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    Andernach

    "Wiege der Bundeswehr": Militärhistorische Sammlung öffnet im Januar in Andernach

    Am 20. Januar soll die militärhistorische Sammlung in der "Wiege der Bundeswehr" im Zuge der Feierlichkeiten zu 60 Jahren Bundeswehr eröffnet werden.

    Auf Interviews mit Zeitzeugen, die Dieter Ulrich Schmidt geführt hat, ist die Sammlung in der Wiege der Bundeswehr aufgebaut.
    Auf Interviews mit Zeitzeugen, die Dieter Ulrich Schmidt geführt hat, ist die Sammlung in der Wiege der Bundeswehr aufgebaut.
    Foto: Yvonne Stock

    Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

    Vor knapp 60 Jahren wurden in Andernach die ersten Soldaten der deutschen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg in den Dienst gestellt. Fast wäre nicht mehr viel übrig gewesen, was an diese Zeit erinnern könnte. Aus dem, was noch da ist, einen Ort zu machen, wo der Besucher den Wurzeln der heutigen Bundeswehr nachspüren kann, dafür kämpft seit mehr als fünf Jahren Dieter Ulrich Schmidt, ehemaliger Oberstleutnant bei der Bundeswehr, mit einem Förderverein. Jetzt sind sie am Ziel: Am 20. Januar soll die militärhistorische Sammlung in der "Wiege der Bundeswehr" im Zuge der Feierlichkeiten zu 60 Jahren Bundeswehr eröffnet werden. Im Anschluss ist laut Schmidt ein Gelöbnis auf dem Marktplatz geplant.

    Dabei sollte die Baracke, in der die Ausstellung entstanden ist, eigentlich abgerissen werden. Als das der Pensionär Schmidt erfuhr, hatte er eine Aufgabe: ihren Erhalt. 2010 wurde die 1937 gebaute Baracke des ehemaligen Luftwaffenlazaretts für laut Schmidt rund 180 000 Euro saniert. 2011 wurde sie als denkmalgeschützte Wiege der Bundeswehr eingeweiht.

    Für das geplante Museum musste auch innen einiges getan werden. 350 000 Euro lautete der Kostenvoranschlag. "Da war klar, das Projekt stirbt", erinnert sich Schmidt. Aber der pensionierte Oberstleutnant ist keiner, der schnell aufgibt. Klinkenputzen war angesagt. 2013 kam dann doch das OK vom Bundesverteidigungsministerium für eine geschichtliche Sammlung. "Zwei Jahre gingen ins Land mit Untersuchungen der Blei-, Asbest- und Schimmelbelastung", erzählt er. Im September war nach neun Monaten Sanierung der lange Flur mit den vielen kleinen, davon abgehenden Räumen fertig.

    Dann konnten Schmidt und Wolfgang Fröhlich, pensionierter Oberstabsfeldwebel, mit dem Aufbau beginnen. Die eigentliche Arbeit war da bereits erledigt: Schmidt und seine Frau haben 37 Zeitzeugen, die von Hannover bis München verstreut leben, jeweils dreimal besucht und Interviews über den Anfang der Streitkräfte gedreht. Dieses Material bildet die Grundlage und kann - gekürzt - auf Monitoren angeschaut werden. Plakate ergänzen die Informationen. "Ich habe herrliche Menschen gefunden", sagt Schmidt.

    Rund 1200 Mann waren von Januar bis Mai 1956 in den 37 Baracken in Andernach stationiert, von denen heute nur noch die eine - neben dem damaligen Eingangstor der Kaserne - steht. "Die Masse war freiwillig da und nicht kriegsgedient", erzählt Schmidt. Ein Raum ist ihren Beweggründen gewidmet, Teil der jungen Streitkräfte zu werden - etwa der Angst vor dem Kommunismus oder Karriereambitionen. Viele bekamen angesichts der schlechten Ausrüstung wohl einen Realitätsschock, im minus 17 Grad kalten Winter hatten sie nicht einmal Stiefel.

    Die Gefühle der Andernacher gegenüber den neuen Soldaten waren ambivalent: "Da flogen auch Steine", so Schmidt. Zu einer ersten Annäherung führt der Besuch des Andernacher Prinzenpaars bei den Soldaten. Als 90 Mann beim Februarhochwasser mit anpackten, besserte sich die Stimmung. Und im Central-Club in der Villa Michels soll die ein oder andere noch heute haltende Beziehung zwischen einem Soldaten und einem Andernacher Mädchen angebahnt worden sein. Jeden Raum in der Baracke hat Schmidt einem anderen Thema gewidmet. Wie lief die Ausbildung ab, wie war die Verwaltung organisiert, wie erlebten die jungen Soldaten den Besuch des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer am 20. Januar 1956? Eine eingerichtete Stube vermittelt einen Eindruck von der Enge der Unterbringung, ein Raum bietet Platz für Sonderausstellungen. Schmidt spannt den Bogen bis heute, eine Karte zeigt die Auslandseinsätze der Bundeswehr, ein Zimmer ist dem Gedenken an die im Einsatz Verstorbenen gewidmet. Zwischen 25 000 und 30 000 Euro hat die Sammlung laut Schmidt gekostet, 5000 Euro kamen vom Ministerium, den Rest hat der 62 Mitglieder starke Förderverein gestemmt, der noch Unterstützer sucht - auch für die Besucherbetreuung. Für Schmidt liegen in Andernach die Wurzeln der Armee. "Wer keine Wurzeln hat, hat auch keine Stabilität." Für die Suche nach den Wurzeln war es höchste Zeit, fünf seiner Interviewpartner seien inzwischen bereits verstorben.

    Wiege der Bundeswehr

    Die militärgeschichtliche Sammlung in der „Wiege der Bundeswehr“ auf dem Gelände der Krahnenberg-Kaserne in Andernach ist nach ihrer offiziellen Eröffnung am 20. Januar nur nach Anmeldung geöffnet. Kontakt: E-Mail: wiegederbundes wehr@aol.com, oder über die Internetseite www.wiege-der-bundeswehr.org

    Mayen-Andernach
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