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Koblenz

Ende einer Ära: Polizeichor Koblenz steht vor dem Aus

Doris Schneider

Früher hat der Polizeichor die Rhein-Mosel-Halle gefüllt. Das war einmal: Beim letzten Frühlingskonzert waren es nur noch weniger als 400 Zuhörer. Und bei der jüngsten Mitgliederversammlung hat sich niemand mehr gefunden, der den Vorsitz übernehmen will. Wie es nun weitergeht, wird der noch amtierende Vorstand am Donnerstag besprechen.

Der Polizeichor bei seinem Weihnachtskonzert im Dezember 2015 in der St. Josefskirche: Die Zahl der Aktiven sinkt kontinuierlich, vor allem aufgrund des Alters. Und nun findet sich auch niemand mehr, der als Vorsitzender Verantwortung übernehmen möchte.
Der Polizeichor bei seinem Weihnachtskonzert im Dezember 2015 in der St. Josefskirche: Die Zahl der Aktiven sinkt kontinuierlich, vor allem aufgrund des Alters. Und nun findet sich auch niemand mehr, der als Vorsitzender Verantwortung übernehmen möchte.
Foto: (Archiv): Winfried Scholz

Möglicherweise steht der Polizeichor nun vor dem Aus. Vor allem für Männerchöre ist es insgesamt sehr schwer geworden, sagt Vorsitzender Rudolf Meid. Und Dietmar Weidenfeller, Vorsitzender des Kreischorverbands, bestätigt: Insgesamt haben es durch das geänderte Freizeitverhalten sehr viele Vereine heute erheblich schwerer als früher, auch Sportvereine. Aber die Männerchöre haben es sogar noch ein bisschen schwerer als Frauen-, Kinder- oder Jugendchöre. Und die, die nicht schon vor einiger Zeit ihr Repertoire umgestellt haben, haben noch mehr Probleme als andere, junge, engagierte Sänger zu finden, die auch Verantwortung im Verein übernehmen. „Mit dem Lied ,Aus der Traube in die Tonne‘ – einem schönen Lied, unbestritten – lockt man heute niemanden mehr an“, sagt Weidenfeller. „Jung“ ist in diesem Zusammenhang im Übrigen relativ: Von 20-Jährigen träumt schon lange niemand mehr – wenn sich mal ein 40-Jähriger in einen Männerchor „verirrt“, dann ist das ein großes Glück.

Rund 30 Mitglieder hat der Polizeichor noch, das Durchschnittsalter liegt bei 72 Jahren. Dass den Aktiven das Singen nach wie vor großen Spaß macht, zeigt die Bilanz der Probenbesuche, die bei 95 bis 100 Prozent liegen. Bei den Konzerten sieht es dann schon anders aus: Meist sind es nur 25, 26 Sänger, sagt Rudolf Meid, der auch in der Mitgliederversammlung das Verhalten der Sänger kritisierte: „Das geht so nicht, zumal der Veranstaltungskalender 2017 und auch 2018 in keiner Weise überladen sind. Die wenigen Termine hätte man sich freimachen können.“ Einmal waren bei einem Auftritt sogar nur 19 Sänger anwesend, sagt er im Gespräch mit der RZ. „Das geht einfach nicht.“

Und auch für den Vorstand gibt es nicht mehr genügend Freiwillige. Bereits bisher sind die Posten des Zweiten Vorsitzenden und des Geschäftsführers nicht besetzt. Und dies schreibt sich fort: Als die Mitglieder nun einen neuen Vorstand wählen sollten, stellte sich niemand für den Vorsitz zur Verfügung. Jetzt überlegt der Verein, eventuell ein kleines Führungsgremium statt des traditionellen Vorstandes zu wählen. Doch dazu bedarf es einer Satzungsänderung. Der Vorstand bespricht am Donnerstag das weitere Vorgehen. Wenn alles gut läuft, könnte eine erneute Mitgliederversammlung dies so beschließen.

Sollte es aber scheitern, könnte das das Aus für den Chor bedeuten, der 1979 von sangesfreudigen Mitarbeitern des Polizeipräsidiums gegründet wurde. Ziel war von Anfang an, „die Verbundenheit zwischen Bevölkerung und Polizei zu vertiefen sowie innerhalb der Polizei das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und zu festigen“, heißt es in der Chronik.

Im Übrigen bringt auch der geringe Besuch der Konzerte Probleme mit sich. Denn der Überschuss wird immer dafür verwendet, die Kosten unter anderem für den Chorleiter zu tragen. „Im Moment haben wir einen Jahresbeitrag von 60 Euro. Wenn wir alle Kosten davon bestreiten müssten, dann müsste der auf mehr als 200 angehoben werden“, sagt Vorsitzender Rudolf Meid. Das würde ganz sicher einen weiteren Mitgliederschwund mit sich bringen.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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