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Oberwesel

Besuch in Oberwesel: Anselm Grün plädiert für achtsames Sprechen

Er ist ein Ordensmann, der mitten im gesellschaftlichen Leben steht, die Debatten der Zeit mit wachem Blick verfolgt und Millionen Menschen mit seinen spirituellen wie lebenspraktischen Schriften inspiriert: Am Donnerstagabend sprach Benediktinerpater Anselm Grün auf Einladung der Oberweseler Kolpingsfamilie in der Liebfrauenkirche.

Benediktinermönch Anselm Grün bewegte die Zuhörer in der Oberweseler Liebfrauenkirche mit seinem Plädoyer für eine achtsame, nicht verletzende Sprache. Hunderte waren gekommen, um den Worten des bekannten Ordensmannes und Autors zu lauschen. Foto: Werner Dupuis
Benediktinermönch Anselm Grün bewegte die Zuhörer in der Oberweseler Liebfrauenkirche mit seinem Plädoyer für eine achtsame, nicht verletzende Sprache. Hunderte waren gekommen, um den Worten des bekannten Ordensmannes und Autors zu lauschen.
Foto: Werner Dupuis

Von unserer Redakteurin Martina Koch

Hunderte Zuhörer lauschten gebannt den sorgsam gewählten Worten des auch als Talkshowgast bekannten 69-Jährigen. "Achtsam sprechen. Die heilende Wirkung der Sprache wiederentdecken", lautete der Titel seines Vortrags. Er sei keinesfalls gekommen, um die Sprache der Anderen zu beurteilen, erklärte Grün. Es gehe ihm stattdessen darum, sein Publikum für die Macht der Sprache zu sensibilisieren und zu einem achtsamen Umgang mit ihr anzuregen: "Sprache kann verletzen oder eine Heimat sein."

Mit zahlreichen Beispielen aus dem Neuen Testament, aus philosophischen Schriften, linguistischen Forschungsarbeiten und seinen persönlichen Erlebnissen als geistlicher Berater verdeutlichte er den Oberweselern anschaulich, was eine achtsame Sprache ausmacht – und welche Verletzungen durch einen unachtsamen Umgang mit Worten entstehen. Die achtsame Sprache schaffe eine Gemeinschaft, ein Miteinander. Sie bewerte nicht, moralisiere nicht und pathologisiere nicht. Stattdessen komme sie von Herzen und drücke in diesem verborgene Gefühle aus.

Worte können verheerende Wirkung haben

Beispiele für die verheerende Wirkung von Worten findet Anselm Grün im Dritten Reich, als die aggressive Sprache des nationalsozialistischen Regimes zu aggressivem Verhalten führte. Aber auch in den Debatten der heutigen Zeit wird der Benediktinermönch fündig: "Es gibt eine richtige Empörungskultur. Ich habe aber keine Lust, mich auf Befehl zu empören." Sein Vater habe ihm schon früh die Maxime vermittelt: "Über Andere spricht man nicht". Eine Sprache, die darauf abziele, Mitmenschen zu beurteilen und ihre Fehler in die Öffentlichkeit zu zerren, entlarve den Redenden: "Vielen geht es nicht darum, was sie sprechen, sondern nur darum, möglichst viel Redezeit zu haben."

Auch die Dorfkultur zeige sich in der Art, wie die Einwohner miteinander sprechen. Werde untereinander vor allem über Andere geredet, zeuge dies von einem Mangel an Sprachkultur, indem die Betreffenden anstatt miteinander zu sprechen aneinander vorbeireden. Dadurch kämen keine richtigen Beziehungen untereinander zustande.

Inneren "Raum der Stille" nutzen

Die Quelle für achtsames Sprechen liegt nach Anselm Grün in jedem Einzelnen verborgen: "Das richtige Sprechen kommt aus dem Schweigen." Jeder beherberge in sich einen Raum der Stille. In seinem Innersten sei der Mensch frei, heil, authentisch, rein von Schuld und bei sich daheim. Mit bewegenden Segensworten schwor Anselm Grün die Oberweseler darauf ein, sich dieses Raums der Stille bewusst zu werden und ihn als Rückzugsort zu nutzen.

Der Segen entließ die Gäste der Kolpingsfamilie nach einem Abend voller wertvoller Denkanstöße für Leben und Glauben in die Nacht. Anselm Grün nahm sich im Anschluss noch viel Zeit, seine Bücher zu signieren und mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

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