin ist, zu diesem illustren Kreis bald hinzustößt.

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

Weltweit tätig

Das weltumspannende Unternehmernetzwerk BNI hat mehr als 8000 Sektionen, sogenannte Chapter, in 70 Ländern. 230.000 Mitglieder üben sich im Kern um ein Empfehlungsmarketing. Das Chapter Moselschleife umfasst den Landkreis Cochem-Zell und angrenzende Gebiete.

Es hat zurzeit 23 Mitglieder, weitere Bewerbungen liegen vor. Die Mitgliedschaft kostet (Stand 2016) jährlich 925 Euro und eine einmalige Aufnahmegebühr von 160 Euro. Nach jedem Jahr muss man sich erneut für das BNI-Team bewerben. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.bni.de

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