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Mittelrhein

Bahnlärm: Am Mittelrhein ändert sich erst mal nichts

Volker Boch

Für Menschen am Mittelrhein, die unter dem Lärm der Güterzüge leiden, die die viel befahrene Trasse nutzen, gibt es niederschmetternde Nachrichten aus Berlin: Für das Bundesverkehrsministerium hat eine Entlastung der Bürger in der Region keinen Vorrang. Statt einer Alternativtrasse, die die Anwohner im Rheintal vor den Lärm und den Erschütterungen durch vorbeifahrende Güterzüge schützen könnte, plant der Bund Gelder für ein milliardenschweres Projekt in Sachsen zur Verfügung zu stellen.

Auch in Andernach sind Bürger vom durch durchfahrende Güterzüge verursachten Lärm betroffen. Eine Alternativtrasse für den Güterverkehr könnte für Entlastung sorgen, doch für das Bundesverkehrsministerium hat ein solches Vorhaben keinen Vorrrang.
Auch in Andernach sind Bürger vom durch durchfahrende Güterzüge verursachten Lärm betroffen. Eine Alternativtrasse für den Güterverkehr könnte für Entlastung sorgen, doch für das Bundesverkehrsministerium hat ein solches Vorhaben keinen Vorrrang.
Foto: Sascha Ditscher (Archiv)

Mit heftigem Protest reagiert denn auch der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal, zu dem sich die Kommunen in dem Gebiet zusammengeschlossen haben, auf Berichte, dass das Bundesverkehrsministerium den Neubau einer Bahnstrecke im Elbtal forciert, während die extrem belastete Situation am Mittelrhein in Berlin weiterhin nur wenig Beachtung findet. In Sachsen soll ein auf 2,3 Milliarden Euro Kosten geschätztes Projekt anlaufen. Geplant ist auf der Strecke zwischen Dresden und Prag der Bau von „Deutschlands längstem Bahntunnel“, wie die „Sächsische Zeitung“ zuletzt berichtete.

Bereits im vergangenen Jahr war die Gemütslage am Mittelrhein angespannt, als der Bundesverkehrswegeplan vorgestellt wurde. Denn das Großprojekt einer Alternativtrasse wurde nicht als vordringliches Projekt eingestuft. Nun schlägt der Zweckverband Alarm, denn das Projekt im Elbtal ist dem Vernehmen nach aufgewertet worden – Gelder für die Planung sollen sofort für die Deutsche Bahn bereitgestellt werden. Am Mittelrhein ist unterdessen nichts passiert.

Bereits im vergangenen Jahr kam die Sorge auf, dass der Bund den Bahnlärm am Mittelrhein zu wenig ernst nehmen würde. „Die große Hoffnung, dass eine dringend benötigte lärmentlastende Alternativtrasse in den vordringlichen Bedarf des Bundes aufgenommen würde, wurde enttäuscht“, teilt der Zweckverband mit. Politisch und seitens der Bürger, die am Oberen und Unteren Mittelrhein unter den Belastungen leiden, wurde dringend dafür geworben, das Projekt einer Alternativtrasse in den „vordringlichen Bedarf“ aufzustufen. „Doch bis heute wird die Alternativtrasse für den Schienengüterverkehr im Mittelrheintal nicht als vordringlicher Bedarf anerkannt“, moniert der Zweckverband.

Bereits im August hatte der MDR berichtet, dass der Bund in Sachsen bereit sei, im Elbtal eine Priorität zu setzen, die er am Mittelrhein trotz höherer Zugfrequenz und massiver Güterzugbelastung sowie der Öffnung des neuen Gotthard-Basistunnels nicht vornahm. Konkret geht es um ein 123 Schienenkilometer langes Neubauprojekt auf der prestigeträchtigen Strecke Dresden–Prag. Mit 26 Kilometern Länge ist hier auch ein Tunnel durch das Erzgebirge geplant, der zum längsten Eisenbahntunnel der Republik werden soll.

Der Zweckverband reagiert entrüstet. „Das Projekt ähnelt in vielen Aspekten der angestrebten Alternativtrasse für das Mittelrheintal.“ Für Frank Puchtler, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises und Vorsteher des Verbands, ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht, auch wenn er diplomatisch von einem „Weckruf für die Region“ spricht. „Wir freuen uns, dass im Elbtal viele Menschen entlastet werden“, erklärt Puchtler. „Gleichzeitig fordern wir nun das gleiche Recht für die Menschen in unserem Mittelrheintal!“ Dringend fordert Puchtler den neuen Bundesverkehrsminister Christian Schmidt zum Handeln auf.

Der Zweckverband beruft sich auf einen Vergleich der beiden Projekte. Dieser zeige, „dass diese Forderung mehr als berechtigt ist: Auf der Strecke durch das Elbtal fahren 140 Güterzüge pro Tag – im Mittelrheintal sind es über 400“. Dass beide Strecken im europäischen Schienennetz als Nadelöhre gelten, lässt Puchtler dabei durchaus gelten. „Allerdings kann das Mittelrheintal keinen zusätzlichen Verkehr mehr aufnehmen“, erklärt der Verband. „Die Kapazitäten der Strecke sind nahezu erschöpft. Dies sorgt für die bekannte Bahnlärmproblematik.“

Puchtler fordert das zuständige Bundesministerium wie bereits im Vorjahr dazu auf, die Situation am Rhein ernst zu nehmen. „Im letzten Jahr wurde in der Schweiz der Gotthard-Basistunnel eröffnet. Der Schienengüterverkehr könnte nun schneller und in größerem Umfang auf einer der europäischen Hauptachsen zwischen den Häfen Rotterdam und Genua fließen – wäre da nicht das Nadelöhr Mittelrheintal, in dem sich alles staut und zugleich die Menschen unter dem Bahnlärm leiden.“ Volker Boch

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