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Koblenz

Aus Rebecca wird Confluentia: Wie die närrische Regentin den Rosenmontag erlebt [mit Video]

Doris Schneider

Eine Confluentia darf keine Langschläferin sein. Während das närrische Volk sich noch mal umdreht und eine Runde Schlaf nimmt, um für den närrischen Höhepunkt gestärkt zu sein, sitzt Rebecca Fläschenträger schon beim Friseur.

Bei der Friseurin, um genau zu sein. Auch Marion Schröder ist um 5 Uhr aufgestanden, um ab 6 Uhr in ihrem Salon in der Hohenzollernstraße Rebecca Fläschenträger in die Confluentia zu verwandeln. „Ich habe seit 20 Jahren Confluentias frisiert – oder muss es Confluentiae heißen?“, lacht die 47-Jährige. Ehrenamtlich tut sie das und sehr, sehr gern. „Es ist doch das Schönste, was Koblenz derzeit zu bieten hat“, sagt sie und lächelt auf Rebecca herunter. Jede Haarsträhne wird sorgfältig gesteckt. Am Schluss geben ein wenig Glanzspray und Perlennadeln das i-Tüpfelchen.

Die Confluentia ist bereit. Bereit für den großen Höhepunkt, den Rosenmontagszug. Daran, dass ihr die Menschen zujubeln, hat sie sich in den vergangenen Wochen bei unzähligen Auftritten an der Seite von Prinz Marcel, dem flammenden Niederberger, eigentlich gewöhnen können, aber der „Zuch“ ist natürlich noch mal was ganz Besonderes. Wie auch schon Schwerdonnerstag, der bisher größte närrische Großkampftag.

Die Frisur sitzt, das Hütchen wackelt nicht, der Hals ist frei für den Schal. Jetzt rasch ins Hotel, umziehen. Das dauert nur ein paar Minuten, Rebecca ist auch schon oft genug in eins ihrer drei Kleider geschlüpft. Privat trägt die 28-Jährige eher Jeans, ein Top, ein Cardigan, aber im Kleid und in den roten Pumps fühlt sie sich sichtlich genauso wohl. Jetzt geht's zum Frühstück mit den anderen Aktiven ins Weindorf, ein bisschen plaudern, weitere Interviews geben. Und vor allem etwas essen.

Für den Sessionshöhepunkt stärkt sich das Prinzenpaar mit einem Frühstück, dann nehmen Marcel I. und Ihre Lieblichkeit den Zug ab.
Für den Sessionshöhepunkt stärkt sich das Prinzenpaar mit einem Frühstück, dann nehmen Marcel I. und Ihre Lieblichkeit den Zug ab.
Foto: Doris Schneider

Eine Portion Rührei, eineinhalb Brötchen und ein Glas Sekt später steht die Confluentia am Straßenrand, neben ihr ihr Prinz. Ihr Karnevalsprinz. Aber auch Rebeccas Freund, der passenderweise ebenfalls Marcel heißt, ist nicht weit, darf heute im Confluentia-Wagen mitfahren. Und auch Prinz Marcel hat seine Frau meistens in der Nähe, denn sie ist als Pagin im Gefolge unterwegs.

Vielleicht wäre es auch sonst schwer machbar. Denn Freizeit hat es vor allem in den vergangenen sechs Wochen wenig gegeben, erzählt die Confluentia. Sie hat großes Glück mit ihrem Arbeitgeber: Der hat sie – obwohl selbst als Norddeutscher nicht gerade ein eingefleischter Karnevalist – für diese Zeit von der Arbeit freigestellt. Die Zahnmedizinische Fachangestellte fängt erst wieder nächste Woche an. Doch daran, dass an Aschermittwoch alles vorbei ist, mag im Moment noch niemand denken.

Jetzt genießt das närrische Paar erst einmal den Rosenmontagszug in vollen Zügen. Zuerst lassen sie die Aktiven an sich vorbei defilieren, dann steigen die beiden auf ihre Wagen, die traditionell den Schlusspunkt des Zuges markieren, und fahren fünf Kilometer lang an ihrem Volk vorbei. Schon ein verrücktes Gefühl, wenn einem alle zujubeln. Anfangs war Rebecca das sehr fremd, vor den ersten Reden und Auftritten war sie ganz schön nervös, erzählt sie. Aber jetzt kann sie es genießen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Auch diese letzten Stunden wird sie genießen. Am Dienstag gibt es noch ein paar Termine, am Mittwoch steht zweimal Heringsessen auf dem Programm. Den mag die Confluentia zwar nicht, aber dann isst sie eben was anderes. „Nur nicht Würstchen und Schnitzel, das reicht jetzt“, sagt sie und lacht. Denn das gab es auf quasi jeder Sitzung.

Dass damit jetzt Schluss ist, das ist doch ganz gut. Und Fastnacht kommt wieder. Im kommenden Jahr wird die Confluentia wieder als Rebecca in der Tanzgruppe unterwegs sein. Die Proben beginnen schon in wenigen Wochen. Insofern ist eigentlich gar nichts vorbei: Nach der Session ist vor der Session.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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