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    Koblenz/Kreis MYK: Wahldesaster ist eine Chance für die FDP

    Geschockt waren die Koblenzer Liberalen nicht gerade, als am Abend der Bundestagswahl die ersten Hochrechnungen kamen.

    Birgit Hoernchen, FDP-Fraktionsvorsitzende im Koblenzer Stadtrat.
    Birgit Hoernchen, FDP-Fraktionsvorsitzende im Koblenzer Stadtrat.

     Für sie war es nur der Gipfel des wachsenden Ärgers über die eigene Partei beziehungsweise deren Vertreter in Berlin. "Lange habe ich jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich gefragt: Trittst du heute aus?", sagt Birgit Hoernchen, Fraktionsvorsitzende der FDP im Stadtrat, heute. Tatsächlich ausgetreten ist sie nicht: "Ich bin Liberale, und das ist man immer." Auch wenn das manchmal nicht ganz einfach ist.

    Auch Peter Kaiser, Kreisvorsitzender der FDP Koblenz, ist seit mindestens zwei Jahren unzufrieden mit seiner Partei und mit dem, was in der Bundesregierung umgesetzt beziehungsweise nicht ungesetzt wurde: "Man kann nicht den ganzen Wahlkampf auf eine Steuerreform ausrichten, und dann kommt nichts", ärgert sich Kaiser. "Die FDP hat ihre Versprechen hier nicht gehalten", ergänzt Birgit Hoernchen.

    "Es wurden massive Fehler gemacht - deshalb bin ich jetzt bei der Wahl auch nicht aus allen Wolken gefallen", blickt Kaiser heute zurück. Zu lange hatte er schon beobachtet, wie die FDP kritisiert, verspottet und verhöhnt wurde, um noch überrascht zu sein. Oliver Engels, Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Mayen-Koblenz, hingegen hatte doch erwartet, dass seine Partei die 5-Prozent-Hürde nimmt, "aber die völlig verunglückte Zweitstimmenkampagne hat uns endgültig unter Wasser gedrückt."

    Die Liberalen sind überzeugt, dass es schlecht für Deutschland ist, wenn die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten ist. Dennoch blickt Peter Kaiser mit gemischten Gefühlen auf das Wahlergebnis: Er ist auch erleichtert, dass der Situation, in der sich die FDP befand, ein Ende gesetzt wurde. Und dass die Partei nun gezwungenermaßen nicht mehr so weitermachen kann wie bisher.

    "Nun stehen wir zwangsläufig vor einem Neuanfang", so Kaiser - und das ist für ihn die Chance der FDP. Die Liberalen müssten ihre Glaubwürdigkeit wiederherstellen, und dafür sei unbedingt auch ein personeller Neuanfang nötig, "das geht nicht mit den gleichen Leuten". Christian Lindner, der als neuer Hoffnungsträger der Partei gehandelt wird, hält er zwar für sympathisch und überzeugend, "aber er ist zu sehr Teil der letzten Garde". Der Koblenzer ist alles andere als glücklich, dass Lindner für viele Liberale als neue Führungsfigur schon gesetzt zu sein scheint.

    Die Frustrationsgrenze ist für Kaiser erreicht, wenn alles bleibt wie gehabt: "Dann weiß ich nicht, ob ich in dieser Partei noch richtig bin." Seit Monaten wird auch den Liberalen in der Region mit Mitleid begegnet, vor allem in der Anonymität von Facebook und Co. hagelt es auch Spott und Gehässigkeit. "Es ist nicht leicht, ein Liberaler zu sein", sagt Oliver Engels. Birgit Hoernchen ergänzt: "Dass ich eine Liberale bin, bekomme ich schmerzhaft zu spüren - obwohl ich mit dem Bockmist nichts zu tun habe, der in Berlin fabriziert wurde."

    Auch die Parteimitglieder sind enttäuscht von der Bundes-FDP, viele sind in den vergangenen Jahren und Monaten ausgetreten. So wenige Wahlkampfhelfer wie vor dieser Bundestagswahl hat es noch nie gegeben, sagt Kaiser. Und die nächste Wahl steht schon wieder vor der Tür. Der Kommunalwahl im nächsten Jahr blicken die Liberalen aus der Region mit gemischten Gefühlen entgegen.

    "Dass wir aus dem Landtag und dem Bundestag geflogen sind, ist sicher kein Rückenwind für uns", befürchtet Engels. Die Koblenzer sind da optimistischer: "Bei der Kommunalwahl ist die Ausgangssituation eine ganz andere", sagt Kaiser. Hoernchen ist überzeugt, dass die Wähler unterscheiden können zwischen dem, wofür Rösler und Co. stehen, und dem, was die FDP-Fraktion in den vergangenen Jahren in der Stadt bewegt haben: "Koblenz ist nicht Berlin, und ich konzentriere mich auf meine Heimatstadt."

    Eine Jetzt-erst-recht-Mentalität beobachtet Oliver Engels bei den Mitgliedern: Er ist überzeugt, dass sich viele wieder für die FDP engagieren. Und ein bisschen Hoffnung gibt es den Liberalen, dass die Mitgliederzahlen nach der verlorenen Wahl leicht gestiegen sind, im Kreisverband waren es zum Beispiel fünf Neueintritte. "Das ist der Moment, um die Partei auf den Kopf zu stellen", wirbt Peter Kaiser. "Die Wege sind jetzt offen."

    Stephanie Mersmann

    Koblenz
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