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Simmern

Marktführer bei Weinbaugeräten: ERO produziert jetzt komplett in Simmern

Markus Lorenz

Feiertag beim Weinbaugerätehersteller ERO: Alles, was in Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben in der Rhein-Hunsrück-Region Rang und Namen hat, strömte am Montag in den neuen Industriepark am südöstlichen Rand der Kreisstadt an der B 50. Dort hat sich das Unternehmen eine beeindruckende neue Heimat geschaffen.

In Niederkumbd, wo ERO 1965 in einer Scheune begann und sich seitdem kontinuierlich und mit geradezu atemberaubendem Tempo zum Weltmarktführer bei sogenannten Anbaugeräten für die Weinbewirtschaftung und zum „global Player“ bei Traubenvollerntern entwickelt hat, stieß der Betrieb schon seit längerer Zeit an räumliche Grenzen. 2013 wurden erste Umzugspläne bekannt (unsere Zeitung berichtete), ins Gespräch gebracht wurden auch Standorte außerhalb des Hunsrücks. Umso größer war nun die Freude bei Firmenchef Michael Erbach, Stadtbürgermeister Andreas Nikolay, Landrat Marlon Bröhr sowie VG-Bürgermeister Michael Boos, dass gestern die offizielle Einweihung der neuen Produktionsstätte in Simmern und damit auf dem Hunsrück gefeiert werden konnte.

Über 20 Millionen Euro investiert

Zur Einweihung gratulierte Minister Volker Wissing ERO-Firmenchef Michael Erbach.
Zur Einweihung gratulierte Minister Volker Wissing ERO-Firmenchef Michael Erbach.
Foto: Werner Dupuis

Das sah auch der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing nicht anders. Er sprach von einem klaren Bekenntnis zur Region. Wissing stattete ERO nicht zum ersten Mal einen Besuch ab. Bereits vor zwei Jahren überbrachte er dem Unternehmen einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro und unterstützte damit die Neubaupläne. Die daran geknüpfte Bedingung zur Schaffung von 40 neuen Arbeitsplätzen hat ERO spielend erfüllt. Mehr als 230 Mitarbeiter stehen bei dem Maschinenbauer und seinen Tochterunternehmen Binger Seilzug und EMO Lasertechnik mittlerweile in Lohn und Brot. Die Produktion der Betriebe findet ab sofort unter einem Dach in Simmern statt.

Die Team Player von ERO waren natürlich auch dabei.
Die Team Player von ERO waren natürlich auch dabei.
Foto: Werner Dupuis

Der FDP-Minister sang bei der Einweihung das hohe Lied auf den rheinland-pfälzischen Mittelstand. Dieser sei werteverbundener als viele börsennotierte Unternehmen. „Die Entwicklung von ERO ist absolut beeindruckend, und mit dem neuen Werk wurde eine eindrucksvolle Investition getätigt. Das ist ein Bekenntnis zum Standort Hunsrück und eine Erfolgsgeschichte, auf die Sie stolz sein können“, wandte er sich an Erbach. Mehr als 20 Millionen Euro hat das Familienunternehmen in die neue Produktionsstätte samt Verwaltung und Ausstellungshalle investiert.

„Solch ein Projekt hat mir schon einen Riesenrespekt abgenötigt und ich habe mir viele Gedanken gemacht“, gestand der Firmenchef im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber gerade als Familienunternehmen denken wir sehr langfristig, wir haben jetzt optimale Betriebsabläufe und nicht zuletzt Möglichkeiten zur Erweiterung. Wir wollten auch deshalb in der Region bleiben, weil wir eine Top-Mannschaft haben und man sich auf die Hunsrücker immer verlassen kann. Wir wissen ganz genau, was wir an unseren Mitarbeitern haben. Ohne sie wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen.“

Entlang der B 50 hat ERO ein 12 Hektar großes Areal von der Stadt erworben, von denen jetzt 7,7 Hektar bebaut sind. Eine mehr als 15.000 Quadratmeter große Produktionshalle bildet das Herzstück, 150 Meter lang und 103 Meter breit. 2200 Quadratmeter Bürofläche und eine 550 Quadratmeter große Ausstellungshalle sind entstanden. Durch die schwierige Topografie des Areals mussten gewaltige Erdmassen bewegt werden.

Unternehmen auf Wachstumskurs

Von Mitte Dezember bis Ende Februar zog die Produktion komplett von Niederkumbd nach Simmern, die Verwaltung soll bis Ende Juni in den neuen Räumen untergebracht sein. „Hier haben wir optimale Bedingungen, konnten die Produktion dem Materialfluss anpassen“, sagt der Firmenchef. „Mir ist es zwar schwer gefallen, mein Heimatdorf zu verlassen, aber wenn ich sehe, was hier entstanden ist, war es die richtige Entscheidung.“

Zumal sich ERO weiterhin auf Wachstumskurs befindet – die Auftragsbücher sind prall gefüllt, der Umsatz im Jahr 2017 belief sich auf mehr als 32 Millionen Euro. Der Exportanteil beläuft sich auf 60 Prozent, wichtigste Absatzländer sind neben Deutschland Frankreich, Neuseeland und Italien.

Landrat Bröhr wünschte dem Weinbaugerätehersteller auch weiterhin gute Geschäfte. „Vor 140 Jahren sind die Leute noch vom Hunsrück nach Brasilien ausgewandert. Heute tragen auch Unternehmen wie ERO dazu bei, dass bei uns nahezu Vollbeschäftigung herrscht.“ Bürgermeister Andreas Nikolay hob das intensive Vertrauensverhältnis von Stadt und Geschäftsleitung hervor: „Der Umzug war keine Entscheidung gegen Niederkumbd, sondern eine für Simmern und den Hunsrück.“

Seinen Heimatort wird ERO übrigens auch in Zukunft nicht ganz verlassen. Dort bleiben die Reparaturabteilung, der Kundenservice und der Gebrauchtmaschinenhandel. Die restlichen Hallen sollen vermietet werden.

Von unserem Redakteur Markus Lorenz

Erfolgsstory aus Familienhand: Markus Lorenz zur Eröffnung der neuen ERO-Produktion

Wer hätte gedacht, dass der Weltmarktführer für Weinbaugeräte ausgerechnet aus dem beschaulichen Hunsrückörtchen Niederkumbd kommt? Dabei ist unsere Region – wie Landrat Marlon Bröhr in seiner Begrüßungsrede launig anmerkte – „bis auf den Simmerner Wingertsberg nicht unbedingt für ihre Weinlagen berühmt“. Das ist in der Tat so.

Markus Lorenz
Markus Lorenz

Dazu kommt: Der gemeine Hunsrücker trinkt in der Regel lieber Bier als Wein. Warum sich ERO dennoch auf dem Weltmarkt durchgesetzt hat? Weil die Hunsrücker zum einen was im Köpfchen haben, zum anderen auch schlicht und ergreifend anpacken können. Schaffe nennt man das bei uns. Ohne groß zu schwätze. Dazu sind sie heimatverbunden und brauchen auch keine großen Worte. Während anderswo noch diskutiert und kommuniziert wird, wird's hier einfach gemacht.

Und so kommt es, dass die roten Traubenvollernter vom Hunsrück überall auf der Welt durch die Weinberge brausen – von Bordeaux bis Kalifornien, vom Valle Central in Chile bis zur Toskana sind die technischen Meisterwerke unterwegs. Das alles hat vor 53 Jahren in einer Scheune in Niederkumbd begonnen, als Heinz Erbach und sein Schwager Herbert Roth die Köpfe zusammensteckten und sich Gedanken darüber machten, wie man den Winzern die Arbeit im Wingert erleichtern kann. Dass sie damit den Grundstein für eine solche Erfolgsstory legen würden, hätten die beiden damals ganz bestimmt nicht gedacht. Sie haben den Auftakt für eine atemberaubende Unternehmensgeschichte geschrieben.

Weitere Kapitel hat die zweite Generation hinzugefügt. Michael Erbach weiß ganz genau, was er an „seinen“ Hunsrückern hat. „Vieles war nur möglich, weil man sich auf die Hunsrücker immer verlassen kann“, hat er im Gespräch mit unserer Zeitung betont und an die enorme Hilfe beim Hochwasser erinnert. Auch deshalb hat er in Simmern investiert, weil er seine Mitarbeiter schätzt und nicht nur, weil er heimatverbunden ist, was sicherlich noch hinzukommt. Für einen Familienunternehmer bedeutet ein Investment von mehr als 20 Millionen Euro sicherlich ein großes wirtschaftliches Risiko und garantiert so manche schlaflose Nacht.

Dass das Geld gut angelegt ist, beweisen nicht nur die gut gefüllten Auftragsbücher. Denn bei Erbachs Begrüßungsrede wollte sein Sprössling partout mit aufs Podium. Das zeigt: Die nächste Generation steht schon bereit und wird ihre Kapitel an der Firmengeschichte schreiben. Auch wenn es wohl noch ein paar Jahre dauern wird.

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