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Auf der Erfolgsspur: Ein Vallendarer mischt im Silicon Valley mit

Matthias Kadenbach hat etwas getan, was sich nicht jeder trauen würde: Er hat ohne konkreten Plan seine Sachen gepackt, flog nach Kalifornien – und verabredete sich dort übers Internet mit Deutschen zum Kaffeetrinken. Heute sagt der 31-Jährige: „Ich wusste in Deutschland einfach nicht weiter und hatte vom magischen Silicon Valley gehört.“ So begann vor fünf Jahren seine spannende Reise an die amerikanische Westküste, die durch Branchenriesen wie Google, Apple, Intel und Ebay weltweit bekannt ist. Mittlerweile mischt der Softwareentwickler dort selbst mit und sagt: „Es ist ein enormes Risiko, das ich spiele.“

Matthias Kadenbach ist in Vallendar groß geworden und hat im Silicon Valley ein Unternehmen gegründet. Der Software-Entwickler flog ohne Plan dorthin und sagt, er spielt Risiko.  Foto: Templarbit
Matthias Kadenbach ist in Vallendar groß geworden und hat im Silicon Valley ein Unternehmen gegründet. Der Software-Entwickler flog ohne Plan dorthin und sagt, er spielt Risiko.
Foto: Templarbit

Keine Region der Welt besitzt laut Wirtschaftsnews.de einen besseren Ruf in Sachen Innovationskraft als die Bucht an der Westküste. Im Silicon Valley arbeiten zig Tausende kreative Köpfe, hier fließt jede Menge Risiko-Investmentkapital in Start-ups. So auch zuletzt 3 Millionen US-Dollar in das Unternehmen Templarbit, das Matthias Kadenbach mit Björn Zinßmeister zusammen gegründet hat. Die beiden Deutschen lernten sich damals 2013 beim Kaffee-Date in Kalifornien kennen. Zinßmeister war es, der dem gebürtigen Vallendarer einen ersten Job im Silicon Valley verschaffte. Mit Mitte 20 hatte Matthias Kadenbach einen Fuß in der Tür – und wollte mehr.

Aus dem Sprung über den Atlantik ist vor einem Jahr das Start-up-Unternehmen Templarbit für Sicherheitssoftware hervorgegangen. Die beiden Gründerfreunde beschäftigen mittlerweile zwölf Mitarbeiter. Zu ihren Kunden zählt unter anderem die Bank of America. Sie planen, noch in diesem Jahr auch in Deutschland ein Büro aufzumachen. Kadenbach beschreibt das Produkt so: Es schützt sensible Daten, etwa von Banken oder Medizinunternehmen. Der Angreifer sei wie ein Räuber, der an jede Haustür in der Nachbarschaft stupst und guckt, ob sie aufgeht. Wenn sie aufgeht, versucht er, so viel Gold mitzunehmen wie möglich. Das Gold des 21. Jahrhunderts seien Daten. „Unsere Software macht die Haustür sicherer, und man sieht aus der Ferne, ob sie sicher und zu ist.“

Als der Technikchef jetzt in der Heimat war, kam er auch in der Redaktion vorbei. 1,94 Meter groß, Sechs-Tage-Bart, weißes Hemd, die oberen Knöpfe offen, die Ärmel hochgekrempelt, blaue Stoffhose, und ein freundliches Auftreten. Seine Uhr zeigt die amerikanische Zeit an – kurz nach 5 Uhr am Morgen. „So langsam werden alle wach“, erzählt er. Später hat das Team ein Meeting – übers Internet, versteht sich. Beim Gespräch lehnt sich der 31-Jährige im Stuhl zurück, überschlägt die Beine, lächelt offen, reagiert auf Fragen mit: „Das ist interessant.“ Er denkt nach, bevor er antwortet. Zum Beispiel auf die Frage, ob er ein Risikofreak oder ein Sicherheitsmensch ist. „Vermutlich bin ich das Gegenteil von meinem Vater“, meint er.

Der gebürtige Vallendarer ist behütet aufgewachsen, erzählt er. Als Schüler besuchte er das „Johnny“, das Johannes-Gymnasium in Lahnstein. „Da haben wir jeden Morgen gebetet“, erinnert er sich und spricht von guten deutschen Werten, die er mit auf den Weg bekommen hat. Finanziell sei er zu Hause immer auf der sicheren Seite gewesen. „Meine Eltern sind beide Beamte.“ Da spielt Kadenbach junior eher Risiko. „Ich werde aus Deutschland keine Rente erwarten, weil ich hier nie eingezahlt habe“, sagt der Wahl-Kalifornier. Und auch vom amerikanischen Staat erwartet er kaum Unterstützung. „Ich hoffe einfach, dass wir mit unserem Start-up Erfolg haben werden.“ Irgendwann möchte Kadenbach selbst gerne als Investor für Start-ups auftreten und sein Wissen weitergeben.

2006 hat die Rhein-Zeitung über den Abiturienten Matthias Kadenbach berichtet, der mit seiner Jahresarbeit auch bei Jugend forscht erfolgreich war.
2006 hat die Rhein-Zeitung über den Abiturienten Matthias Kadenbach berichtet, der mit seiner Jahresarbeit auch bei Jugend forscht erfolgreich war.
Foto: Svenja Wolf

Und das ist nicht ohne: Als Zehnjähriger bekam er den ersten Aldi-Computer geschenkt. Ihn faszinierte, wie das komplexe Gerät funktioniert, er begann zu programmieren und bald auch, die Untiefen des Internets zu erkunden, herauszufinden, wo Onlineshops Lücken hatten. In seiner Jahresarbeit am Gymnasium entwickelte er ein System für Internetseiten – bekam ein „Sehr gut“. Beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ belegte der 19-Jährige damit im Bereich Mathematik/Informatik den ersten Platz (unsere Zeitung berichtete).

Kadenbach studierte in Münster Wirtschaftsinformatik, brach ab, weil er sich selbstständig machte, ging mit der Entwicklerfirma baden, und studierte später am Mediencampus der Hochschule Darmstadt. Heute sagt der Softwareentwickler: „Ich glaube, dass wir Menschen mehr aus Fehlern lernen als aus Erfolgen.“

Einen Teil seines Wissens gibt er bereits weiter: Er war kürzlich beim Media-Monday an der Hochschule in Darmstadt, wo Absolventen von ihren Erfahrungen nach dem Studium erzählen. Im Oktober kehrt er noch einmal in seine Heimat Vallendar zurück: Dann spricht er an der WHU im Idea-Lap über seine Unternehmensgründung in den USA. Kadenbach ist sicher, dass in Deutschland viele hoch qualifizierte Entwickler sitzen. „Die Ausbildung in Deutschland ist top“, sagt er und hofft, irgendwann einige von ihnen beschäftigen zu können.

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

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