40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Moselkern: Dem Wehr geht es bald an die Krone
  • Aus unserem Archiv
    Moselkern

    Moselkern: Dem Wehr geht es bald an die Krone

    Für einige Bürger Moselkerns dürfte jetzt eine kleine Welt zusammenbrechen: Sie sind emotional mit dem Stauwehr „Haansche Mühle“ im Elzbach eng verbunden, das immerhin mehr als 400 Jahre alt ist. Doch jetzt das: Das Wehr soll weitgehend weichen, der Kreisausschuss hat mit fünf Jastimmen bei vier Enthaltungen den Weg für den Umbau zu einer Sohlengleite freigemacht. Es handelte sich dabei um den Beschlussvorschlag der Kreisverwaltung Cochem-Zell, der schon seit Längerem auf dem Tisch lag.

    Viele Moselkerner Bürger setzen sich für den Erhalt des Wehrs „Haansche Mühle“ ein und haben dies auch dokumentiert. Jedoch hat der Kreisausschuss jetzt beschlossen, dass das Wehr in eine Sohlengleite (auch raue Gleite genannt) umgebaut werden muss.  Foto: Kevin Rühle
    Viele Moselkerner Bürger setzen sich für den Erhalt des Wehrs „Haansche Mühle“ ein und haben dies auch dokumentiert. Jedoch hat der Kreisausschuss jetzt beschlossen, dass das Wehr in eine Sohlengleite (auch raue Gleite genannt) umgebaut werden muss.
    Foto: Kevin Rühle

    Denn in seiner Märzsitzung hätten Umwelt- und Kreisausschuss – beide tagten auch gestern gemeinsam – der Ortsgemeinde aufgegeben, bis zum 31. Mai eine Stellungnahme abzugeben, ob sie bereit ist, die Mehrkosten für eine Alternativvariante zu übernehmen und wie weitere Planungen konkret aussehen könnten. Prompt ist der Brief zum 31. Mai von Ortsbürgermeister Wolfgang Kratz an die Verwaltung herausgegangen. Er enthält aus Sicht von Landrat Manfred Schnur jedoch „keine klaren Antworten“. Kratz und die Mehrheit des Gemeinderates favorisieren den weitgehenden Erhalt des Wehrs, samt einer Nutzung der Wasserkraft, um Strom zu erzeugen. Im Brief erkennt Kratz nicht, dass Mehrkosten durch Variante zwei zulasten der Ortsgemeinde und des Wasserrechteinhabers gehen sollten. Er ist ferner der Ansicht, dass der Umbau so vonstatten zu gehen habe, wie der Gemeinderat dies beschlossen habe. Der sprach sich für einen neuen Fischpass aus.

    Im Kreisausschuss betonte Landrat Schnur, dass beide Varianten gewährleisten, dass die Elz für Fische, die bachaufwärts streben, durchlässig sei und dass die Wasserkraft genutzt werden könne. Aber: Die Sohlengleite sei günstiger zu verwirklichen, zudem habe das Land zugesichert, 90 Prozent dieser Kosten zu schultern. Für Variante zwei bezifferte Schnur Mehrkosten in Höhe von etwa 75.000 Euro. Eine Stromnutzung hielt er für eher unwahrscheinlich, in jedem Falle für unwirtschaftlich. „Das Wasser in der Elz reicht dafür nicht aus.“

    „Wie lange wollen wir eigentlich noch warten?“ fragte Erwin Michels (CDU) in die Runde. Die Ortsgemeinde handele nach dem Motto „Wasch' mich, aber mach' mich nicht nass“. Die Fakten lägen auf dem Tisch, also solle man entscheiden. Und der Vorschlag des Kreises sei, so Hans-Josef Mons (CDU), der „ökologisch beste und kostengünstigste“. Der Kreis dürfe nicht einfach Geld drauflegen, sagte Manfred Führ (FWG). Dann laufe er Gefahr, dass der nächste Haushalt nicht genehmigt werde.

    Bernd Schuwerack (SPD) stellte noch einige Fragen, insbesondere ob der Hochwasserschutz berücksichtigt sei und die Kostenschätzung stimme. Beides sei so, bekräftigte Schnur, man arbeite mit einem verlässlichen Büro zusammen. Von Moselkern hätte sich Schuwerack eine klare Aussage gewünscht. „Das ist leider nicht geschehen.“ Er hätte sich vorstellen können, dass die Ortsgemeinde in puncto Mehrkosten in Vorlage treten würde und der Stromerzeuger dies abbezahle.

    Die Eigentumsverhältnisse sind geklärt, so ist die künftige Baustelle ganz im Besitz der Gemeinde. Wolfgang Lambertz (CDU) gab zu bedenken, dass wir „dies ja mit der Ortsgemeinde machen müssen, ich sehe aber keine Bewegung.“ Es falle ihm schwer, eine Entscheidung gegen den Ratsbeschluss von Moselkern zu fällen. Ein emotionales Thema. Dies, so Landrat Schnur, sei kein Grund, freiwillig Mehrkosten auf sich zu laden; siehe Kindergartendebatte mit St. Martin.

    Nach dem Beschluss pro Sohlengleite sagte er, man müsse jetzt „an die finale Umsetzung denken und bauen“. Zumal Zuschussfristen zu enden drohen. Moselkerns Beigeordneter Klaus Mayer zweifelt daran, dass die Kostenschätzung noch haltbar ist. Das Planungsbüro sei von falschen Berechnungen ausgegangen. Mayer will wissen, dass die Zahlen derzeit überarbeitet werden. Die Rolle der Gemeinde sieht er als absolut undankbare: „Wir sind nur der Beifahrer zwischen Kreis und Wasserrechteinhaber. Wir geben zwar Gas, uns fehlt aber der Sprit.“

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

    Gemeinde sieht in Stromerzeugung und Wollfabrik Chancen

    Viel Wasser ist die Elz heruntergeflossen, ehe auf Kreisebene ein Beschluss zustande kam. Seit 2011 beschäftigen sich Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord und der Kreis mit dem Thema. Aufgegeben wurde dies von der EU, die die Fischdurchlässigkeit von Bächen vorschreibt.

    Im März 2012 befasste sich eine Bürgerversammlung erstmals mit dem Thema. Der Tenor laut Ortschef Kratz damals: „Hier findet sich niemand, der das Vorhaben der Kreisverwaltung unterstützt.“ Die Gemeinde will statt der rauen Gleite einen Fischpass bauen und sieht in der ökologischen Stromerzeugung und der Entwicklung der angrenzenden Wollfabrik zu einem Kulturzentrum Chancen. bro

    Cochem Zell
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Mittwoch

    10°C - 21°C
    Donnerstag

    12°C - 21°C
    Freitag

    12°C - 18°C
    Samstag

    11°C - 17°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige