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St. Goar

Einbrecherbande auf Diebestour in Boppard: 27-Jähriger muss in Haft

Es ist der Albtraum eines jeden Haus- und Wohnungsbesitzers: nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu merken, dass dort in der Abwesenheit Einbrecher gewütet und eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. Zwei Ehepaaren in Boppard-Buchholz ist genau dies am 27. März diesen Jahres passiert. Einer der Täter, ein 27-Jähriger, der seit drei Monaten in Untersuchungshaft sitzt, wurde jetzt vor dem Amtsgericht in St. Goar wegen schweren Bandendiebstahls, Hehlerei und Computerbetrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von unserer Redakteurin Martina Koch

Mit drei Kumpels hatte sich der damals in Wiesbaden wohnhafte Mann am Vormittag des 27. März auf den Weg nach Boppard gemacht. Der gelernte Koch wollte dort ein Vorstellungsgespräch in einem Hotel wahrnehmen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Die vier jungen Männer fuhren von der Autobahn aus in den Stadtteil Ohlenfeld und verschafften sich dort Zugang zu einer Wohnung, indem sie das Küchenfenster mit einem Stein einschmissen. Sie durchwühlten sämtliche Räume und nahmen Bargeld sowie wertvolle Manschettenknöpfe mit.

Nach Angaben des Angeklagten sonderten sich zwei seiner Bekannten ab, um in ein benachbartes Haus einzubrechen. Dort erbeuteten sie Geld, Sammelmünzen und mehrere EC-Karten. In Rüdesheim zeichnete eine Überwachungskamera den Angeklagten in einer Bankfiliale dabei auf, wie er mit den gestohlenen EC-Karten mehrere Hundert Euro abhob.

Mittäter als Einbrecherbande organisiert

Die Diebestour habe er keineswegs geplant, beteuerte der 27-Jährige vor Gericht. Schließlich war er bei der Tat für ein Vorstellungsgespräch gekleidet gewesen und habe noch nicht einmal Handschuhe getragen. Dass seine Kumpels, die wie er selbst aus Bremen stammen, ihn nicht aus freundschaftlichen Gründen regelmäßig besuchten, war dem einschlägig Vorbestraften allerdings durchaus bewusst. Die Clique sei im heimischen Bremen als Einbrecherbande bekannt, ihr Oberhaupt soll vor drei Jahren einen Einbruch bei einer Staatsanwältin angezettelt haben, um an Ermittlungsdaten heranzukommen.

Der Angeklagte war damals erwischt und zu einer Haftstrafe von elf Monaten verurteilt worden – ausgesetzt zur Bewährung. "Sie lernen schlicht nichts aus diesen Bewährungsstrafen, es wäre besser, wenn sie schon früher in Haft gekommen wären", erklärte der Staatsanwalt denn auch in seinem Plädoyer.

Er habe schon längst beschlossen, sich von seiner alten Clique loszusagen, beteuerte hingegen der Angeklagte, deswegen sei er vor drei Jahren aus Bremen weggezogen. Da ihm, der als Jugendlicher aus schwierigen Verhältnissen im Heim landete, die kriminellen Jugendfreunde zur Ersatzfamilie geworden waren, war die Abhängigkeit aber zu groß. Außerdem versorgten ihn die alten Bekannten zum Nulltarif mit Drogen wie Kokain und Amphetaminen, die er gebraucht habe, um sich für seine Arbeitseinsätze bei bekannten Sterneköchen zu wappnen.

Angst vor Racheakten

Die Angst vor Racheakten gegen seine Familie habe ihn bisher davor abgehalten, seine Kumpels an die Polizei zu verraten. Damit soll jetzt zumindest Schluss sein: Der 27-Jährige nannte vor Gericht die Namen seiner Mittäter und willigte ein, in einer polizeilichen Vernehmung detaillierte Angaben zu den kriminellen Verstrickungen der Clique zu machen.

Sein umfangreiches Geständnis und die Benennung der Mittäter wertete das Gericht zu seinen Gunsten und blieb unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von drei Jahren Haft. "Das ist noch ein mildes Urteil", erklärte der vorsitzende Richter Klaus Behrendt. Das Gericht verfügte dabei, dass der 27-Jährige weiterhin in Haft bleibt.

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