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    Christoph 23: Um Leben zu retten, müssen auch heikle Landungen manchmal sein

    Der Rettungshubschrauber Christoph 23 ist kürzlich direkt vor dem Löhr-Center gelandet. Alltag für die Piloten? Oder besonders knifflig? Wo kann der Heli überall landen? Wir haben nachgefragt.

    Christoph 23 von unten: Wer diesen Ausblick hat, während der Rettungshubschrauber landet, sollte sich schleunigst von dannen machen.
    Christoph 23 von unten: Wer diesen Ausblick hat, während der Rettungshubschrauber landet, sollte sich schleunigst von dannen machen.
    Foto: Sascha Ditscher

    Wenn Christoph 23 im Einsatz ist, erregt er immer aufsehen: Der leuchtend gelbe Rettungshubschrauber ist auffällig, laut – und er landet häufig dort, wo normalerweise keine Fluggeräte runtergehen. So vor einigen Tagen auch mitten in der Koblenzer City, direkt vor dem Löhr-Center: Nachdem ein Radfahrer gestürzt war und mit dem Kopf aufgeprallt war, wurde der Hubschrauber gerufen. Die Hohenfelder Straße wurde gesperrt, und die Besatzung des Helis konnte ihrer lebensrettenden Tätigkeit nachgehen. So ungewöhnlich eine solche Landung für Passanten wirken mag: Ist sie für die Piloten Alltag? Wo kann Christoph 23 überall landen? Wir haben mit dem Leiter der Crew darüber gesprochen – und dem machen sensationshungrige Beobachter und selbst ernannte Einweiser viel mehr Sorgen als knifflige Landeplätze.

    „Nein, Alltag ist das nicht, aber auch nicht übermäßig außergewöhnlich“, sagt Frank Michels. Der 47-Jährige ist einer von drei Stammpiloten des Koblenzer Hubschraubers und dessen Stationsleiter. In 25 Jahren Luftrettung hat er schon manch schwierige Landung hinbekommen: „Wir finden immer einen Landeplatz, manchmal ist er vielleicht ein bisschen weiter weg. Aber irgendwo geht es immer.“ Und die Rettungskräfte haben auch Erfahrung damit, sich nötigenfalls eine Mitfahrgelegenheit zu suchen – und wenn es ein Privatauto ist.

    Christoph 23

    Seit 1973 ist Koblenz ein Luftrettungsstandort, anfangs noch betrieben von der Bundeswehr allein. 1999 war Christoph 23 der erste Rettungshubschrauber, der im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit von Bundeswehr und ADAC im Einsatz war. Die ADAC-Luftrettung stellt seitdem das fliegende Personal und die Maschine, das Bundeswehr-Zentralkrankenhaus, wo der Eurocopter EC 135 stationiert ist, entsendet den medizinischen Teil der Besatzung. Sein Einsatzgebiet umfasst etwa 50 bis 70 Kilometer rund um Koblenz, die nächsten Rettungshubschrauber sind in Wittlich, Siegen, Mainz und Köln stationiert. Christoph 23 fliegt täglich von 7 Uhr bis Sonnenuntergang. 2016 absolvierte er mehr als 1800 Einsätze.
    Mehr Infos: www.christoph23.de

    Wird der Hubschrauber alarmiert, ist die Crew mit Pilot, Arzt und Notfallsanitäter (Fachbegriff „HEMS Crew Member“, die Abkürzung steht für „Helicopter Emergency Medical Services“) in zwei Minuten in der Luft und in der Regel nach spätestens zehn Minuten am Einsatzort. Von der Leitstelle erhält der Pilot eine Positionsangabe. Das kann eine Adresse sein oder auch ein Abzweig an einer Landstraße. „Wir haben ein Navigationsinstrument an Bord“, erklärt Michels, der sich aber auch selbst gut auskennt an Rhein und Mosel. „Wenn wir dann da sind, suchen wir selbst nach einem sicheren Landeplatz.“ Der sollte vor allem einen festen Untergrund haben und möglichst von der Polizei abgesichert sein. Es sollte nichts herumfliegen können, wenn der recht heftige Rotorabstrahl am Grund ankommt.

    Der Rotor von Christoph 23 hat einen Durchmesser von 10,20 Meter, der Heli ist 15 Meter lang. „Wir brauchen mindestens den doppelten Rotordurchmesser, also etwa 20 Meter. Aber wenn wir im Notfalleinsatz sind, kommen wir nicht mit dem Maßband an“, sagt Michels. Bedeutet: Der Pilot schätzt ein, ob der Platz reicht. Wird er begrenzt von Bäumen und Sträuchern, ist das besser als inmitten enger und dichter Bebauung. „Dann kann es zu starken Verwirbelungen kommen, und es wird schwerer, exakt zu steuern.“ Michels bedauert, dass gerade in Städten die Sportplätze oft abgesperrt sind. Sie wären gute Landeplätze, aber wenn die Rettungscrew dann eingeschlossen ist, hilft das auch nicht weiter.

    Doch ansonsten sind die Rettungsflieger nicht sehr wählerisch, so lange die Sicherheit gewährt ist. Im Winter 2012 landete der Heli etwa mal auf dem Friedhof in Rhens. Und im November 2013 war er kurz davor, auf dem Parkdeck des Löhr-Centers aufzusetzen, doch in letzter Minute konnte er abdrehen, weil der Notarzt doch nicht gebraucht wurde. „Wir sind auch schon auf einem Schiff gelandet. Oder an einer Ufermauer oder im Weinberg. Da kann es dann passieren, dass wir nur kurz mit einer Kufe aufsetzen können, und die Rettungscrew muss dann rasch zu dieser Seite heraus muss.“ Was nach einem Stunt im Actionfilm klingt, ist für Michels vor allem eine Schulungssache. „Das muss trainiert werden. Und wichtig ist, dass wir eine einheitliche Sprache sprechen. Bestimmte Wendungen haben sich durchgesetzt. Beispielsweise steigt keiner aus, bevor der Pilot nicht gesagt hat: ,Safe on ground‘.“ Kommen neue Besatzungsmitglieder dazu, fliegen sie zunächst mit erfahrenen Kollegen – sie lernen und erlangen vor allem Routine. In Koblenz gibt es drei feste Piloten, die zum Teil durch Springer ergänzt werden, sechs „HEMS Crew Member“ und etwa 15 Notärzte. Das Team ist sehr gut eingespielt.

    Stören können eher Personen, die sich in die Landezone bewegen – ob aus Versehen, aus Sensationsgier („wir landen inzwischen eigentlich nie, ohne dass wir mit dem Handy gefilmt werden“) oder aus falsch verstandener Fürsorge „Wir brauchen keinen, der uns einweist“, stellt Michels klar. Und niemand sollte den Sturm unterschätzen, den der mächtige Rotor am Boden entfacht.

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