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    Löf/Koblenz

    Frau "parkt" im Teich: Muss Löfer Hotelchef zahlen?

    Sie hatte einen kuriosen Unfall und lieferte dafür eine ebenso kuriose Erklärung: Eine Frau (42) fuhr an einem Novemberabend zum Hotel Krähenest in Löf, verpasste die eigentliche Zufahrt, suchte einen Parkplatz, landete auf einem Feldweg – und versenkte ihren rund 15 000 Euro teuren VW Golf Variant versehentlich im Hotelteich.

    Ein 15 000-Euro-Auto im Teich des Hotels Krähennest in Löf: An einem Novemberabend 2012 versenkte eine Frau ihren VW Golf in dem Gewässer und konnte sich gerade noch ans Ufer retten. Tags darauf musste ein Kran das Auto bergen. Jetzt läuft zu dem Unfall ein Gerichtsprozess.
    Ein 15 000-Euro-Auto im Teich des Hotels Krähennest in Löf: An einem Novemberabend 2012 versenkte eine Frau ihren VW Golf in dem Gewässer und konnte sich gerade noch ans Ufer retten. Tags darauf musste ein Kran das Auto bergen. Jetzt läuft zu dem Unfall ein Gerichtsprozess.
    Foto: Katja Thönnes

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Später, nachdem sie in letzter Sekunde ins Freie klettern und ihren Koffer retten konnte, erklärte sie der Polizei: Sie hielt den Teich in der Dämmerung für eine Wiese. Ihr Auto sank in wenigen Minuten auf den Grund.

    Zu dem Unfall kam es am Abend des 2. November 2012. Jetzt, zwei Jahre später, läuft dazu am Landgericht Koblenz ein spektakulärer Prozess (Az.: 5 O 10/14): Der Autovermieter Terstappen, bei dem die Frau ihren Wagen gemietet hatte, gibt Hotelchef Helmut Dehren (57) die Schuld am Unfall und fordert gut 11 000 Euro Schadensersatz. Der aber sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wir zahlen nicht. Ich lass mir doch keinen Knopf an die Backe nähen!" Am Freitag will das Gericht wohl bekannt geben, wer für den Schaden haftet.

    Warum die Frau aus Nordrhein-Westfalen an jenem Abend um 18.20 Uhr im Hotelteich landete, ist schwer zu sagen. Unsere Zeitung versuchte, mit ihr zu sprechen, aber sie ist die nächsten Wochen nicht erreichbar. Der Feldweg, den sie nahm, beginnt neben der Hotelzufahrt, führt vorbei an einer Garage und Bäumen, läuft über einen Hügel und biegt auf dessen Kuppe vor dem Teich links ab – die Frau fuhr geradeaus weiter. Sie wurde nass, blieb aber unverletzt. Am nächsten Tag machte ein Taucher das Auto ausfindig, ein Kran zog es heraus.

    Der Anwalt der Autovermietung wirft dem Hotelchef vor, für den wirtschaftlichen Totalschaden des Leihwagens verantwortlich zu sein: "Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten war es am 2. November 2012 insbesondere für einen ortsunkundigen Autofahrer bei Nacht unmöglich, den Teich vor Ihrem Hotel als Gefahrenquelle wahrzunehmen und sich darauf angemessen einzustellen." Der Anwalt betont, wegen des steilen Hügels, der scharfen Linkskurve und dem starken Regen an jenem Abend sei "die Möglichkeit, den Teich wahrzunehmen, nahezu unmöglich" gewesen. Die Frau sei mit den Vorderrädern in den Teich gefahren, das Auto nach vorn gekippt und voll Wasser gelaufen. Sie habe nur rechtzeitig aussteigen können, weil die Hinterreifen an Steinen hängen blieben. Der Teich sei eine "ungesicherte Gefahrenquelle", da es unter anderem kein Warnschild, keine Beleuchtung, keinen Zaun und keine Poller gebe.

    „Wir zahlen nicht. Ich lass mir doch keinen Knopf an die Backe nähen!“: Helmut Dehren (57), Chef des Hotels Krähennest in Löf, will den Schaden des kuriosen Unfalls im Hotelteich nicht bezahlen.
    „Wir zahlen nicht. Ich lass mir doch keinen Knopf an die Backe nähen!“: Helmut Dehren (57), Chef des Hotels Krähennest in Löf, will den Schaden des kuriosen Unfalls im Hotelteich nicht bezahlen.
    Foto: Hartmut Wagner

    Die Anwältin des Hotelchefs hält dagegen: Den Unfall verschuldete ausschließlich die Autofahrerin. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sie "unter Missachtung des Sichtfahrgebots mit wesentlich zu hoher Geschwindigkeit" den Hügel hinauffuhr. Über die Fahrtüchtigkeit der Frau könne nur spekuliert werden. Man müsse sich vor allem fragen, wie sie sich überhaupt auf den Feldweg verirren konnte. Denn vor dem Hotel gebe es eindeutige Schilder, die den Weg zu den Parkplätzen weisen. Zudem sei der Weg sehr wohl beleuchtet, der Teich sehr wohl wahrnehmbar und mit Bordsteinen gesichert. Der Hotelchef habe Teich und Weg entsprechend den Vorgaben der zuständigen Behörde anlegen lassen. Ein Zaun oder eine Absperrung des Weges sei nicht verlangt gewesen. Es habe an dem Teich noch nie Probleme gegeben. Die Klage des Autovermieters sei unbegründet und deshalb abzuweisen.

    Beide Prozessparteien hatten sich bereits im September am Gericht getroffen, um sich gütlich zu einigen. Aber sie konnten dies weder in der Verhandlung noch in den folgenden Wochen. Jetzt muss das Gericht eine Entscheidung fällen.

    Koblenz
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