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Der Spaß gibt den Ton an: Interview mit Martin Neukirch

Petra Mix

Martin Neukirch ist der neue Vorsitzende des Sängerkreises Cochem. Der 59-Jährige aus Bruch bei Wittlich war bis zur Frührente als Kirchenmusiker in Trier tätig. Derzeit leitet er fünf Chöre, darunter den gemischten Chor in Mesenich und vier weitere Chöre in Eifel und Hunsrück. Im Gespräch mit der RZ verrät er nicht nur, was er als Sängerkreisvorsitzender vorhat, sondern auch, wie er seine persönliche Begeisterung für Musik und Gesang an die 27 Chöre im Sängerkreis weitergeben möchte.

Sieht seine neue Aufgabe als Sängerkreisvorsitzender mit großer Begeisterung und Freude: Martin Neukirch.
Sieht seine neue Aufgabe als Sängerkreisvorsitzender mit großer Begeisterung und Freude: Martin Neukirch.
Foto: Christoph Bröder

Herr Neukirch, seit Kurzem sind Sie Vorsitzender des Sängerkreises Cochem. Was hat Sie dazu bewogen, für dieses Amt zu kandidieren?

Das war mehr oder weniger Zufall. Eigentlich wollte ich mich als Kreischorleiter bewerben und vorstellen, habe aber, als ich erfuhr, dass der Sängerkreis händeringend einen Vorsitzenden sucht, entschieden, mich für beide Ämter zur Verfügung zu stellen.

Welche Aufgaben kommen mit dem Amt auf Sie zu?

Als Musiker möchte ich die Menschen für Musik und Gesang begeistern. Spaß am Singen zu haben, und eine gute Stimmung im Verein sind die Voraussetzung dafür. Eine weitere Aufgabe wird darin bestehen, Konzerte und Chorevents vorzuschlagen, die dann gemeinsam mit den Chören durchgeführt werden.

Ist schon etwas geplant?

Als Nächstes plane ich ein Frühlingskonzert in Dreis, bei dem meine fünf Chöre, unter anderem auch der Mesenicher Chor, auftreten. Dort sollen auch eigene Stücke von mir gesungen werden.

Sie sind nicht nur Chorleiter, sie komponieren und texten auch selbst?

Ja, ich habe Dutzende von Liedern auf Halde produziert, die ich jetzt nach und nach zum Vorschein hole. Darunter einige Namenslieder in akrostischer Form, die bei dem Konzert zum Vortrag kommen werden.

Wie wurden Sie als Kind geprägt, welche Rolle hat die Musik in Ihrer Familie gehabt?

Mit acht, neun Jahren hat mich Kirchenmusiker Heinz Thieltges, ein ehemaliger Tanzmusik-Kollege meines Vaters, im Klavierspiel unterrichtet. Ab meinem 14. Lebensjahr hat mein Vater versucht, mich für Tanzmusik zu begeistern. Ich habe Orgel, Posaune und Schlagzeug gespielt. Mit meinem Bruder und meinen Vater habe sich sechs Jahre lang Tanzmusik gemacht. Wir waren fast jedes Wochenende unterwegs. Wir konnten damals acht Stunden lang Tanzmusik machen, ohne uns zu wiederholen.

Also war die Musik sehr prägend. Wie ist dann ihre berufliche Laufbahn verlaufen?

Bei meinem Vater habe ich meine Lehre als Steinmetz gemacht. Nebenbei habe ich das C-Examen in Trier für nebenberufliche Kirchenmusiker abgelegt. Das hat auch sehr gut funktioniert. Über den zweiten Bildungsweg gelangte ich schließlich zur Folkwang-Musikhochschule in Essen, habe Klavier, Orgel, Cembalo und natürlich Gesang studiert. Denn der Begriff „Kantor“ kommt nicht vom Orgelspielen.

Sie sind jetzt mit dem Auto hierhergefahren. Welche Musik haben Sie gehört?

Keine. Aber früher des Öfteren schon einmal Bruckner. Aber das irritierte doch einige sehr, ist nicht gerade einfach. Mozart mag ich auch sehr gern.

Wie sieht es Ihrer Meinung nach aus mit dem Niveau in den Chören?

Nun, da kann ich einiges dazu sagen. Ich habe mal einen Chor übernommen, der klang so schlimm, dass ich es kaum ertragen konnte. Der alte Dirigent hatte gekündigt, ich habe übernommen. Dann habe ich mit dem Chor gearbeitet, und es wurde besser. Ich will damit sagen, dass die Sänger auch motiviert und gefördert werden sollten. Und Spaß sollte es auch machen.

Wie wollen Sie es schaffen, Nachwuchs für die teils überalterten Chöre zu gewinnen?

Ich habe einen Ansatz, der nicht neu ist: Projektchor. Das habe ich schon öfter versucht. Und Erfolg gehabt. Einmal sind fünf, ein anderes Mal sogar elf Sänger dabei geblieben. Die Motivation ist wichtig, die der Sänger, aber auch die des Chorleiters. Das Gute an einem Projektchor ist, dass sich die Sänger nur für einen gewissen Zeitraum darauf einlassen müssen. Es nutzt nichts, zu sagen: Kommt in den Chor, am besten lebenslänglich. Besser ist: Komm doch mal gucken, ob dir das gefallen könnte.

Haben die Castingshows im Fernsehen denn Einfluss auf die Sangesfreude junger Leute?

Das weiß ich nicht. Ich schaue mir so etwas nicht an. Und ich weiß auch nicht, wie die jungen Leute ticken.

Wie viel moderne Chorliteratur verträgt denn ein Chor?

Ich suche immer das Schönste aus. Lieder wie „Time To Say Goodbye“, das ist eingängig, eines der schönsten Lieder, die es gibt. Es muss gut klingen. Wie „(Is This the Way to) Amarillo“. Das singe ich mit meinem MGV Liederkranz Dreis oft zum Schluss. Das kommt immer super an.

Haben Chöre eine Zukunft?

Es gibt eine Chance, aber da muss vieles passen. Die Stimmung muss vor allem stimmen. Man muss einfach offen sein.

Haben Sie Pläne, was Sie in nächster Zeit im Kreis Cochem-Zell umsetzen wollen?

Konzerte, Konzerte. Man kann es jahreszeitlich gestalten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und wenn dann noch die Liebe dazukommt. Dazu hat jeder Chor etwas Schönes beizusteuern.

Die Fragen stellten Petra Mix und Ulrike Platten-Wirtz

Peter Esch lag die Nachwuchsförderung sehr am Herzen

Der Spaß am Singen stand auch für Martin Neukirchs Vorgänger, Peter Esch, im Vordergrund. 15 Jahre lang stand Esch dem Sängerkreis Cochem vor. Im April 2017 verstarb der langjährige Vorsitzende.

Neben Überzeugungsarbeit und Nachwuchsförderung galt Eschs Augenmerk immer auch jungen Sängern. In seiner Amtszeit stieg die Zahl der Kinder- und Jugendchöre von zwei auf zwölf an. Um traditionelle Männerchöre, denen Esch wegen des demografischen Wandels auf lange Sicht keine Chance gab, nicht aussterben zu lassen, setzte er sich mit Herzblut für Nachwuchsförderung ein. Sein Motto war, traditionelle Chöre mit junger Literatur aus der Reserve zu locken. Auch Projektchören zur Akquise neuer Sänger stand Esch positiv gegenüber.

Cochem Zell
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