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Koblenz

Umweltbundesamt warnt vor Feinstaubbelastung: Künftig kein Feuerwerk mehr am Eck?

Katharina Demleitner

Dicke Luft zum Jahreswechsel: Das Umweltbundesamt hatte zuletzt vor extrem hoher, gesundheitsschädlicher Feinstaubbelastung an Silvester gewarnt und damit eine Diskussion losgetreten: Sollte man angesichts der ohnehin hohen Belastungen in vielen deutschen Innenstädten nicht besser auf das bunte Spektakel an Neujahr verzichten? Denn: Vielerorts ist die Konzentration so hoch wie das ganze Jahr über nicht. Auch in Koblenz steigen zum Jahreswechsel zahlreiche Raketen in den Nachthimmel. Und hier geht der Blick natürlich gleich noch auf ein zweites pyrotechnisches Erlebnis am Eck, das schon bald wieder Zehntausende Besucher anlocken soll: das alljährliche Feuerwerk-Spektakel zu Rhein in Flammen. Also: Sollten die Pyrotechniker künftig bei dem Großereignis ihr Können nicht mehr unter Beweis stellen dürfen? Im Rathaus wehrt man sich dagegen.

Gibt es bald kein Feuerwerk mehr über Koblenz?
Gibt es bald kein Feuerwerk mehr über Koblenz?
Foto: Archiv Tom Frey

Immerhin: Mit belasteter Luft haben die Koblenzer einige Erfahrungen. Bei Stickstoffdioxid lag die Werte viele Jahre lang über dem erlaubten Grenzwert. Erst für 2017 hat das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium einen Rückgang festgestellt. Beim Feinstaub sieht es dagegen besser aus: Eine Überschreitung der Grenzwerte habe es nicht gegeben, wie Stadtsprecher Thomas Knaak auf Anfrage erklärt. Daher will man von einem Feuerwerksverbot im Rathaus nichts wissen. Wobei es schon als Thema aufkam: „In der Weihnachtszeit hat es eine Petition an den Oberbürgermeister gegeben, die Silvesterraketen zum Thema hatte“, berichtet Knaak. Aber: Gesetzliche Regelungen, die einer Kommune ermöglichen, das Feuerwerk an Silvester wegen der Luftbelastung zu untersagen, gebe es nicht. Verbote sind daher nach der Sprengstoffverordnung nur aus Gründen der Gefahrenabwehr möglich, etwa zum Schutz besonders brandempfindlicher Gebäude oder wenn es sich um pyrotechnische Gegenstände mit ausschließlicher Knallwirkung in bestimmten, dicht besiedelten Bereichen handelt.

Letztlich aber kommt man an Rhein in Flammen dem Grenzwert für Feinstaub (Tagesmittel: 50 Mikrogramm) durchaus nahe, lag aber bislang nicht darüber. Am 11. August 2017 etwa wurden 42 Mikrogramm erreicht. Und: An Neujahr 2018 lag die Konzentration bei 13 Mikrogramm.

Und doch ist es dem Umweltbundesamt mit seiner Warnung durchaus ernst. Bundesweit, so die Behörde, jagen die Deutschen zwischen 100 und 200 Millionen Euro zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. „Diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge“, betont das Umweltbundesamt. Und das Amt geht davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen eher höher liegen dürften. Die ermittelten Emissionen beruhten auf den statistisch gemeldeten Absatzmengen der in Deutschland zugelassenen Feuerwerkskörper. Die Entwicklung der Verkaufszahlen lege aber nahe, dass Feuerwerkskörper in größerem Umfang auch auf anderen Wegen ins Land gelangen. Wegen dieser Dunkelziffer seien „deutlich höhere Emissionen wahrscheinlicher“.

Keine Grenzwertüberschreitung also beim großen Feuerwerksfinale zu Rhein in Flammen in Koblenz – und doch liegt natürlich nach dem Spektakel in Koblenz viel Feinstaub in der Luft. Bis wann normalisiert sich das denn wieder? Das hängt nach Auskunft des Umweltbundesamts vor allem von den Wetterverhältnissen ab. Kräftiger Wind hilft, die Schadstoffe rasch zu verteilen. Bei windschwachen Wettersituationen mit eingeschränktem vertikalen Luftaustausch verbleiben die Schadstoffe jedoch über viele Stunden in der Luft und reichern sich in den unteren Atmosphärenschichten an.

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

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