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Cochem

Kolesnikov eröffnet Klaviersommer: Nachdenklich zelebriert ein Meister die Musik

Holger Crump

Es ist schon Tradition, das alljährliche, internationale Klavierfestival im Kapuzinerkloster. Und es hat sich im Kreis und in der Kulturszene herumgesprochen, dass die Cochemer unter der künstlerischen Leitung von Dr. Michael Staudt namhaften Pianisten von internationalem Format eine Bühne für Klavierkonzerte der Extraklasse bieten.

Bravourös eröffnet Pavel Kolesnikov (Russland) die Konzertfolge des Internationalen Klaviersommers im Cochemer Kulturzentrum Kapuzinerkloster. Als „Poet am Klavier“ kündigte der künstlerische Leiter, Dr. Michael Staudt, ihn an, Kolesnikov wurde diesem Prädikat gerecht.  Foto: Kevin Rühle
Bravourös eröffnet Pavel Kolesnikov (Russland) die Konzertfolge des Internationalen Klaviersommers im Cochemer Kulturzentrum Kapuzinerkloster. Als „Poet am Klavier“ kündigte der künstlerische Leiter, Dr. Michael Staudt, ihn an, Kolesnikov wurde diesem Prädikat gerecht.
Foto: Kevin Rühle

So auch beim Auftakt am vergangenen Sonntag. Mit Pavel Kolesnikov eröffnete ein brillanter Meister den Konzertreigen, der Cochem seit Jahren die Treue hält und sein Publikum mit Charme, mit großer Virtuosität und Musikalität erobert. Ernst und konzentriert sein Konzertbeginn: Brahms nannte seine drei Intermezzi op. 117 auch „Wiegenlieder meiner Schmerzen“. Kolesnikov verzauberte die Zuhörer mit fein gesponnenen, lyrischen Motiven. Zuweilen sehr frei im Metrum, erwies er sich gleich zu Beginn als „Poet am Klavier“, wie Michael Staudt ihn vorstellte. Drei Andantesätze von tiefem Ernst, von selbstverständlicher Zeitlosigkeit. Es folgte „Children's Corner“ von Claude Debussys. Kolesnikov entwickelte mit satter Spielfreude zuweilen schalkhafte, aber auch durchaus exotische Klangwelten. Sein Sinn für Details und Finessen der Partitur forderte den Hörer. Genial die Verknüpfung von Jazzanklängen mit dem Tristanzitat im letzten Satz, dargeboten auf höchstem pianistischen Niveau.

Doch damit nicht genug: Die „Feux d'artifice“ aus den Préludes II von Debussy sorgten für einen weiteren furiosen Höhepunkt. Ein Klangfeuerwerk ohne zentrales Thema: Rastlos, atemberaubend, quirlige Figurationen, jagende Sequenzen, juchzende Signale und aus der Ferne herüberwehende Klangfetzen, die Kolesnikov meisterhaft strukturierte und so zu einer detailreichen Abstraktion verwob. Kurzes Innehalten. Nach Romantik und Impressionismus bot der Künstler dann Tombeau de Mr. Blancrocher von Louis Couperin, ein Werk des französischen Barock, ursprünglich für Cembalo komponiert. Das Stück ist elegant und von zeitloser Schönheit, mit seiner Interpretation bewies Kolesnikov, dass er in allen Epochen der Klavierliteratur zu Hause ist. Der Duktus des Vortrags nahe an einer Improvisation.

Mit einem der gelungensten Werke Schumanns, der Fantasie C-Dur op. 17, lotete Kolesnikov zuletzt die Untiefen des Seelenschmerzes eines Romantikers aus, der unter der Trennung zu seiner geliebten Clara Wieck gelitten hatte. Mit im Konzertbetrieb selten gebotener, unerhört klanglicher Sensibilität spannte Kolesnikov einen wahren Kosmos an Emotionen auf, der die Virtuosität in den Schatten großer musikalischer Erzählkunst stellte und fast den Eindruck erweckte, der Pianist folge bei seiner Darbietung eher einer spontanen Eingebung denn einer formalen Partitur.

Mit Weite und einem nervösen Unterton schuf Kolesnikov ein morbides Märchen, dessen unheilvollen Ausgang man schmerzlich erahnte. Das Leben ist ein Kreislauf, ein Wechsel von Anfang und Ende. Und so setzte er den Schlusspunkt mit einem eingangs bereits gespielten Wiegenlied aus Brahms Intermezzi. Ein nachdenklicher Kolesnikov zelebrierte die Musik versunken für sich. Ein Glücksfall, diesem intimen Moment beizuwohnen.

Das nächste Konzert des Internationalen Klaviersommers in Cochem bestreitet am Freitag, 10. August, 19.30 Uhr, Thomas Hell (Deutschland) mit Werken von Beethoven, Wagner-Liszt und Schumann. Weitere Infos zum Fortgang des Klaviersommers im Internet unter www.klaviersommer-cochem.de.

Von unserem Mitarbeiter Holger Crump

Wegen Erkrankung: Dinara Klinton springt am 12. August für Moye Chen ein

Eigentlich sollte der chinesische Pianist Moye Chen am Sonntag, 12. August, 19.30 Uhr, zum ersten Mal beim Klaviersommer in Cochem spielen. Doch weil Chen erkrankt ist, wird Dinara Klinton (Foto) für Chen einspringen. Die 29-Jährige, in der Stadt Charkow (Ukraine) geboren, interpretiert Werke von Chopin und Liszt. Sie lebt in London, gewann bei etlichen internationalen Klavierwettbewerben Preise. Auf der Bühne des Klaviersommers war sie schon im vergangenen Jahr zu hören. Mehr:

dinaraklinton.com. dad

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