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Dieblich/Winningen

Was pfeift denn da im Uhlen? Vogelstimmenimitator raubt Dieblichern die Nachtruhe

Pfeifgeräusche aus dem Winninger Uhlen haben Anwohner in Dieblich genervt. Doch was steckt dahinter? Die Erklärung hat mit Weintrauben zu tun – und mit Vögeln.

Aus dem Winninger Uhlen kamen komische Geräusche.
Aus dem Winninger Uhlen kamen komische Geräusche.
Foto: Tim Kosmetschke

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

Ungewöhnliche Geräusche aus dem Winninger Uhlen beschäftigten in der vergangenen Woche das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel. Dieblicher hatten sich mehrfach darüber beschwert. Wegen der hochfrequenten Töne hatten sich vor allem die Bewohner des Neubaugebiets Dieblich-Ost in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt. Von einem „komischen Pfeifgeräusch“ war die Rede, erinnert sich Frido Spitzley, der Leiter des Ordnungsamts, der eine Überprüfung anordnete. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Speziallautsprecher, der hörbare Schallwellen zur Abwehr von Vögeln absendet. Ein Winzer hatte das Gerät aufgestellt, um Vögel davon abzuhalten, an die Trauben zu gehen.

„So einen Fall hatte ich noch nicht“, sagt Spitzley, „da mussten wir zuerst rechtliche Fragen klären.“ Letztlich kam man zu dem Ergebnis, „dass der Betrieb einer Genehmigung nach Landesemissionsschutzgesetz bedarf“, sagt Spitzley, der den Namen des Winzers nicht preisgeben durfte. Wie RZ-Recherchen ergaben, handelt es sich um Reinhard Löwenstein vom Weingut Heymann-Löwenstein. Und der gab auf Anfrage auch bereitwillig Auskunft. Wie er sagt, hat er die Geräte bereits im vergangenen Jahr eingesetzt, weil Vögel vor allem in den am Waldrand gelegenen Reihen Trauben gefressen hätten. Durch die vom Gerät erzeugten Raubvogelstimmen konnte man das eindämmen, weshalb das Weingut weitere Geräte anschaffte. „Leider hat ein Mitarbeiter von mir ein neues Gerät dann so eingestellt, dass es die ganze Nacht durchgemacht hat. Und da haben sich die Dieblicher zu Recht beschwert“, so Löwenstein.

Inzwischen hat er das Gerät anders eingestellt. „Mein Interesse ist, dass ich mit der Bevölkerung von Dieblich im Guten auskomme“, sagt er. Geräusche, wenn auch leisere, macht das Gerät allerdings tagsüber immer noch. „Bei der Geräuschkulisse, die tagsüber im Moseltal herrscht, hört man das nicht“, glaubt Löwenstein, will aber einer erneuten Beschwerde eines Dieblichers nachgehen und im Bedarfsfall „nachjustieren“. Dass er eine Genehmigung für das Gerät benötigt, glaubt er nicht. „Der Hersteller sagt, man braucht keine.“ Seiner Meinung nach ist diese nur nötig, wenn eine „erhebliche Belästigung“ vorliegt. Und die kann er nicht erkennen.

Das Ordnungsamt will die Sache allerdings weiter prüfen lassen – auch im Hinblick aufs kommende Jahr –, ist aber durch die Umstellung der Anlage erst mal zufrieden. „Das Wichtigste ist, dass die Nachtruhe wieder hergestellt ist“, sagt Frido Spitzley. Auch der Erste Beigeordnete von Dieblich, Raimund Röser, bei dem ebenfalls Beschwerden eingingen, kann mit der aktuellen Situation leben. „Es wäre aber schön gewesen, wenn man sich zuerst beim Ordnungsamt informiert hätte, was man darf und was man nicht darf.“

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