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    Limburg

    Polizistenmord: Landgericht bleibt noch viel Arbeit

    Lebenslang oder Freispruch? Der Mordprozess, bei dem sich ein Mann verantworten muss, der in einem Zug in Herborn einen Polizisten erstochen hat, zieht sich in die Länge.

    Foto: picture alliance / dpa

    Zwar konnte das Landgericht Limburg am Dienstag im Polizistenmordprozess einen Großteil der Hilfsanträge des Verteidigers des 28-jährigen Angeklagten abarbeiten. Aber außer einem weiteren Zeugen fehlten der Großen Strafkammer auch noch Videoaufnahmen. Somit bleibt noch viel Arbeit bis zur Urteilsverkündung. Der dafür noch vor einer Woche im Raum stehende Termin 28. November ist wieder offen.

    Der zur Tatzeit 27-jährige Angeklagte aus Dillenburg soll an Heiligabend 2015 nach einer Schwarzfahrt zwischen Wetzlar und Herborn, die den Zugbegleiter dazu veranlasste, die Polizei auf den Bahnhof in Herborn zu „bestellen“, an Gleis 2 in einem Regionalexpress auf zwei Polizisten eingestochen haben. Ein damals 46 Jahre alter Beamter machte ihn mit drei Schüssen aus seiner Dienstwaffe handlungsunfähig, starb aber später an den Folgen der Messerstiche. Sein Kollege hatte lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Sowohl Oberstaatsanwalt Dominik Mies als auch Nebenklagevertreter Jochen Hentschel hatten in ihren Plädoyers eine lebenslange Haft für den Vorbestraften gefordert. Verteidiger Torsten Fuchs sah eine Notwehrsituation, die mit einem Freispruch zu enden habe.

    Zu der Nachmittagssitzung am Dienstag waren nach dem Neubeginn der Beweisaufnahme einige Zeugen geladen, mit deren Hilfe sich der Strafverteidiger mildernde Umstände im Falle einer Verurteilung erhoffte. Dazu gehörte ein Richter aus Gießen, der sich mit der vorausgegangenen Strafe des Angeklagten befassen musste, weil sich dieser nicht mehr bei seiner Bewährungshelferin gemeldet hatte. Sein Bericht brachte ebenso wenig Neues wie die Einvernahme von mehreren Beamten des Landeskriminalamtes und der lokalen Polizei, die sich mehr oder weniger genau an Vernehmungen von unmittelbaren Zeugen der Bluttat im Anschluss an den 24. Dezember 2015 erinnern konnten. Oft musste der dem fünfköpfigen Schwurgericht vorsitzende Richter Andreas Janisch den Zeugen durch Zitate aus den zumeist knapp einem Jahr alten Vernehmungsprotokollen auf die Sprünge helfen.

    Fuchs hatte einen Zeugen „aus dem Hut gezaubert“ und in die Domstadt laden lassen, der zu der von der Verteidigung genannten Zeit überhaupt nicht bei der Einweihungsfeier in einem Dillenburger Tattoo-Studio war und deshalb davon auch nichts berichten konnte. Der Anwalt hatte diesen Namen in einer Zeugenaussage gefunden und diese Person deshalb in einen Hilfsantrag gesetzt. Auch eine Sanitäterin der JVA Kassel konnte ein im Raum stehendes Gespräch mit einer Kollegin nicht bestätigen.

    Die 2. Große Strafkammer, die am vergangenen Verhandlungstag schon einige wenige der 23 Hilfsanträge von Fuchs abgelehnt hatte, konnte sich weder mit einem Gutachten über die Weg-Zeit-Beschreibung des getöteten Polizisten auf seinem Weg zum Angeklagten noch mit einem verhaltenspsychologischen Gutachten anfreunden. „Das überschreitet die Sachkunde der Kammer nicht“, begründete Andreas Janisch das „Nein“. Auch fünf weitere Hilfsanträge der Verteidigung wurden abgelehnt. Zu guter Letzt wurde ein für 14.45 Uhr geladener Zeuge nach seinem verspäteten Ankommen gegen 18.30 Uhr gehört. Der Marburger Student ausländischer Herkunft bemühte sich, die deutsche Sprache möglichst korrekt anzuwenden und schilderte sehr sachlich seine Wahrnehmungen als Fahrgast. Oberstaatsanwalt Dominik Mies bat „aus dem Bauchgefühl heraus“ den Zeugen, nach ihm bekannten Personen im Publikum zu schauen. Der Zeuge glaubte, einen älteren Mitfahrer aus dem Regionalexpress erkannt zu haben, was aber nicht stimmte. Den tatsächlich im Gericht anwesenden Zeugen der Tat von damals konnte er jedoch nicht bestimmen. Ein „Knackpunkt“ in der weiteren Termingestaltung des Prozesses wird die von der Verteidigung geforderte Sichtung einer Videoaufzeichnung aus dem Tattoo-Studio werden. „Die Videos sind nur schwer und aufwendig auf eine Festplatte zu speichern“, gab Richter Janisch den Verfahrensbeteiligten zu verstehen. Da sie zudem nicht geordnet seien, müsse man „über die weitere Gestaltung nachdenken“.

    Janisch fragte dann auch in den Raum: „Ist die komplette Sichtung leistbar?“ – und schob hinterher: „Wenn die Auswertung drei Monate dauert ...“ Der Oberstaatsanwalt wollte dieses Thema nicht vorschnell zu den Akten gelegt sehen. Am Ende beschloss das Gericht: „Wenn wir das (Video) haben, dann denken wir gemeinsam darüber nach, heute ist das zu früh.“ Nicht nur für die dann eventuell mögliche Sichtung des Videos ist der Folgetermin am 28. November noch nötig. Zu der an diesem Tag um 14 Uhr startenden Sitzung soll eine weitere Zeugin geladen werden. Christoph Weber

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