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Koblenz

Die Zukunft von Bus und Bahn in Koblenz: Was will und kann sich die Stadt leisten?

Reinhard Kallenbach

Bessere Streckenführung, umweltfreundlichere Technik und attraktivere Preisgestaltung – das Bus-Liniennetz in Koblenz steht vor gravierenden Veränderungen. Details sollen im Herbst bekannt werden. Fest steht allerdings, dass die „Revolution“ nicht zum Nulltarif zu haben ist. Hinter den Kulissen wird mit spitzem Stift gerechnet. Die entscheidende Frage ist: Was will und kann man sich leisten?

Die Haltestellen in der Görgenstraße gehören zu den Dreh- und Angelpunkten des innerstädtischen Busverkehrs. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Allerdings wird es gravierende technische und organisatorische Veränderungen geben.
Die Haltestellen in der Görgenstraße gehören zu den Dreh- und Angelpunkten des innerstädtischen Busverkehrs. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Allerdings wird es gravierende technische und organisatorische Veränderungen geben.
Foto: Reinhard Kallenbach

Nach seinen ersten beiden Monaten als Oberbürgermeister zieht David Langner eine erste Bilanz: Die Zukunft von Bus und Bahn in Koblenz war das zentrale Thema, das ihn am meisten beschäftigte. Hinter den Kulissen wurden zahlreiche Gespräche geführt, wobei das Nahverkehrskonzept und Konzessionsfragen im Mittelpunkt standen. Beide Themen, darauf legt der Stadtchef Wert, müssen strikt voneinander getrennt werden. Dennoch gibt es einen Zusammenhang.

Im Nahverkehrsplan müssen städtische Gremien und Verwaltung erst einmal festlegen, was gewünscht ist. Erst dann kann man entscheiden, in welcher Struktur alles umgesetzt wird. Und schließlich hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) das letzte Wort. In Sachen Haushalt hat sich die ADD nicht immer als unkomplizierter Verhandlungspartner gezeigt und strenge Auflagen erteilt. Die Verantwortlichen im Rathaus hoffen allerdings, dass es dieses Mal für die Stadt größere Spielräume gibt. Denn Verbesserungen bei Bus und Bahn sind auch das erklärte Ziel in der Landespolitik. Und diese Verbesserungen gibt es für die Kommunen nun mal nicht zum Nulltarif.

Die Zeiten des „Koblenzer Modells“ neigen sich also dem Ende zu. Bislang fuhr die EVM Verkehrs GmbH, abgesehen von Zuschüssen für die Beförderung von Schülern und Menschen mit Behinderung, komplett eigenwirtschaftlich. Eine Quersubventionierung durch die Stadt gibt es nicht, sie ist aus EU-rechtlichen Gründen auch gar nicht möglich. Dem steht unter anderem der Wunsch nach der Anschaffung von Elektrobussen, günstigeren Preisen und direkten Stadtteilverbindungen entgegen. Das bedeutet: langwierige Verhandlungen mit unterschiedlichen Partnern, darunter mit dem TÜV Rheinland und dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM).

Eine Reform des Stadttarifs ist ohne den Blick aufs Gesamtsystem nicht zu machen. „Es ist nun mal so, dass Koblenz im Landesvergleich den teuersten ÖPNV hat“, erklärt David Langer. Das liegt daran, dass andere Städte die Verkehrsbetriebe direkt bezuschussen können, weil sie komplett kommunalisiert sind. Im Oberzentrum ist das anders.

Zwar hat die EVM-Gruppe ebenfalls kommunale Eigner, doch ist die Tochter EVM Verkehrs GmbH komplett privatwirtschaftlich organisiert, darf also nicht subventioniert werden. Daraus ergibt sich, dass ehrgeizige Ziele wie die Umstellung der Busflotte auf umweltfreundlichere Fahrzeuge, den weiteren behindertengerechten Umbau von Haltestellen, die flächendeckende Einführung eines Fahrgast-Informationssystems an den Haltepunkten und eine Stärkung des Nachtbusangebots mit der bisherigen Konstruktion nur mit starken Einschränkungen zu machen sind. Es bleibt also die Frage nach der künftigen Organisation des Stadtverkehrs, zumal die Konzession Ende 2020 ausläuft.

David Langner weist Gerüchte, wonach der Verkehrsbetrieb künftig eine Tochter der Stadtwerke wird, zurück. Denn die Entscheidung, wie es weitergehen wird, dürfte erst spät im Jahr fallen. Denkbar wäre daher auch, die EVM Verkehrs GmbH aus der EVM-Gruppe herauszulösen und unmittelbar – also ohne das Dach der Stadtwerke – als weiteren eigenen Betrieb der Stadt weiterzuführen.

So viel steht allerdings fest: Das Signal aus der Politik ist spätestens seit dem 19. Juni, als Fachbereichsausschuss IV und Umweltausschuss gemeinsam tagten, eindeutig. Auch wenn es vor allem in den kleineren Fraktionen Bedenken wegen der bevorstehenden zusätzlichen finanziellen Belastungen gibt, wird die Notwendigkeit erkannt, die Strukturen zu verbessern. Allerdings wird die Seilbahn auch bei den künftigen Strukturen außen vor bleiben. Aktuell würde die Einbindung keinen Sinn ergeben, weil die Fortsetzung der Betriebsdauer über das Jahr 2026 hinaus noch nicht entschieden ist und es noch keinen Zeitplan für die Realisierung des neuen Stadtteils auf dem Gelände der Fritsch-Kaserne gibt. Und: Ein Ausbau der Betriebszeiten würde die Seilbahn ebenfalls zum Bezuschussungsfall machen.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach
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