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Koblenz

Ein Tunnel unter der Karthause? Kann das die Verkehrsprobleme von Moselweiß lösen?

Stephanie Mersmann

Die Menschen in Moselweiß sind frustriert. Seit Jahrzehnten ist klar, dass die Verkehrsbelastung in dem Stadtteil zu groß ist, seit Jahrzehnten werden Lösungen gesucht, geplant, verworfen, und seit Jahrzehnten passiert: nichts.

Zwischen der Kurt-Schumacher-Brücke (oben links) und der Südbrücke (unten rechts) liegt vor allem die große Karthause. Wenn unter dem Höhenstadtteil ein Tunnel herführen würde, könnte das diverse Verkehrsprobleme in der Stadt lösen, findet die FBG. Das Ganze wäre allerdings sehr, sehr teuer. Foto: © GeoBasis-DE/LVermGeoRP 2018
Zwischen der Kurt-Schumacher-Brücke (oben links) und der Südbrücke (unten rechts) liegt vor allem die große Karthause. Wenn unter dem Höhenstadtteil ein Tunnel herführen würde, könnte das diverse Verkehrsprobleme in der Stadt lösen, findet die FBG. Das Ganze wäre allerdings sehr, sehr teuer.
Foto: © GeoBasis-DE/LVermGeoRP 2018

Das wahrscheinlich umfassendste Projekt, das in der Vergangenheit diskutiert wurde, zählt ebenfalls zu denen, die in der Schublade verschwunden sind: ein Tunnel unter der Karthause hindurch. Doch nun soll die Idee wiederbelebt werden.

"Man muss zukunftsweisend denken", findet Walter Baum, Ratsmitglied der FBG. Im Jahr 2004 schon hatte seine Fraktion beantragt, den Bau eines Tunnels zu prüfen, der die B 9 vor der Südbrücke mit der Kurt-Schumacher-Brücke verbinden soll. Damals wurde sogar eine Machbarkeitsstudie erstellt – passiert ist aber nichts weiter.

Dass die Fraktion den Plan jetzt reanimieren will, hat auch damit zu tun, dass eine Verkehrsentlastung gerade von Moselweiß dringender erscheint denn je. Wenn in Zukunft die Nordtangente gebaut, der riesige Debeka-Neubau im Verwaltungszentrum fertiggestellt und irgendwann vielleicht auch der Kemperhof vergrößert wird, dann dürften noch deutlich mehr Leute durch die Straßen des Stadtteils fahren als bislang.

Mit dem Bau des Tunnels könnte dies abgefedert werden, sagt Baum, und auch für Goldgrube, Rauental, Innenstadt und Karthause würde es eine Entlastung geben. In der Machbarkeitsstudie ist dargelegt, wie das Projekt aussehen könnte: Ab der Abfahrtsrampe der Südbrücke führt die Straße demnach auf einer Länge von rund 1600 Metern in einem Tunnel unter der Karthause hindurch bis zur Beatusstraße.

Hier schließt sich dann eine Unterführung des Moselgüterbahnhofs an, und die neue Straße endet schließlich an der Koblenzer Straße und der Auffahrt auf die Kurt-Schumacher-Brücke. Gesamtlänge der Strecke: 2000 Meter.

Problem sind die immensen Kosten – und diese sind auch der Grund dafür, dass die Stadt das Projekt bislang verworfen hat. Allein die Gesamtkosten des Tunnels und der Anschlussstellen wurden in der Studie auf 78 Millionen Euro geschätzt, hinzu würden 25 Millionen Euro für die Unterführung unter den Bahngleisen kommen.

"Allein aufgrund von Kostensteigerungen der letzten Jahre wären hier mindestens 20 Prozent auf die damalige Kostenschätzung aufzuschlagen, sodass die Gesamtkosten der neuen Verkehrsverbindung mindestens 120 Millionen Euro betragen würden", so die Stadt. Plus: Die Unterhaltungskosten wurden in der Studie auf weitere 700 000 Euro im Jahr geschätzt.

Unterm Strich also eine gigantische Investition – und schon vor Jahren kam die Stadtverwaltung zu dem Schluss, dass sie diese nicht bewältigen könnte. Die Strecke könnte nur als Bundesstraße gebaut werden, und sie kündigte an, entsprechende Gespräche führen zu wollen – was aber bislang nicht geschah.

Die FGB fordert, diese jetzt aufzunehmen. In der nächsten Ratssitzung am Donnerstag will die Fraktion den Antrag einbringen, das Projekt in ein Verkehrskonzept Moselweiß aufzunehmen.

Klar ist: Die Verkehrssituation in dem Stadtteil ist angespannt, und das Problem wird größer. Zuletzt hatte die Stadt deshalb angekündigt, dass unter anderem an der Einmündung Heiligenweg/Beatusstraße ein Kreisverkehr geplant ist, und die enge Eisenbahnunterführung im Heiligenweg soll verbreitert werden. Auf den ganz großen Durchbruch warten die Moselweißer Bürger derweil immer noch.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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