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Landkern

Aufreger-Hof: Ärger und kein Ende in Sicht

Es ist eine schier unendliche Geschichte mit skurrilen Ereignissen, die zwei Männer (und ein ganzes Dorf) bewegt: Exakt vor einem Jahr sahen sich beide vor Gericht, mehrmals. Es ging darum, dass der eine an seinem baufälligen, ortsbildprägenden Gebäude in Landkern einen Steinhaufen entfernen lassen sollte, damit der andere, der Nachbar, ein Gerüst aufstellen lassen konnte, um seinen Giebel von dort zu verputzen. Das Amtsgericht Cochem sah Mängel bezüglich der Anzeigepflicht der Beteiligten. Jetzt, ein Jahr später, wird man sich wohl vor dem Landgericht Koblenz erneut sehen, in der Berufung.

Der Giebel ist immer noch nicht verputzt, der Nachbar beklagt, „dass die Feuchtigkeit durch diesen Bereich in mein Haus eindringt“. Die Gegenseite sagt: „Die Bimssteine sind weggeräumt“, wie Rechtsanwalt Hans Bleck für seinen Mandanten erläutert. Das sei jedoch dem Nachbarn zu wenig gewesen, dabei habe man statt der vereinbarten zwei Meter sogar 2,20 Meter aus dem Weg geräumt. Dem Aufbau eines Gerüstes dürfte nun nichts im Wege stehen. Tut es doch, sagt der Nachbar empört. „Ich darf nicht auf das Grundstück, ebenso wenig ein Handwerker.“ Er habe eine Frist gesetzt, doch seit Wochen keine Antwort mehr erhalten. „Dieser Mensch wird das wieder aussitzen.“

Von dieser Hinhaltetaktik hat eigentlich auch die Gemeinde Landkern die Nase voll – sie hat aber keine Handhabe, gegen den Grundstückseigentümer, der das unter Denkmalschutz stehende Gebäude Anfang der 80er-Jahre gekauft hat, vorzugehen. Vieles hat die Gemeinde in der Vergangenheit probiert, von Ortsterminen über Druck via Kreisverwaltung bis hin zum Plan, das Gelände zu überplanen, um sich ein Vorkaufsrecht zu sichern – alles vergebene Müh‘. Der Kreis weist in regelmäßigen Abständen den Eigentümer des maroden Anwesens darauf hin, darauf zu achten, dass keine Gefahr durch herabfallende Steine von dem Haus ausgehen darf, durch das Wind pfeift. Auch die Korrespondenz des Nachbarn mit der Kreisverwaltung ist ansehnlich. Der fühlt sich vom Kreis nicht ausreichend unterstützt, denn bewegt habe sich jahrzehntelang nichts. Er wirft dem Kreis vor, „nichts gegen diese Gebäudeschändung“ zu unternehmen.

Auch emotional hängt der Nachbar an dem alten Pfarrhof – er gehörte ehemals seiner Familie, er ist darin nach dem Krieg aufgewachsen. „Mir blutet das Herz – und nicht nur mir –, wenn ich daran denke, dass Generationen meiner Vorfahren in diesem Haus geboren wurden“, schreibt der Nachbar an Landrat Manfred Schnur. Jetzt geht es also in die nächste Runde des Streites. Ende offen – wie auch die Zukunft der schwärenden Wunde inmitten von Landkern.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Das ist in den vergangenen Jahren zum Thema gesagt worden

Mehrfach hat die RZ über den alten Pfarrhof geschrieben, der zur Problemzone Landkerns verkommen ist.

  • Im Artikel vom 4. November 2003 sagte der Nachbar: „Es geht doch nicht, dass mein Besitz an Wert verliert, nur weil mein Nachbar sich nicht an die Vorschriften hält.“
  • Im Artikel vom 15. August 2006 über „den Aufreger-Hof von Landkern“ betont der Eigentümer: „Ich habe das Anwesen in der Absicht erworben, es zu sanieren und zu erhalten. Es geht halt langsam, Schritt für Schritt.“
  • Im Artikel vom 1. April 2010 sagt der Eigentümer zur Intention des Kaufes in den 80er-Jahren: „Dieses Geld habe ich vor 30 Jahren investiert, um das Haus vor dem Abriss zu bewahren.“ red
Cochem Zell
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