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Mayen

Die Trauer um Oberbürgermeisterin Veronika Fischer hat die Eifelstadt im Griff

Die Fahne mit den Farben der Stadt Mayen, die ansonsten stolz über der Genovevaburg im Wind weht, hängt auf Halbmast und ruht – sinnbildlich für den Gemütszustand der Menschen in der Eifelstadt am Montag. Sowohl an der Mauer des Alten Rathauses auf dem Marktplatz als auch bei der Stadtverwaltung legen die Bürger weiße Rosen ab, zünden Kerzen an und tragen sich in ein Kondolenzbuch ein. Die Trauer um Mayens Oberbürgermeisterin vermögen nur wenige in Worte fassen.

„Eine bessere Oberbürgermeisterin wird Mayen nie wieder bekommen“, sagt eine Familie aus Mayen, deren Sohn eine Kerze anzündet und später betet. „Mayen hat eine herzensgute Seele verloren, eine Freundin, die Verständnis für Jung und Alt hatte. Wir befinden uns alle in einer Art Schockzustand. Über die Zukunft macht sich doch niemand Gedanken, unsere Gedanken sind bei der Oberbürgermeisterin und ihren beiden Kindern.“

Aus der Nachbarschaft der Verstorbenen gibt es auch kritische Töne: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Öffentlichkeit an der Suche beteiligt worden wäre. Vielleicht hätten wir dann noch etwas verhindern können. Wir fragen uns alle, ob wir etwas hätten machen können. Eine solche Handlung kommt doch nie ohne eine Art von Vorankündigung.“

Bei der Mehrheit derer, die sich in das Kondolenzbuch eintragen, überwiegt die Trauer. Aber auch das Miteinander in der Mayener Stadtpolitik wird kritisiert: „Ich bin wie aus dem Alltag gerissen, ganz Mayen denkt wohl so. Ich hoffe, dass einige nun auch mal in sich gehen und sich selbst hinterfragen.“ Ein weiterer Passant bleibt stehen und meint: „Nach außen hin war sie die Maggie Thatcher von Mayen, knallhart in ihren Entscheidungen und stark. Innen drin aber war wohl eher eine Prinzessin Diana.“ Und so wird das Blumenmeer am Alten Rathaus in den kommenden Tagen wohl noch anwachsen – aus Respekt und Anerkennung vor der Persönlichkeit Veronika Fischers. dag


Reaktionen aus der Region:

„Absoluter Ausnahmezustand“ herrschte laut Mayens Pressesprecherin Jasmin Franz gestern im Rathaus. Die Nachricht vom Freitod ihrer Chefin hatte sich unter den Mitarbeitern der Verwaltung bereits verbreitet. „Wir sind alle von Trauer erfasst. Man findet keine Worte für die Stimmung, die hier herrscht.“ Die Amtsgeschäfte führt nun der ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt, Rolf Schumacher. „Wir haben ihm ein Interims-Büro im Rathaus eingerichtet“, sagt Franz. Schumacher stehen die Fachbereichsleiter zur Seite. Derzeit überlegt die Verwaltung, ob Veranstaltungen, die für die kommenden Tage geplant waren, gegebenenfalls abgesagt werden.

Kaum einer im Landkreis hat die Politikerin Veronika Fischer so lange gekannt wie Landrat Alexander Saftig. Als dieser noch bei der Kreisverwaltung Ahrweiler tätig war, war Fischer seine Mitarbeiterin, später, als er zum Vordereifel-Bürgermeister gewählt worden war, nahm sie in Ahrweiler seinen Platz als Leitende Staatliche Beamtin ein. Am selben Tag, dem 1. Juni 2008, wurden beide in neue Ämter gewählt: Fischer zur Oberbürgermeisterin, Saftig zum Landrat. „Wir haben eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet und konnten so viel für Mayen und den Kreis auf den Weg bringen“, blickt Saftig zurück. Er wusste: „Es ging ihr nicht gut. Wir haben mit ihr darüber geredet und versucht, ihr zu helfen.“ Fischer habe auf ihn aber den Eindruck gemacht, dass sie die Krise durchstehen könne.

Von „unendlich großer Trauer“ spricht Hans Molitor, Zweiter Geschäftsführer des TuS Mayen und Karnevalsprinz der abgelaufenen Session. „Ich hatte in der Karnevalssession einen sehr guten Draht zu ihr“, schilderte Molitor. „Da war sie eine lustige und fröhliche Persönlichkeit, und so werde ich sie in Erinnerung behalten. Sie hat der Stadt Mayen sehr gut getan.“ „Wir sind dermaßen erschüttert“, meint Peter Nüesch, Intendant der Burgfestspiele. Er habe ein sehr enges Verhältnis zu Fischer gehabt. „Wir haben uns gegenseitig ins Herz geschlossen.“ Dass sie die letzten Wochen „sehr einsam und sehr unglücklich“ gewesen sei, habe er bemerkt. „Wir Schauspieler schauen da etwas genauer hin“, bemerkt Nüesch. Er habe deshalb auch etwas Sorge um sie gehabt. Das Mitgefühl des Ensembles gelte jetzt vor allem ihren Kindern.

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