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Die Folgen von Sturmtief Burglind: Die hölzerne Gefahr nach dem Orkan

Mit Orkanböen von bis zu 120 km/h ist Sturmtief Burglind zum Jahresbeginn über das Land gefegt und hat für literweise Regen gesorgt. Eine gefährliche Kombination, vor allem für die Wälder in der Region, in denen das große Aufräumen erst noch ansteht. Vor allem für Spaziergänger lauern derzeit noch Gefahren.

Sturmtief Burglind hat in den Wäldern rund um Koblenz stellenweise vor allem für umgestürzt Nadelbäume gesorgt, wie hier zwischen Niederfell und Rhens.  Foto: Sascha Ditscher
Sturmtief Burglind hat in den Wäldern rund um Koblenz stellenweise vor allem für umgestürzt Nadelbäume gesorgt, wie hier zwischen Niederfell und Rhens.
Foto: Sascha Ditscher

In Lahnstein empfiehlt die Stadtverwaltung, auf Spaziergänge im Stadtwald derzeit zu verzichten. Ganz so weit will Uwe Bollinger, Förster im Forstrevier Macken, nicht gehen. „Wenn man irgendwo schiefe Bäume sieht, sollte man nicht unbedingt da durchlaufen“, sagt Bollinger. Er rät den Wanderern, wenn Bäume auf Wanderwegen liegen, vernünftig zu sein und umzudrehen.

Das Problem: Durch Sturmtief Burglind sind im rund 28.300 Fußballfelder großen Waldgebiet des Forstamtes Koblenz, zu dem unter anderem Macken zählt, an vielen Stellen Bäume umgeworfen worden. Uwe Bollinger hofft daher nicht nur in seinem Forstrevier auf Verständnis bei den Bürgern: „Sie können nicht auf einer so großen Fläche wie der des Forstamtes innerhalb von kurzer Zeit alle blockierten Wege freischneiden. Sie brauchen immer Maschinen dazu, was relativ aufwendig ist.“

Über das gesamte Gebiet des Forstamtes Koblenz hinweg sind die Förster und ihre Mitarbeiter derzeit damit beschäftigt, vor allem die Wege von umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen zu befreien. Im Forstrevier Untermosel, das von Nörtershausen im Süden bis Kettig im Norden reicht, schätzt Revierförster Hermann Schneider den Windwurf beispielsweise auf rund 500 Festmeter Holz – rund 90 Prozent davon Nadelholz. Was zunächst wenig klingt, macht sich in seinen Augen wirtschaftlich trotzdem bemerkbar. Dadurch, dass der Sturm die Bäume gleich an mehreren Stellen umgeworfen hat, müsse das Holz ebenfalls an unterschiedlichen und nicht an einer zentralen Stelle abtranportiert werden – was Zeit und Geld kostet. Einfach Liegenlassen ist für Schneider keine Option. „Es besteht die Gefahr, dass Käfer dann im Frühjahr an die Bäume gehen“, erklärt der Revierförster.

Bis das gefallene Holz abseits der Wege allerdings aus den Waldgebieten herausgefahren werden kann, dauert es noch einige Zeit „Wir sind derzeit nur damit beschäftigt, die Wege freizuschneiden“, bestätigt Hermann Schneider seinen Dienstkollegen Bollinger. Besser sieht es schon im Forstrevier Rhens aus. Laut des zuständigen Revierförsters Dieter Kaul sind dort alle Wege frei. Er geht davon aus, dass hier rund 300 Festmeter Holz, vor allem Fichten, Burglind zum Opfer gefallen sind. „Um die Jahreszeit muss man im Wald immer aufpassen. Es wird auch nicht der letzte Sturm des Jahres gewesen sein“, sagt Kaul. Der Windwurf wird im Forstrevier um Rhens allerdings auch noch länger liegen bleiben. „Wir schlagen erst das Laubholz ein, danach kümmern wir uns um den Windbruch.“

Das Laubholz ist auch einer der Gründe dafür, warum die Windwurfbilanz nach Sturmtief Burglind im Waldgebiet des Forstamtes Koblenz verglichen mit dem Hunsrück oder dem Westerwald, in denen mehr Nadelbäume zu finden sind, glimpflicher ausfällt. Der Laubholzanteil liegt im Bereich des Forstamtes insgesamt bei 72 Prozent und damit über dem rheinland-pfälzischen Landesdurchschnitt von rund 59 Prozent. Laubbäume gelten insgesamt als standfester als Nadelbäume.

„Wenn allerdings das Regenwetter anhält und weitere Stürme folgen, werden auch die standfesteren Laubbäume und damit größere Flächen betroffen sein“, erklärt Johannes Pinn, stellvertretender Leiter des benachbarten Forstamtes Neuhäusel, „dann fallen die Bäume wie Dominosteine.“

Mit der Zeit weicht der Boden so weit auf, dass auch tiefere Wurzeln den Baum nicht mehr halten können. Der Wind hat dann leichteres Spiel – auch bei Laubbäumen. „Die Gefahr für den Menschen sollte nicht dramatisiert werden, aber es gibt zurzeit viele angeschobene Bäume, die in anderen Bäumen liegen und umfallen können. Dazu kommen lose Äste in den Kronen. Die Gefahr ist also jeder Zeit gegeben“, warnt Försterkollege Hermann Schneider abschließend.

Von Andreas Egenolf und Susanne Willke

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