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    Koblenz/Boppard

    Halbe Million Euro Stiftungsgelder in Boppard veruntreut: Prozessauftakt hinter verschlossenen Türen

    Die Liste ist lang, die Staatsanwalt Benedikt Raming am Dienstagvormittag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Koblenzer Landgerichts vorzutragen hatte: Rund 200-mal hat sich ein ehemaliger Buchhalter der Bopparder Stiftung Bethesda-St. Martin Geld überwiesen oder sich als Scheck ausgestellt und eingelöst. Mal waren es krumme Beträge, mal glatte. Mal waren es „nur“ 350 Euro, mal 7000 Euro auf einen Schlag. Jede einzelne Position wurde im Rahmen der Anklageerhebung im Gerichtssaal verlesen.

    Die Statue Justizia
    Die Statue Justizia.
    Foto: Peter Steffen/Archiv - dpa

    In seiner Gesamtheit ist der entstandene Schaden immens. Denn von März 2010 bis Februar 2015 konnte der ehemalige Buchhalter so die Stiftung um insgesamt 569.401 Euro prellen: 273.851 Euro per Überweisung, 295.550 Euro per Scheck. Dafür muss sich der 32-Jährige nun seit gestern verantworten. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft Untreue in einem besonders schweren Fall zur Last gelegt.

    Gelder für den eigenen Lebensunterhalt veruntreut

    Er handelte gewerbsmäßig, wie es vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß. Was so viel bedeutet wie: Um seinen eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dafür zweigte der ehemalige Buchhalter immer wieder Gelder ab, die er für die evangelische Stiftung verwalten sollte. Das war möglich, weil er im Rahmen seiner Arbeit eine Vollmacht für alle Bankkonten und Administratorrechte für das E-Banking der Stiftung besaß, die sich im nördlichen Rheinland-Pfalz in der Altenpflege engagiert und sich um die Integration psychisch beeinträchtigter und behinderter Menschen kümmert. Wie aber das Verhalten des Buchhalters über fünf Jahre unentdeckt bleiben konnte, ist eine Frage, die sich zahlreiche Menschen in Boppard stellen.

    Knapp 15 Zuhörer waren am Dienstagvormittag ins Landgericht gekommen. Sie stammten teilweise aus dem alten Arbeitsumfeld des Angeklagten und erhofften sich Antworten auf diese Fragen. Doch in diesem Punkt wurden sie enttäuscht. Bevor es zur Anklageverlesung kam, beriet das Gericht zwei Stunden lang hinter verschlossenen Türen über die Frage, ob oder inwieweit die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen ist. Der Verteidiger des Angeklagten hatte dies zu Sitzungsbeginn beantragt.

    Dem wurde teilweise stattgegeben, wie der Vorsitzende Richter Raimund Ritzdorf im Anschluss verkündete. Wenn es um die Person des Angeklagten geht, sich der Angeklagte zur Sache äußert und wenn der Gutachter Dr. Gerhard Buchholz, Facharzt für forensische Psychiatrie, zur psychischen Verfassung des Angeklagten gehört wird, dann wird dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen.

    Schutzwürdigkeit des Angeklagten vor öffentlichem Interesse

    Grund sei die Schutzwürdigkeit des Angeklagten wegen einer psychischen Erkrankung, die bis zur Verhandlungsunfähigkeit führen könne. Vor diesem Hintergrund müsse der Grundsatz der Öffentlichkeit zurücktreten, erläuterte Richter Ritzdorf.

    Auch im weiteren Verlauf des ersten Prozesstags wurde, nachdem die Anklage verlesen war, bis zum Mittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Aus einigen Ecken der Ränge war noch das Wort „Skandal“ zu hören, als die Zuschauer gebeten wurden, nach der Anklageverlesung erneut den Gerichtssaal zu verlassen.

    Im Anschluss an den ersten Verhandlungstag sagte Verteidiger Dirk Petri auf Nachfrage unserer Zeitung: „Mein Mandant wird sicherlich eine Einlassung abgeben außerhalb der Öffentlichkeit.“ Es spreche viel dafür, dass er sich geständig zeigen werde. Dass weitere Menschen innerhalb der Stiftung von dem Tun seines Mandanten gewusst haben könnten, schließt Petri indes aus. „Nach meinem Kenntnisstand gab es keine Mitwisser.“

    Der Prozess wird am Dienstag, 19. September, um 9 Uhr fortgesetzt.

    Von unserer Redakteurin
    Denise Bergfeld

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